Kleiderflohmarkt

Wenn Frauen ihre Schränke ausräumen

„Klamotten, Kunst & Kaffee – Shopping und Gespräche unter Frauen“ lautete das recht ausführliche Motto des ersten Kleider-Flohmarkts im Frauenzentrum. Während die Kunst bei der Premiere noch etwas unterrepräsentiert war, gab es dafür reichlich Klamotten, Kuchen und muntere Gespräche.

An anderen Tagen finden in diesem Raum Seminare und Berufsberatungsgespräche statt. Heute stehen hier Tische, beladen mit Kleidern, Handtaschen und Schmuck. Dazwischen eng behängte Kleiderstangen, zu deren Füßen sich Schuhe, vom Sneaker bis zum Highheel, aneinander reihen. Zum ersten Mal hat das Frauenzentrum Rüsselsheim zu Klamotten, Kunst & Kaffee in seine Räume in der Darmstädter Straße eingeladen.

„Wir wollten das eigentlich schon seit Jahren machen, aber erst jetzt hat es endlich geklappt“, berichtet Eva Süßmilch gut gelaunt. „Alle Frauen haben ihre Keller und Schränke ausgeräumt“, sagt sie schmunzelnd. Ganze 26 Stände sind über die gesamte Etage verteilt, auch in den Fluren wird mit Kleidung und Accessoires aus erster Hand gehandelt.

„Es war uns wichtig, dass hier nur hochwertige Stücke angeboten werden“, erklärt Süßmilch. Neben Gebrauchtem ist auch Neuware aus eigener Produktion zu erwerben. So bietet Christel König Strickwaren für die kommenden kalten Tage an. Schals und Tücher in allen Farben des Regenbogens.

„Das Stricken ist mein Hobby“, sagt König, die die viermal jährlich stattfindenden Frauenfrühstücke organisiert. Im zentralen Raum gleich hinter dem Eingang gibt es Kaffee und Kuchen für die Besucherinnen. „Und wir haben auch ganz viel Sekt“, versichert Süßmilch. Das Angebot wird gerne angenommen, angeregte Gespräche erfüllen den Raum. An einem der Tische sitzt Marissa Wenzel mit einer Freundin. „Ich bin heute zum ersten Mal im Frauenzentrum“, gesteht die aparte Rüsselsheimerin.

Die Atmosphäre sei sehr angenehm, lobt sie und auch die angebotenen Waren überzeugten sie. „Wir waren gleich zum Anfang da, der frühe Vogel fängt den Wurm“, sagt Wenzel augenzwinkernd.

Und es hat sich gelohnt, ein paar schicke braune Stiefel sind in ihren Besitz übergegangen. „Und der Kuchen ist auch sehr gut“, fügt sie noch an. Den zu loben ist auch Gudrun Roth vom Verein Malkasten – sie verkauft heute ihren selbst gefertigten Schmuck – ein wichtiges Anliegen. „Die Frauen aus dem Frauenzentrum organisieren auch immer den Kuchenstand auf unseren Kunsthandwerkermärkten in der Festung“, sagt sie, und der sei ein echtes Highlight.

„Wir sind froh über jede Gelegenheit ein bisschen Geld in unsere Kasse zu bekommen“, kommentiert Süßmilch dieses Engagement ihrer Mitstreiterinnen. Sowohl das Geld vom Kunsthandwerkermarkt als auch das von den eigenen Ständen des Frauenzentrums beim heutigen Flohmarkt kommt zum Teil dem Projekt IDA zugute. IDA, seit 2012 im Frauenzentrum beheimatet, steht für „In Deutschland angekommen“ und bietet Unterstützung speziell für weibliche Flüchtlinge. „Wir haben ganz viele unterschiedliche Angebote, von der Einzelfallbegleitung über Fahrradkurse und offene Treffen bis hin zu Sportangeboten“, zählt Silke Stolzmann auf.

IDA werde zu 70 Prozent von der Aktion Mensch gefördert, die restlichen 30 Prozent müssten selbst erwirtschaftet werden, erklärt Stolzmann, eine der zwei hauptamtlichen Betreuerinnen des Projekts, die sich eine Stelle teilen. Deshalb seien Veranstaltungen wie die heutige auch besonders wichtig.

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