Bei der Polizei gehen täglich Hunderte von Notrufen ein. Foto: Michelle Spillner
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Bei der Polizei gehen täglich Hunderte von Notrufen ein.

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Wie funktioniert eigentlich die 110?

Zentrale Leitstelle für die Notrufnummer ist für Rüsselsheim rund um die Uhr besetzt.

Rüsselsheim -Es war am 19. Februar 2020: Ein Amokläufer ermordet in Hanau zehn Menschen. Die Leitungen der Polizei sind überlastet, wichtige Informationen gehen verloren. Könnte so etwas auch in Rüsselsheim passieren? Nein, wird vom Polizeipräsidium Südhessen beteuert. Denn seit dem 1. Februar 2018 gingen alle Notrufe zentral bei der Leitstelle des Polizeipräsidiums ein, die rund um die Uhr besetzt sei. Egal ob Dieburg, Bergstraße, Odenwald oder eben Rüsselsheim: An einem Ort würden alle Anrufe gebündelt. Insgesamt gehören drei Reviere und 16 Polizeistationen sowie eine Polizeiautobahnstation dazu.

30 Leitungen stehen rund um die Uhr für Notrufe zur Verfügung. Speziell geschulte Sacharbeiter betreuen und bearbeiten die Anrufe. Sollten die 30 Leitungen ausgelastet sein, können aber auch andere Mitarbeiter der Leitstelle die Anrufe annehmen und so die Kapazität deutlich erhöhen. Sollten auch diese zusätzlichen Möglichkeiten ausgeschöpft sein, so kommt ein Notfallplan zum Einsatz. Dann werden die Anrufe an ein benachbartes Polizeipräsidium weitergeleitet.

Rund 139 000 Notrufe beantwortete die Leitstelle des Polizeipräsidiums Südhessen im vergangenen Jahr. Dies entspricht einem durchschnittlichen Tagesaufkommen von 380 Notrufen und einem stündlichen Mittel von 16 Notrufen. Wie viele genau es in Rüsselsheim sind, lasse sich nicht exakt bestimmen, so das Polizeipräsidium. Denn man könne nur die Vorwahl ermitteln und nicht den Standort des Anrufers. Da der Großteil der Anrufe aber über das Handy getätigt werde und diese bekanntermaßen keine an den Ort gebundene Vorwahl besitzen, sei dies einfach nicht möglich.

Subjektives Empfinden

Nach dem Eingang eines Notrufs werden weitere Schritte eingeleitet. Die Leitstelle steht dabei sowohl über Funk als auch über ein Einsatzleitsystem in Kontakt mit der zuständigen Polizeistation. Primäres Ziel bei einem Notruf sei es immer, schnellstmöglich mit Beamten am Einsatzort einzutreffen und dort Maßnahmen zu ergreifen.

Doch was genau ist ein Notruf? Rechtlich fallen unter diesen Begriff alle Situationen, die im Zusammenhang mit aktuellen Straftaten, Gefahrenlagen oder eigenen Notsituationen stehen. Dies betrifft zum Beispiel Zeugen oder Opfer eines Überfalls.

In solchen Fällen darf dann die Notrufnummer 110 gewählt werden. Da es sich bei einem Notfall aber auch stets um ein subjektives Empfinden handele, sollten die Bürger im Zweifel immer den Notruf wählen, anstatt verzögert oder gar nicht zu handeln. Für alle anderen Anfragen und Mitteilungen an die Polizei sind die örtlichen Polizeidienststellen zuständig. red

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