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Schreck, lass nach! Hauptbrandmeister Roland Dörre demonstriert eine Staubexplosion am Modellhaus.

Besonderer Chemieunterricht

Wenn der Staub explodiert

Als einen kleinen Bonus zum normalen Unterricht besuchten rund 30 Schüler der achten Klasse der Alexander-von-Humboldt-Schule am Freitagvormittag die Rüsselsheimer Feuerwehr. Dabei bekamen sie einen Schnellkurs im richtigen Umgang mit Feuer.

Chemielehrer Tim Krüger begleitete die Auswahl aus den drei Chemieklassen der Alexander-von-Humboldt Schule zur einstündigen Präsentation bei der Rüsselsheimer Feuerwehr. „Wir bieten diesen Ausflug nur den Schülern an, die motiviert und engagiert bei diesem Thema mitarbeiten. Immer, wenn wir im Unterricht den Block Luft-Verbrennung-Oxidation haben, bieten wir diese Veranstaltung an“, berichtete er. Mit 30 Schülern war das Interesse an diesem Ausflug groß.

Manfred Eichhorn und Roland Dörre hatten sich bereiterklärt, den Schülern das Thema „Feuer und Brandschutz“ näherzubringen. Seit 44 Jahren arbeitet Roland Dörre bei der Feuerwehr und hat dabei viel Erfahrung gesammelt. Für die Besucher aus der Humboldt-Schule hatte der Hauptbrandmeister den Themenblock „Umgang mit Feuer“ ausgewählt.

Eindrucksvoll demonstrierte er, dass ein Zimmerbrand im eigenen Haushalt leicht entstehen kann, wenn man nicht aufpasst oder Warnhinweise missachtet. „Wenn ihr wissen wollt, warum Batterien nicht in den Hausmüll gehören, dann seht her“, sagte er. Dabei nahm er eine herkömmliche Batterie und einen Topfreiniger aus Stahlwolle in die Hand, führte sie zusammen und schon begann die Stahlwolle zu glimmen.

Überlastete Steckdosen sind für ihn der „Klassiker“, wie ein Wohnungsbrand entstehen kann. „Dabei ist es in der Küche einfach: Man macht sich mit der Maschine einen Kaffee und gleichzeitig mit dem Wasserkocher Wasser für den Tee heiß. Wenn die Sicherung wegen der Überspannung rausfliegt, wäre das gut, aber es ist auch durchaus möglich, dass Funken fliegen und es anfängt zu brennen“, so Dörre.

In Betrieben prüft er regelmäßig die Brandschutzbestimmungen, um mögliche Gefahrenquellen sofort auszuschließen. Im privaten Haushalt gäbe es solche Prüfungen allerdings selten. Vielmehr dächten die wenigsten Menschen überhaupt darüber nach, was potenzielle Gefahren sein könnten, bis die Feuerwehr „einmal zum Hausbesuch kommt“. „Auch beim thermischen Aufbereiten unverdorbener Tierkadaver können falsche Handhabungen zu offenem Feuer führen.“ Was meint der Feuerwehrmann da? „Kennt ihr doch alle: Wenn man grillt.“ Ach, so!

Für einen Überraschungseffekt sorgte Dörre mit einem Teelöffel Kaliumpermanganat und drei Tropfen Glyzerin. Zunächst passierte einige Minuten lang nichts, und als die Schüler das Experiment fast schon vergessen hatten, knallte und rauchte es plötzlich, so dass mancher zusammenzuckte. Den gleichen Schockeffekt löste er mit einem Teelicht und etwas Staub in einem Modellhaus aus, als der Luftzug den Staub an der Flamme aufwirbelte und es knallte.

Von Manfred Eichhorn erfuhren die Schüler, dass im Brandfall nur wenig Zeit sei, sich zu retten. „Feuer ist nicht hell oder durchsichtig, Feuer ist schwarz. Eben nicht so, wie man es in Filmen sieht“, erklärte er und demonstrierte dies anhand eines Films von einem Wohnungsbrand, wo selbst ein 30 Zentimeter vor der Kamera stehender Feuerwehrmann im Schwarz der Rauchschwaden nicht zu sehen ist.

Wie gefährlich es ist, Öl oder Fett mit Wasser zu löschen, lernten die Schüler ebenso. „Wenn man im Brandfall die Türen geschlossen hält, dann kann sich das Feuer schlecht ausbreiten und man gewinnt wichtige Zeit, um sich zu retten“, so Eichhorn. In einem weiteren Film demonstrierte er, dass aus einer vergessenen Zigarette innerhalb von drei Minuten eine Feuersbrunst entstehen kann, die zur Explosion führen könnte.

Beeindruckt waren die Schüler von dem einstündigen Schnellkurs auf jeden Fall. „Das war toll. Das Experiment mit dem Glyzerin war echt erschreckend“, fand Nico, während Mariam die Staubexplosion im Modellhaus tief beeindruckt hatte.

„Normalerweise halten wir diesen Kurs an einem ganzen Tag ab und demonstrieren dann auch etwas mehr. Für die Schüler haben wir den Stoff auf eine Stunde zusammengestrichen. Daher ist es schön zu sehen, dass wir dennoch mit diesen Tipps, Tricks und Hinweisen viel erreicht haben“, so die Referenten. schü

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