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Der Ostpark gilt zwar als Park und hat einige Freizeiteinrichtungen wie etwa das Kneippbecken, ist aber eigentlich ein Wald. Entsprechend nah können sich Mensch und Tier kommen.

Zahlreiche Anrufe bei der Polizei

Wildschweine in Panik

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Am Freitag klingelte bei der Polizei gleich mehrfach das Telefon, weil Spaziergänger von in Panik geratenen Wildschweinen berichteten. Im und am Ostpark wurden die Tiere wohl durch Arbeiten im Wald aufgeschreckt.

Mehrmals wurde es am Freitag vergangener Woche unfreiwillig eng zwischen Mensch und Tier im und am Rüsselsheimer Ostpark. Ab kurz vor halb fünf am Nachmittag erreichten die Polizei mehrere Anrufe von Spaziergängern, die den Beamten von panisch umherlaufenden Wildschweinen berichteten. Ein Tier sei über die Lucas-Cranach-Straße in Richtung Wald gelaufen. Bei einem der Anrufe, die bei der Polizei eingingen, war die Rede davon, dass ein Fußgänger von einem rennenden Tier gestreift wurde und zu Fall kam. Der Mann soll sich allerdings nicht verletzt haben.

Die Polizei habe bei ihrem Eintreffen am Ostpark keine Wildschweine mehr feststellen können. Etwa eine Stunde, nachdem die Anrufe bei den Beamten angefangen hatten, hatte sich die Lage wieder beruhigt.

Auch in mehreren Leserzuschriften wird davon berichtet, dass aufgeschreckte Wildschweine und Spaziergänger sich am Freitag näher kamen, als beiden Seiten lieb gewesen sein dürfte. „Uns kam schon am Eingang zum Ostpark ein junger Mann entgegen, der uns warnte, wir sollten nicht weitergehen“, berichtet etwa die Rüsselsheimerin Martina Bennauer. Sie und ihr Mann gehen regelmäßig im Ostpark spazieren, wohnen um die Ecke. Von der Warnung ließen sie sich nicht schrecken und sahen schließlich, wie ein Wildschwein durch den kleinen Weiher im Ostpark schwamm und am anderen Ufer das Weite suchte. „Als wir an dem großen Spielplatz ankamen, rannten auch dort Wildschweine herum, die waren ganz aufgeschreckt“, berichtet Bennauer. Die Tiere seien schließlich in Richtung der Varkausstraße verschwunden. Bennauer ist sich auch sicher, den Grund für das ungewöhnliche Verhalten der Tiere beobachtet zu haben. Ein kleiner Arbeitstrupp sei mit Baumpflegearbeiten im Unterholz beschäftigt gewesen, von Absperrungen sei weit und breit nichts zu sehen gewesen. Bennauer und ihr Mann brachten in Erfahrung, dass die Männer im Auftrag der Stadt unterwegs gewesen sein sollen.

Auf Nachfrage erklärt die Pressestelle der Stadt, dass es sich um Pflegearbeiten handelt, die noch auf den heißen Sommer 2015 und die Stürmer der jüngeren Vergangenheit zurück gehen. „Bei den jetzigen Maßnahmen geht es um die Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit. Oberste Priorität hat die Sicherheit der Menschen.“

Zur grundsätzlichen Wildschweinproblematik in Rüsselsheim heißt es: „Es ist bekannt, dass es im Ostpark Wildschweine gibt. Derzeit liegen der Stadt und den Jagdpächtern jedoch keine Informationen über einen Vorfall am Wochenende vor. Es haben am vergangenen Wochenende auch keine jagdlichen Aktivitäten im Wald stattgefunden.“

Ein Auge auf die Wildschweinpopulation in Rüsselsheim und Raunheim hat die gemeinsame Jagdgenossenschaft der beiden Kommunen. Sie wird geführt von Reinhard Ebert, dem Leiter der Rüsselsheimer Umweltbehörde.

Vor etwas mehr als zwei Jahren wurde ein flexibles Pirschkonzept eingeführt. Zuvor war den sechs Jagdpächtern jeweils ein fester Pirschbezirk zugeordnet, sie durften nur in ihrem Bezirk jagen. Das Problem: Die Wildschweine halten sich natürlich nicht an die Grenzen der Pirschbezirke, so dass einzelne Jäger fast keine Wildschweine mehr zu sehen bekamen. Mit diesem Konzept habe sich die Population des Schwarzwildes nicht auf einem vernünftigen Stand halten lassen, erklärte Ebert im vergangenen Jahr gegenüber dieser Zeitung. „Um den Bestand der Wildschweine zu verringern, wurden im vergangenen Jahr etliche Jagden durchgeführt, zuletzt am 11. Dezember. Insgesamt wurden dabei rund 60 Sauen erlegt“, berichtet die Pressestelle der Stadt. Außerdem sei am Durchgang von Becken 0 des Horlachgrabens zum Ostpark eigens ein Hochsitz gestellt worden, um entsprechend agieren zu können. „Im Ostpark selbst ist es auf Grund der Besucherfrequenz schwierig zu jagen.“

Problematische Begegnungen mit Wildschweinen kommen in Rüsselsheim immer wieder vor. In den zurückliegenden Jahren wurde ein Hund von einem Wildschwein im Ostpark am Bein verletzt, immer wieder kam es zu Begegnungen zwischen Mensch und Tier. Im Oktober vergangenen Jahres haben Wildschweine rund um die Lache, die Anne-Frank-Schule und den Drachenspielplatz sowie in Waldrandnähe nach Nahrung gesucht und den Boden aufgewühlt.

Der denkwürdigste Fall in diesem Zusammenhang ereignete sich wohl 2008. Damals wurde eine Rotte von sieben Wildschweinen im Garten eines Hauses von der Polizei gestellt. Nachdem es den Beamten nicht gelang, die Tiere im Garten zu halten und diese in Richtung Innenstadt ausbrachen, verfolgten die Beamten die Wildschweine rund eine Stunde lang durch Rüsselsheim. Mehrere Zäune und eine Glasscheibe gingen dabei zu Bruch. Letztlich mussten die Beamten die Tiere in der Innenstadt erschießen. Insgesamt wurden mehr als 100 Schuss abgegeben.

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