Hochwasserschutzsatzung

Wenn das Wasser in Raunheim über die Ufer tritt

Eine Hochwasserschutzsatzung soll Maßnahmen und Handlungen festschreiben. Hochwasser in Raunheim sind selten, es gibt aber auch historische Ereignisse.

Vorsitzender Erich Schick berichtete am Stammtisch des Heimatvereins in der Gaststätte Donna Maria über Hochwasserereignisse in Raunheim. Wenige Minuten später stimmten die Fraktionen im Haupt- und Finanzausschuss im Bürgersaal einer Satzung zum Schutze gegen Hochwasser zu.

Hochwasser in Raunheim ist selten. Das letzte große Hochwasser ereignete sich im Juni 2013. Der Yachtclub Untermain kann davon noch ein Lied singen, musste er doch seine Boote im Hafen sichern. Zehn Jahre zuvor war ein weiteres Hochwasser.

Dass der Main immer mal wieder über seine Ufer tritt, weiß Heimatvereinsvorsitzender Erich Schick. 1682, 1744, 1882 und 1929 waren die Dämme wegen Hochwasser gebrochen. 1782, 1845 und 1970 wurden ebenfalls starke Hochwasser notiert.

Das Hochwasser in der Neujahrsnacht 1879/1880 war Anlass, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Diese historische Hochwassermarke ist an der Hauswand des Heimatmuseums festgehalten. Das Dorf war bis zur Frankfurter Straße und Mainzer Straße überflutet. Pfarrer Emil Thon musste aus dem Pfarrhaus in der Mainstraße, dem heutigen Heimatmuseum, gerettet werden, erzählt Schick.

Nach dem verheerenden Naturereignis wurden die Dämme erhöht und verstärkt. Der Wall der Bundesstraße 43 bildet ab den 70er-Jahren den Damm. Die Unterführungen liefen immer mal wieder voll Wasser: 1995 zum Beispiel und zum Jahreswechsel 2002/2003.

Auch wenn starkes Hochwasser in Raunheim nicht häufig ist, wolle die Stadt nun eine Satzung zum Schutz vor Hochwasser einführen, berichtet Jochen Brune, der Fachdienstleiter Infrastruktur. Mit dem Papier wolle man Regelungen, Maßnahmen und Zuständigkeiten, die auf Erfahrungswerten beruhen, festzurren.

Die Stadt hinke in Sachen Hochwasserschutzsatzung hinter anderen Kommunen her. Die Menschen an der Elbe hielten Hochwasser auch für selten, erinnert Brune an die Katastrophe vor 16 Jahren. Solange das Wasser nicht über die Ufer trete, gerate die Gefahr schnell in Vergessenheit.

Der Normalwasserspiegel des Mains beträgt bei Flusskilometer 13, in Höhe der Unterführung Frankfurter Straße, 83,92 Meter über Normalnull. Bei einem einhundertjährigen Hochwasser läge der Pegel dort bei 89,65 Metern über Normalnull, bei einem zweihundertjährigen Hochwasser plus einem Extremfall von 50 Zentimetern wäre ein Stand von 90,38 Meter erreicht.

Die Krone der Bundesstraße liegt bei der Unterführung Frankfurter Straße bei 91,10 Metern über Normalnull. „Angst vor Hochwasser sollte nicht bestehen, der Damm kann es abwehren“, meint Brune.

Die Stadt informiere die Öffentlichkeit im betroffenen Stadtgebiet über die Hochwassergefahr und stelle sicher, dass die Pegelstände beobachtet werden. Bei einer akuten Gefahr überprüften Mitarbeiter der Stadtwerke und des Städteservice, ob der Damm durchnässt oder geschädigt ist. Die Unterführung Mainstraße würde mit einem Dammbalkenverschluss gesperrt. Die anderen vier Unterführungen lägen so tief, dass sie zwar volllaufen, das Wasser aber nicht übertritt, so Brune. Sie müssten aber für den Verkehr gesperrt werden.

Steigt die Wasserhöhe auf über 4,70 Meter, ist Alarmstufe 4 erreicht. Dann sollten bei Gefahr, wenn beispielsweise ein Dammbruch absehbar ist, Vorbereitungen zum Schutze des Lebens und für die Versorgung getroffen werden.

Da Hochwasser häufig mit starken Regenfällen oder längeren Regenperioden zusammenfallen, müsse die Abwasserbeseitigung gewährleistet sein, betont Brune. Denn der Main drücke auf die Einleitungsstellen der Regenwasserentlastungsanlagen, die deshalb mit einem Schieber verschlossen werden. Zudem würden Hochwasserpumpen an den Unterführungen in Betrieb genommen.

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