Konzert

Weltstadtflair im Opel-Altwerk

Die achte Veranstaltung der Initiative Kunstraum fand im Restaurant Las Brisas im Opel-Altwerk statt. Zum ersten Mal war es Mattis Schneider gelungen, auch einen internationalen Musiker für die Reihe zu gewinnen. Neben Mudibu aus London war ein echter A-Promi aus dem Ausland – zumindest in Gedanken – dabei.

Schick gekleidete Menschen sitzen bei Wein und Cocktails in einem alten Industrie-Loft beisammen. In regelmäßigen Abständen rauscht an der Fensterfront ein beleuchteter Regionalzug vorbei. Auf der Bühne steht ein charismatischer dunkelhäutiger Sänger und trägt tänzelnd seine souligen Lieder in Englisch und seiner Muttersprache Kirundi vor. All das findet nicht in New York oder Berlin, nein, nicht einmal in Frankfurt statt. Das Restaurant Las Brisas im Opel-Altwerk in Rüsselsheim ist der Austragungsort dieser künstlerisch kulinarischen Melange.

Mattis Schneider vom Organisationsteam des Kulturprojekts Kunstraum ist glücklich. Wieder einmal ist es seinem Team gelungen, einen hochkarätigen und abwechslungsreichen Abend zu planen. Zwei Musiker und ein Schriftsteller sollen den Gästen eine ungezwungene Zeit verschaffen und ihnen neue, vielleicht auch ungewohnte, Erfahrungen bieten.

Die größte Herausforderung für die Gäste ist sicher die Lesung von Matthias Boosch. Der Literaturförderpreisträger der Stadt Mainz fordert die Konzentration der Zuhörer mit einer experimentellen Kurzgeschichte mit dem Titel

„Mit Trump im Kornfeld“

. „Wie interagiert mein Geist mit diesen Leuten, denen man in den Medien nicht entgehen kann? Welches Eigenleben entwickelt ein Präsident Trump in meinem Bewusstsein?“ Fragen wie diese seien der Ausgangspunkt seiner Geschichte gewesen, erzählt der humorvolle junge Mann vor seinem Auftritt. Boosch ist ein alter Bekannter im Kunstraum, er war schon bei der ersten Veranstaltung dabei und stößt auch mit seiner nicht ganz leichten Kost auf Interesse.

Mit Roots Rock aus Franken, der klingt als käme er aus dem tiefsten Süden der USA, beginnt der Abend. Den gebürtigen Oberbayer Bernd Rinser hat schon die Süddeutsche Zeitung als „Großmeister des Folk und Blues“ beschrieben. Mit jedem Song werden die Gespräche an den Tischen weniger, schließlich klatschen viele begeistert mit. „Man fühlte sich echt zurückversetzt in die 80er Jahre“, lobt eine Zuhörerin.

Gänzlich aus dem Häuschen sind dann alle Gäste beim Auftritt von Mudibu. Geboren in Burundi, lebt und arbeitet der Musiker heute in London. Über Kontakte aus seinem zweijährigen London-Aufenthalt ist Veranstalter Mattis Schneider auf den Künstler aufmerksam geworden. Mudibu ist glücklich über seinen Aufenthalt in der Opelstadt. Er hätte niemals ein solch warmes Willkommen erwartet, hatte er zuvor noch strahlend erzählt, während er in einer Ecke des Restaurants auf seinen Auftritt wartete. Die Atmosphäre des Abends sei magisch, ergänzt er und lobt das geschmackvolle Ambiente. Für Mittwoch sei noch eine Besichtigungstour in Rüsselsheim geplant, darauf freue er sich schon.

Seine Lieder, die sich auch mit der Lage in seiner Heimat Burundi auseinandersetzen und die er teilweise in seiner Muttersprache Kirundi vorträgt, gehen leicht ins Ohr. Und auch Dank seiner starken Bühnenpräsenz und der Interaktion mit dem Publikum, springt der Funke schnell über. Spätestens jetzt ist die volle Konzentration aller im Raum auf die Bühne gerichtet.

Der Eintritt zu den Veranstaltungen von Kunstraum ist frei. Wem es gefallen hat, kann ein Austrittsgeld hinterlassen. Der dafür vorgesehene Geigenkasten am Ausgang ist an diesem Abend gut gefüllt.

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