Vor zwei Jahren boten die Vereine beim Rüsselsheimer Weihnachtsmarkt im Verna-Park ein buntes Programm. Hier eine Aufführung des Tanzstudios Ballatina. ArchivFOTO: Maik Reuß
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Vor zwei Jahren boten die Vereine beim Rüsselsheimer Weihnachtsmarkt im Verna-Park ein buntes Programm. Hier eine Aufführung des Tanzstudios Ballatina. ArchivFOTO: Maik Reuß

Kultur

Weihnachtsmarkt ist ungewiss

  • Dorothea Ittmann
    VonDorothea Ittmann
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Stadt verweist auf nicht genehmigten Haushalt - Alternativen gesucht

Rüsselsheim -Es hätte so schön sein können, fast wie vor der Corona-Pandemie. Die Hessische Landesregierung gab am Dienstag bekannt, dass Weihnachtsmärkte in diesem Jahr ohne Zugangskontrollen und Personenbeschränkung stattfinden dürfen. Doch in Rüsselsheim droht der Hüttenzauber am zweiten Adventwochenende, vom 2. bis 5. Dezember, in der Innenstadt auszufallen. Grund dafür sei der nicht genehmigte Haushalt. Ohne ihn dürfe die Stadt keine freiwilligen Leistungen gewähren, die vor allem kulturelle und soziale Aufgaben betreffen.

Man würde ja gerne, könne aber nicht, habe es bei einem Gespräch des Gewerbevereins mit den zuständigen Behörden und Oberbürgermeister Udo Bausch geheißen, wie Sven Herrschaft, Vizepräsident des Gewerbevereins Rüsselsheim, berichtet.

In den vergangenen Jahren hatte die Stadt das Organisationsteam um Armin Thienger und Peter Kolb von "Unternehmen Rüsselsheim" finanziell unterstützt. Ohne diesen fünfstelligen Beitrag werde man auch mit Hilfe von Sponsoren und Standgebühren nur wenig auf die Beine stellen können, bedauert Herrschaft.

Marktplatz ausgeschlossen

Hinzu komme, dass der zentral gelegene Marktplatz nach Auskunft der Stadtverwaltung nicht für den Weihnachtsmarkt genutzt werden könne, weil dort samstags Wochenmarkt ist.

Dieses Argument trifft beim Gewerbeverein auf Unverständnis, schließlich könne der Wochenmarkt für diesen einen Tag im Dezember auf einen anderen Platz ausweichen, wie früher schon einmal auf den Bahnhofsplatz.

Der Verna-Park sei zwar eine Alternative, jedoch wegen fehlender Infrastruktur aufwendig und kostenintensiv mit Strom und Wasser zu versorgen, bemerkt Herrschaft. Zuletzt hatte es einen Adventsmarkt 2019 in der denkmalgeschützten Parkanlage gegeben. Der Standort ist umstritten.

Weihnachten in der Rüsselsheimer Innenstadt ganz ausfallen zu lassen, kommt für den Gewerbeverein dennoch nicht infrage. Man stehe derzeit in Gesprächen mit den Gewerbetreibenden, um eine gemeinsame adventliche Gewinnaktion auf die Beine zu stellen.

Außerdem wolle der Verein den Rüsselsheimern in der Innenstadt die Möglichkeit bieten, sich auf einen Glühwein und zum Bummeln zu treffen. Zwei solcher Orte könnten das MK-Hotel und der Adamshof sein. Spruchreif sei dies aber noch nicht, so Herrschaft.

Die Stadt unterstütze alle Initiativen für einen Weihnachtsmarkt in der Innenstadt, heißt es auf Anfrage des Echo aus dem Rathaus. Auch kleinere Initiativen mit weihnachtlichen Buden seien denkbar.

Zu diesem Zweck könnten auch andere öffentliche als der Verna-Park zur Verfügung gestellt werden und die Stadtverwaltung stünde mit ihrem gesamten Fachwissen, z.B. mit Hilfe bei der Anordnung von Buden, Genehmigungen und bei weiteren logistischen Fragen zur Verfügung.

Unterstützung bleibt "offen"

In welchem Umfang die Stadt in diesem Jahr finanziell unterstützen könne, sei weiterhin offen, da ohne die Genehmigung des Haushalts keine freiwilligen Leistungen ausgezahlt werden könnten.

Die finanzielle Zuwendung sei im Haushalt 2021 wie in den Jahren zuvor mit bis zu 20000 Euro eingeplant. Hinzu kämen weitere Kosten, die die Stadt übernimmt, wenn der Weihnachtsmarkt im Verna-Park stattfindet:

für die Stromversorgung ausgehend vom Landungsplatz und die Wasserversorgung weit über 10000 Euro;

für die Schadensbeseitigung im Verna-Park je nach Witterung und vorliegenden Schäden zwischen 15 000 bis 20 000 Euro. Zudem stelle die Stadt die Toiletten in der Parkschule bereit.

"Ich bin am Dienstag sechs Stunden durch die Innenstadt gelaufen und habe mit Gewerbetreibenden gesprochen", sagt Enza Mannino, Präsidentin des Gewerbevereins Rüsselsheim, von der organisatorischen Mammutaufgabe. Man fühle sich von der Stadt im Stich gelassen. Eine vertraglich geregelte Beteiligung der Stadt an den Kosten gebe es nicht. Jedes Jahr heiße es, es sei kein Geld für den Weihnachtsmarkt da. Eine motivierte Zusammenarbeit sehe anders aus. "Wir werden andauernd vertröstet." Er spricht von einer "Zermürbungstaktik".

Die Vereine in den Stadtteilen Bauschheim, Haßloch und Königstädten hätten es da einfacher, pflichtet Mannino bei. In Haßloch organisiert die Kerbegesellschaft das vorweihnachtliche Treiben auf der Wied, in Königstädten die Gemeinschaft der Königstädter Kultur- und Sportvereine auf dem historischen Bismarckplatz und der Verein "Für Bauschheim" auf dem Kerweplatz. "Für die Innenstadt gibt es einen solchen Verein nicht", bedauert Mannino - und auch keinen unumstrittenen Festplatz. Der Kreis schließt sich.

Freuen dürfen sich die Rüsselsheimer jedenfalls auf die Lichterketten an den Bäumen, die sollen vom ersten Adventswochenende die dunklen Winternächte erhellen. Dorothea Ittmann

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