Werner-Heisenberg-Schüler

Ein Windrad auf dem Schulhof

Das Jahr fängt für die Werner-Heisenberg-Schule richtig gut an: Gleich in zwei Wettbewerben konnte die berufliche Schule gewinnen und damit Fördergelder in Höhe von insgesamt 12 500 Euro ergattern.

Der Turm ist fast zehn Meter hoch. Er steht inmitten des Schulhofs der Werner-Heisenberg-Schule. Wenn die Schüler aus dem alten Gebäude in Richtung Neubau – das übrigens ein Passiv-Haus ist – laufen, befindet sich der Turm rechts von ihnen, genau gegenüber den Werkstätten. Doch dieser Turm ist nicht einfach eben nur das, denn am oberen Ende befindet sich ein Rotor, der ihn zum Windrad macht, das Energie sammelt, speichert und als elektrischen Strom wieder ins öffentliche Netz einspeist. „Das Windrad hat eine Leistung von 1000 Kilowattstunden“, informiert Ullrich Wiese, Lehrer für Maschinenbau und Initiator vieler der schulischen Projekte im Bereich erneuerbare Energien und Klimaschutz. Das Besondere: Das Windrad wurde, wie alle anderen Projekte auch, von Schülern geplant und aufgestellt. Lediglich für den Anschluss an den Stromkreis musste eine professionelle Firma beauftragt werden.

Mit dem Windrad hat die Werner-Heisenberg-Schule den Preis für das beste Klimaschutzprojekt in Hessen gewonnen. Eine Expertenjury des vom Bundesumweltministerium geförderten Energiesparmeister-Wettbewerbs, bestehend aus Mitarbeitern der Institute Umweltfragen, Energie und Umweltforschung, der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, des Bundesumweltministeriums, des BUND und anderen Umweltverbänden und Organisationen, hat das Mitte Februar entschieden. Der Preis ist mit 2500 Euro dotiert. Zudem übernimmt die Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen ab sofort die Patenschaft für die Schule.

Mit diesem Sieg hat sich die Werner-Heisenberg-Schule auch für das Online-Voting qualifiziert, in dem der Bundessieger ermittelt wurde. Dieser wurde am 24. März bei der Preisverleihung durch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks im Bundesumweltministerium in Berlin bekannt gegeben. Die Werner-Heisenberg-Schule belegte hier nicht den ersten Platz, Bundessieger wurde die Christliche Schule Dresden.

Fast zeitgleich mit dem Energiesparmeister-Wettbewerb reichte zudem Lehrer Ullrich Wiese ein Bewerbungsvideo bei der Allianz-Umweltstiftung ein, die den Deutschen Klimapreis ausgeschrieben hatte. „Hierbei ging es nicht nur um unser Windrad, sondern um die langjährigen Aktivitäten der Schule im Bereich der erneuerbaren Energien“, sagt Wiese. Das Ergebnis: Fünf aus 140 Bewerbungen waren schlussendlich erfolgreich – darunter ist auch die Werner-Heisenberg-Schule, die sich gegen die vielen Mitbewerber aufgrund ihrer vier Energie-Projekte – inklusive des Windrads – behaupten konnte.

Allen voran und besonders energiebringend ist dabei die sechs Meter hohe, drehbare Photovoltaik-Anlage am Eingang der beruflichen Schule. Die Solar-Zellen bilden insgesamt eine Fläche von 24 Quadratmetern und haben, so Wiese, „seit 2010 einen Energieertrag von

100 000 Kilowattstunden

“ erbracht. „Wir verkaufen den Strom, den wir generieren“, erklärt der Lehrer und zeigt stolz auf die beiden Monitore im Foyer der Schule, die die Ertragsleistung der Anlage kontinuierlich aktualisieren.

Im Inneren des Schulhofs befindet sich darüber hinaus der sogenannte „Energie-Pavillon“, auf dem vier weitere Photovoltaik-Module angebracht sind, die in alle drei Himmelsrichtungen – außer Norden – weisen, so dass sie immer dem Sonnenlicht zugewandt sind. „Der Energie-Pavillon ist eine Messstation, mit deren Hilfe die Schüler die Strahlenintensität der Sonne erfassen und dann im Unterricht auswerten können. Damit können viele technische Lehrfelder der Schule wie Physik, Mechatronik und Elektrotechnik erschlossen werden. In all diesen Lehrfächern ist das Erlernen der Erstellung von Messreihen Teil des Lehrplans“, sagt Ullrich Wiese.

Das vierte Projekt, das die Jury der Allianz-Umweltstiftung in ihre Bewertung mit einfließen ließ, ist der Solar-Springbrunnen neben dem Energie-Pavillon. Hierbei bestimmt die Intensität des Sonnenlichts die Höhe der Wasserfontaine. „Der Solar-Springbrunnen wird ab dem Frühjahr ausschließlich mit einem eigens am Rand angebrachten Photovoltaik-Modul betrieben“, informiert der Lehrer und meint stolz, dass alle Projekte – auch das Windrad – von Schülern geplant und aufgebaut worden seien.

Am 22. Mai wird eine Delegation der Rüsselsheimer Schule zur Preisverleihung des mit 10 000 Euro dotierten Allianz-Umweltpreises nach Berlin fahren. Peter Altmaier werde den Preis verleihen, kündigt Ullrich Wiese an.

Trotz des aktuellen Erfolges hat der Lehrer bereits weitere Pläne für seine Schule. „Bis zum Hessentag wollen wir eine Stromtankstelle zur Förderung der E-Mobilität fertigstellen. Da hinein wollen wir einen Teil des Preisgeldes investieren.“ Ein weiterer Anteil des gewonnenen Geldes soll in den Ausbau der Windanlage fließen.

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