Besonnen und mit System: Die Wahlhelfer in der Großsporthalle zählen die Stimmzettel aus 19 Briefwahlbezirken aus. Schnelltests und Desinfektionsmittel stehen an jedem Bezirkstisch bereit. FOTO: Stella Lorenz
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Besonnen und mit System: Die Wahlhelfer in der Großsporthalle zählen die Stimmzettel aus 19 Briefwahlbezirken aus. Schnelltests und Desinfektionsmittel stehen an jedem Bezirkstisch bereit.

Bundestagswahl

Weniger Briefwähler als erwartet

  • Stella Lorenz
    VonStella Lorenz
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SPD klar vorne in Rüsselsheim - "Keine Auffälligkeiten" bei den Wahlscheinen

Rüsselsheim -Punkt 18 Uhr wurden die Brieföffner gezückt. In der Großsporthalle machten sich gestern zur Bundestagswahl über 170 Wahlhelfer daran, die Briefwahlzettel zu sichten, zu ordnen und auszuzählen. Wahlleiterin Trudi Hartung und ihr Team waren gut vorbereitet, schließlich liegt die Kommunalwahl erst ein halbes Jahr zurück.

Dieses Mal war der Aufwand aber überschaubarer, es galt, nur je einen Stimmzettel pro Wähler auszuzählen. Zudem war die Briefwahlbeteiligung niedriger als bei der Kommunalwahl: "Wir hatten 12 571 Briefwahlanträge; im März waren es knapp 14 000", so Trudi Hartung, die aufgrund der erfahrungsgemäß höheren Wahlbeteiligung bei einer Bundestagswahl extra die Anzahl der Briefwahlvorstände erhöht hatte.

Kurz vor Mitternacht war klar: 29,5 Prozent der Rüsselsheimer haben ihre Zweitstimme der SPD gegeben (Erststimme: 34 Prozent), die CDU erhielt 21,3 Prozent (Erststimme: 26,1 Prozent). Darunter lagen die Grünen mit 14,4 Prozent (Erststimme: 11,5 Prozent), die FDP mit 10,8 Prozent (Erststimme: 8,1 Prozent), die AfD mit 9,2 Prozent (Erststimme: 9,2 Prozent) und die Linke mit 4,8 Prozent (Erststimme: 4,6 Prozent). Die Partei Team Todenhöfer erhielt 3 Prozent der Stimmen; Achim Weidner, Direktkandidat der Freien Wähler, kam auf 2,7 Prozent der Erststimmen.

Ohne Zwischenfälle

Zwischenfälle in den Wahlbüros, wie es beispielsweise in Berlin mit einem Stimmzettelmangel, hatte es in Rüsselsheim nicht gegeben. "Höchstens kommen manchmal Leute, die Briefwahl beantragt haben, aber dann doch vor Ort wählen möchten", sagte Schriftführerin Saskia Schleidt. Das werde dann einfach überprüft - "Kleinigkeiten", wie sie betonte.

Bereits kurz nach 20 Uhr war die Hälfte aller Stimmen ausgezählt, bis das vorläufige Gesamtergebnis vorlag, dauert es noch bis 23.40 Uhr. Ein Briefwahlbezirk musste beispielsweise noch mal zählen, weil eine Stimme fehlte. "Eine Sisyphosarbeit. Aber das Endergebnis muss stimmen", so Hartung. Nach dem Wahlbetrugsversuch im März wird auf akribische Durchsicht noch mehr Wert gelegt als normalerweise schon. "Es gab keine Auffälligkeiten, alles war ordentlich unterschrieben. Die Botschaft ist angekommen."

Die niedrige Briefwahlbeteiligung führt sie direkt auf die Vorfälle der Kommunalwahl zurück. "Ich hatte eigentlich geschätzt, dass wir auf etwa 20 000 kommen, vielleicht kamen jetzt einfach mehr direkt an die Urne", mutmaßte sie.

Die Wahlbeteiligung liegt mit insgesamt knapp 68,6 Prozent unter dem Wert der letzten Bundestagswahl. 2017 hatten sich gut 71 Prozent der Rüsselsheimer ins Wahllokal begeben; damals stand zeitgleich die OB-Wahl an.

Trudi Hartung zeigte sich überrascht ob der niedrigeren Beteiligung. "Wir hatten eine andere Erwartungshaltung, zumal es sich hier um die Wahl einer neuen Kanzlerin oder eines neuen Kanzlers handelt."

Zufrieden mit dem Ablauf

Aus organisatorischer Sicht zeigte sich die Wahlleiterin jedoch glücklich. "Wir freuen uns, dass alles gut klappt hat", sagte Hartung am späteren Abend im Gespräch. "Ich bin mit dem kompletten Team sehr zufrieden." Sowohl die Wahlhelfer als auch die Verwaltungsmitarbeiter seien sehr gut geschult worden - neben zahlreichen Informationen zum regelmäßigen Ablauf der Wahl zählten beispielsweise auch Hinweise zum Umgang mit Maskenverweigerern. Damit habe es aber keine Probleme gegeben. lor

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