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Hoffen auf die Zukunft: Auch mit Maske will sich Udo Biebel nicht unterkriegen lassen. Archivbild: Susanne Rapp

Gewerbe

Wenn der Weihnachtszauber ausfällt

"Irgendwann ist Schluss" - Schausteller Udo Biebel über ausfallende Märkte und die Zukunft: Wenn ab dem Frühsommer 2021 nicht wieder die Feste zu beschicken sind, gehen auch bei ihm "die Lichter aus".

Rüsselsheim - Besonnenheit ist wohl eine von Udo Biebels wichtigsten Eigenschaften. Denn trotz der derzeit angespannten Situation bleibt der Chef des Rüsselsheimer Schaustellerbetriebes Biebel ruhig. "Was bringt es mir, mich aufzuregen und mir Sorgen zu machen, wenn ich daran gar nichts ändern kann?", fragt er..

Dabei ist seine Branche wohl wie kaum eine andere betroffen von den Auswirkungen der Corona-Krise. Denn erst werden die Jahrmärkte abgesagt, dann die Kerwen und nun auch die Weihnachtsmärkte. "Um ehrlich zu sein, ich hatte damit fast gerechnet, nach all den vorhergehenden Absagen", sagt Biebel. "Wenn irgendwo die Leute eng zusammenstehen, dann ja wohl bei einem Weihnachtsmarkt."

Karussellfahren im Sicherheitsabstand

Normalerweise beschickt der Schaustellerbetrieb in dieser Jahreszeit zwischen sieben und zwölf Weihnachtsmärkte in der gesamten Region. Alle fallen aus. Opfer der Corona-Pandemie. Einziger Lichtblick ist der "Weihnachtsmarkt to go" in Nauheim. Dort hat Biebel Imbissbuden und ein Karussell stehen. Ermöglicht wurde dies vom Nauheimer Gewerbeverein.

Bei den Imbissbuden dürfen Bratwürste und kandierte Mandeln nur mitgenommen werden, auf dem Kinderkarussell dürfen Kinder unter Einhaltung der Gesundheitsregeln ein paar Runden drehen. Konkret heißt das: In jedem der acht Figürchen mit Sitzplätzen darf nur ein Kind mitfahren, Ausnahmen gibt es nur bei Kindern aus dem gleichen Haushalt. Außerdem werden alle Stangen und Lenkräder ständig desinfiziert. Nur so ließe sich das ganze überhaupt umsetzen.

"Es ist besser als nichts", sagt Biebel dazu. Denn irgendwie muss es ja weitergehen - so schlecht die Situation für die Schausteller auch ist. Er möchte den Besuchern wenigstens ein bisschen Weihnachtszauber bringen. Denn sie könnten es in diesem Jahr dringend gebrauchen.

Bisher läuft das alles gut: Die Leute halten Abstand, Eltern und Großeltern schauen den Kindern beim Karussellfahren zu. In den vergangenen Monaten konnte er das Konzept bereits erproben. "Es ist jetzt ja auch nicht so, dass das für die Leute neu wäre", sagt Biebel. Außerdem sei ja nicht so viel los, dass es da zu Problemen kommen könnte. Den Mehraufwand, etwa durch das Desinfizieren, nimmt er daher gerne in Kauf. Denn die Alternative wäre, gar nichts zu tun. Und Biebel ist überzeugt: "Alles ist besser als nichts!"

Trotzdem macht er sich Sorgen um die Zukunft. "Es ist aber nicht so, dass ich in der Nacht nicht schlafen kann, damit würde ich mich ja noch mehr fertig machen", sagt Biebel dazu. Durch Kredite von der Bank kann er das Geschäft derzeit noch am Laufen halten. Doch die Frage die er sich immer wieder stellen muss ist: Wie lange noch?

"Anfangs wurden da von der Politik hochspurig Hilfen für Selbstständige angekündigt, bis zu 75 Prozent der Ausgaben sollten wir bekommen", erinnert sich der Schausteller. Angekommen ist bei ihm bis heute: Gar nichts. "Um überhaupt da ran zu kommen, muss man so viele Sachen beantragen, so einfach wie das klang, ist es bei weitem nicht", sagt Biebel und seine Stimme wird etwas wütend.

"Irgendwann ist Schluss"

Außerdem gebe es dabei ein ganz anderes Problem: Es seien eben nur Kredite. "Ich bin jetzt 55 Jahre alt und irgendwann muss ich die ja zurückzahlen." Was bringe es ihm, am Ende fünf Kredite aufzunehmen und sich hoch zu verschulden, nur um am Ende trotzdem nichts zu retten? "Uns geht es da wie der Gastronomie und der Veranstaltungsbranche: irgendwann ist Schluss", resümiert der Schausteller etwas geknickt. Innerhalb von anderthalb Jahren könnte sein gesamtes Lebenswerk zerstört werden.

Viel länger könne er die Last nicht mehr stemmen. "Das Jahr 2020 war ein kompletter Reinfall für uns alle. Wenn 2021 auch so läuft, dann wird es Ende des Jahres keine Schausteller mehr geben", ist er überzeugt.

Seine größte Hoffnung für die Zukunft liegt daher bei einem Impfstoff. Doch es ist ein Rennen gegen die Zeit. "Sollte es möglich sein, dass wir ab dem Frühsommer wieder Märkte beschicken können, dann wäre die Sache noch zu retten." Ansonsten würden auch bei ihm die Lichter ausgehen. Von Alexander Seipp

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