Brutale Tat vor Gericht

Weil sie ein neues Leben beginnen wollte: Mann zündet die eigene Frau an

  • schließen

So etwas habe sie in ihrem Berufsleben noch nie gesehen. Und wolle das auch nicht noch mal, sagte eine Notfallsanitäterin des Roten Kreuzes vor dem Landgericht Darmstadt. Sie und ein Kollege hatten eine 39-jährige Frau aus einer brennenden Rüsselsheimer Wohnung geholt.

Totenstille herrschte im Saal drei des Landgerichts in Darmstadt, als Staatsanwalt Nico Kalb die Anklage verlas. Die Anklage wirft dem 41-jährigen Ehemann der Mutter von vier Kindern vor, sie am 20. September vergangenen Jahres mit einer Machete angegriffen, bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und mit Benzin übergossen zu haben. Dann forderte er seine aus der Besinnungslosigkeit erwachende Frau auf, so das Opfer als Zeugin vor dem Schwurgericht, sich selbst anzuzünden. „Sonst tue ich es“, soll er gesagt haben. Genau dies setzte der Mann vom Bosporus nur wenige Sekunden nach der Ankündigung in die Tat um. So jedenfalls die Anklageschrift.

Es kam, ersten Erkenntnissen nach, im Schlafzimmer der Wohnung in der Rembrandtstraße in Rüsselsheim zu einer

Verpuffung

. Die Frau erlitt Verbrennungen, die ihr Gesicht bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten. Die gesamte Haut des Oberkörpers, der Oberschenkel und der Arme verbrannte zu einer schwarzen Masse. Bis zum Prozesstermin war nicht klar, ob und wann ein Bein der Frau sowie mehrere Finger amputiert werden müssen. „Das war so schlimm, wir konnten der vor Schmerzen nur noch schreienden Frau im Rettungswagen nicht einmal mehr einen Zugang legen, um ihren Kreislauf zu stabilisieren und ihr hohe Dosen Schmerzmittel zu geben“, sagte die langjährige Sanitäterin. Schließlich schaffte es ein Notfallsanitäter, am linken Fuß eine Vene zu finden.

Der Rettungshubschrauber brachte die Frau in die Spezialklinik für Brandverletzte in Offenbach. Doch auch hier konnte man nicht sehr viel für sie tun. Der Experte von einer Spezialklinik bei Leipzig, in die das Opfer des Brandanschlages schließlich verlegt wurde, sprach davon, dass die 39-Jährige nach mindestens 30 und weiteren folgenden Operationen noch einen langen Weg zurück in ein normales Leben vor sich habe. Unter Tränen klagte das Opfer des Brandanschlages, das Jugendamt habe ihr den Umgang mit ihren Kindern verboten. Erst vor dem Gerichtssaal gab es ein Wiedersehen.

Der Angeklagte sah die ganze Sache völlig anders. Seine Frau habe mit Benzin eine Fahrradkette gereinigt, dabei geraucht und so sei „das Unglück“ passiert. Der mehrfache Gast in deutschen Gefängnissen räumte schließlich ein, dass seine Frau mit einem anderen Mann ein neues Leben anfangen wollte.

Der Prozess geht heute, Mittwoch, weiter.

Anmerkung der Redaktion:

Die Pressestelle der Stadt Rüsselsheim teilt mit, es gebe zwischen dem Fachbereich Jugend und Soziales und der Mutter eine gute Kooperation. Die Mutter sehe ihre Kinder in regelmäßigen Abständen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare