Claudia Rossini freut sich über Kunden wie Sonia Herrmann, die nichts gegen einen Schnelltest einzuwenden haben.
+
Nur mit Maske und mit Schnelltest beim Friseurbesuch. Hier schneidet Friseurin Claudia Rossini aus Rüsselsheim ihrer Kundin Sonia Herrmann die Haare.

Rüsselsheim

Corona-Testpflicht beim Friseur stellt Salons vor große Probleme

Viele Kunden in Rüsselsheim sagen wegen der Schnelltestpflicht in der Corona-Pandemie kurzfristig ihre Termine beim Friseur ab.

Rüsselsheim – Eine Verordnung, eine Regelung jagt die andere. Friseure zu, Friseure auf, Termine nur mit Schnelltest, Termine auch mit der vollständigen Impfung. Die Verpflichtung, nur mit einem negativen Corona-Schnelltest der Kunden deren Haare mit Schere und Kamm wieder in Form bringen zu dürfen, macht den Friseuren zu schaffen.

In Claudia Rossinis Brust schlagen allerdings zwei Herzen. Sie findet die Tests schlichtweg gut. „Wir wollen doch alle gesund bleiben“, betont die Leiterin des Rüsselsheimer Salons „Moda di Capelli“. Mit dem Schnelltest würden Kunden erkennen, ob sie Virusträger sind, obwohl sie keine Symptome zeigen. Dies sei ein Schutz für ihre Mitarbeiter.

Rossini versteht gleichwohl auch die Kunden, die es für zu aufwendig halten, sich für einen Friseurbesuch testen zu lassen. Sie denkt dabei beispielsweise an Kunden, die auf einen Rollator angewiesen sind und mit dieser Gehilfe noch zum Testzentrum oder zur Apotheke laufen müssen.

Corona-Schnelltests vor Salon in Rüsselsheim: Bei Wind und Wetter 15 Minuten warten

Die Kunden dürfen sich allerdings auch vor der Eingangstür selbst testen. Sie müssen dann jedoch im Freien bei Wind und Wetter auf das Testergebnis warten, was bis zu 15 Minuten dauern kann. Rossini hat sogar Schnelltests auf eigene Kosten angeboten. Aber dies verursache noch mehr Ausgaben, sagt sie. Und das bei zahlreichen Terminabsagen - eben wegen der Testpflicht.

Zumal sie berichtet, von der staatlichen finanziellen Unterstützung für die Monate Dezember, Januar und Februar noch keinen Cent gesehen zu haben. Dennoch habe sie eine Auszubildende eingestellt, die sie monatlich 1000 Euro koste.

Vollständig Geimpfte dürfen auch ohne Corona-Schnelltest zum Friseur

Die Kundinnen Sonia Herrmann und Monika Hesson haben nichts gegen die Schnelltests einzuwenden. „Es gibt Menschen, die haben keine Symptome und sind dennoch positiv“, sagt Herrmann. „Das ist sinnvoll, ich möchte niemanden anstecken“, meint auch Hesson.

Dass inzwischen vollständig geimpfte Menschen ohne einen Schnelltest einen Friseur besuchen können, begrüßt Rossini. Sie konnte bereits Kunden bedienen, die zwei Mal geimpft wurden.

Die eine oder andere Absage von Kunden hat auch Enza Mannino hinnehmen müssen. Sie würden sich wieder melden, wenn sie zwei Mal geimpft worden seien, berichtet die Inhaberin des Salons „Enza - Ihr Friseur“. Andere Kunden sagten ihren Termin einfach so ab.

Schnelltest vor Friseurbesuch ist für ältere Kunden in Rüsselsheim stressig

Mannino weiß aber auch, dass viele ältere Kunden es einfach als stressig empfinden, sich vor dem Friseurbesuch testen lassen zu müssen. Andere seien mit den sich ständig ändernden Vorgaben überfordert.

Sie halte die Maßnahme bei der geringen Anzahl der Menschen im Laden nicht für sinnvoll. Vor der Einführung der Testpflicht sei ein Friseurbesuch problemlos möglich gewesen. Aber sie empfinde es auch als schwer, nach dem Motto „gut oder schlecht“ zu urteilen.

Positiv findet die Geschäftsfrau indessen die Möglichkeit, dass zweifach geimpfte Menschen ohne einen Schnelltest einen Friseursalon besuchen dürfen. Sie habe bereits viele vollständig geimpfte Kunden bedient. Sie wisse auch von vielen Menschen, die sich impfen lassen wollen, um wieder ein normales Leben führen zu können.

Rüsselsheim: Schnelltests in der Apotheke sind schwer zu bekommen

„Ich habe wenig zu tun“, berichtet Elena Minaki, Inhaberin des Salons „Hair Styling Elena“. Sie nennt die Schnelltests als Grund. Problematisch sei bereits, dass Kunden nicht informiert seien. Zudem wollten sich viele nicht testen lassen, nur um zum Friseur zu gehen. „Am ersten Samstag, nachdem die neue Regel in Kraft getreten war, hatte ich drei Kunden“, sagt Minaki.

Den Schnelltest um die Ecke bei der Apotheke durchführen zu lassen, sei fast unmöglich. Die Apotheke sei für fast drei Wochen ausgebucht. Mit dem Bus wollten viele nicht in die Stadt fahren, um sich beim Testzentrum testen zu lassen. Einige Kunden machten einen Selbsttest, aber viele wüssten gar nicht, dass dies möglich sei.

Bei einem Friseur ist alles steril.

Elena Minaki, Inhaberin des Salons „Hair Styling Elena“

Minaki kann nicht nachvollziehen, warum die Kunden für den Friseurbesuch einen Schnelltest benötigen. Sie habe einen Salon mit einer Fläche von 120 Quadratmetern, bediene mit drei Mitarbeitern vier bis fünf Kunden. In einem Supermarkt laufe dagegen jeder eng an ihr vorbei, in einem Bus drängelten sich die Passagiere. Die Hygienemaßnahmen reichten in einem Friseursalon vollkommen aus. „Bei einem Friseur ist alles steril.“ Minaki hofft, dass mit den Kunden, die zwei Mal geimpft sind, nun ein bisschen Bewegung in das Geschäft kommt. Sie habe bereits einige Kunden gehabt, die komplett geimpft seien. (Rüdiger Koslowski)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare