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Bekenntnis beim Tag der offenen Tür: Schule hängt Banner mit dem aktuellen Rufnamen in der Aula auf.

Gewerkschaften laufen Sturm gegen Schulnamen

Der Widerstand gegen "Sophie Opel" wächst

Die Debatte um die Namenswahl der neuen Gesamtschule reißt nicht ab: Gewerkschaften wollen Sophie Opel als Patronin nicht akzeptieren.

Wenn am Donnerstagabend die Rüsselsheimer Stadtverordneten im Ratssaal zusammenkommen, dann werden die Wellen zu einem Thema wieder hochschlagen: Es geht um die Namensgebung der neuen Kooperativen Gesamtschule, die im Sprachgebrauch der Rüsselsheimer als „Sophie-Opel-Schule“ Einzug gehalten hat. Die Stadtpolitiker entscheiden nun über den künftigen Namen der Schule.

In den vergangenen Monaten wurde teils heftig über die Schule diskutiert. Sophie Opel als Namenspatronin? Vielen ist das nicht recht, schließlich hat die Frau (1840 – 1913) keinen besonders guten Ruf. So wurde im Zuge der Debatte häufig darauf hingewiesen, dass unter Sophie Opel Frauen kaum Aufstiegsmöglichkeiten beim florierenden Autobauer gehabt hätten. Es heißt, Frauen, die heirateten, mussten gar kündigen. Zudem gilt Sophie Opel als Monarchie-Fan und entschiedene Gegnerin der Demokratie. Ob so eine Frau nun die geeignete Gallionsfigur für eine Schule ist?

Der Stadt- und Kreisverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft verneint das entschieden. In einem gemeinsamen Brief an die Rüsselsheimer Stadtverordneten schreiben sie: „Sophie Opel mag zwar herausragende unternehmerische Qualitäten aufweisen, sozial eingestellt und demokratisch war sie sicher nicht.“ Die Arbeitnehmervertreter stellen Fragen in den Raum. Zum Beispiel: „Die Familie Opel war in der Kaiserzeit entschieden gegen die Demokratie. Sollen sich Schüler damit identifizieren?“ Und: „Frauen hatten bei Opel keine Aufstiegschancen. Sollen sich Schüler damit identifizieren?“ Weiter heißt es in dem Brief: „Vor diesem Hintergrund fordern der DGB und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft die Rüsselsheimer Stadtverordneten auf, die Benennung der neuen Kooperativen Gesamtschule nach Sophie Opel abzulehnen.“

Über diesen Streit wird am Donnerstag nun erneut diskutiert. Schulleiter Jens Krämer bezog unlängst Stellung: „120 Schüler und 15 Lehrer identifizieren sich bereits mit dem Namen ,Sophie Opel’. Der Name bedeutet für uns Identität, und wir sind der Meinung, dass eine neue Schule einen neuen Namen verdient hat.“

Die Rüsselsheimer SPD brachte kürzlich erneut Friedrich Ebert als Namenspatron für die Kooperativen Gesamtschule ins Spiel. „Der Stadtteil, in dem Ihre Schule entsteht, ist die Friedrich-Ebert-Siedlung, und Ihre Schule wird am heutigen Standort der Friedrich-Ebert-Schule stehen“, argumentierten die Genossen in Richtung Schulleitung. Diesen Vorschlag begrüßen auch die Gewerkschaften.

Viele Rüsselsheimer denken bei dieser Debatte an Walter Köbel, einstiger Bürgermeister der Stadt. Die größte Sporthalle der Stadt wurde einst nach ihm benannt, wegen der NS-Vergangenheit Köbels beschloss die Stadtverordnetenversammlung im März 2013 jedoch die Änderung des offiziellen Namens der Halle in Großsporthalle Rüsselsheim. Solch eine Diskussion will in der Opel-Stadt niemand mehr führen.

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