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Winzer in der vierten Generation

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Diese Weine stellen die Botts selbst her.
Diese Weine stellen die Botts selbst her. © (Peter Schneider)

Obwohl Bischofsheim keine Weinbaugemeinde ist, gibt es dort ein familiär geführtes Weingut. Dessen Kurs ist klar.

Wenn man von außen auf das schmucke, aber nicht übermäßig auffällige Eckhaus blickt, sieht auf den ersten Blick alles ganz normal aus, bis das Schild „Weinverkauf“ Aufmerksamkeit erregt. Bei näherem Hinsehen findet man am Eingang eine kleine Tafel, die auf eine Auszeichnung in einem international angesehenen Weinführer hinweist. Aha, hier gibt’s also Wein. Doch ein richtiges Weingut in Bischofsheim, und wo sind dort die „Weinberge“?

Die Zeiten des Weinanbaus südlich des Mains gab es wohl, wie eine exemplarische Rüsselsheimer Urkunde aus dem Jahr 1435 belegt, doch die Blütezeit liegt nun doch schon einige Jahrhunderte zurück. Heute ist das alles vergessen, und der Platz wird auch eher für Gewerbegebiete benötigt. Doch seit sich Michael Bott und seine Frau Gabi 1996 in der ehemaligen Eisenbahnergemeinde niedergelassen haben, gibt es hier ein Weingut mit Weinverkauf.

Zwar befinden sich die Rebflächen und die Betriebsstätte in Mainz-Kostheim, doch die „Zentrale“, die seit 2016 um eine Vinothek, die „WeinBOTTique“, erweitert wurde, hat sich in Bischofsheim und Umgebung bereits einen Namen gemacht. „Die Leute können hier beim Winzer direkt unsere modernen, doch auch der Rheingauer Weintradition verpflichteten Weine kaufen“, erläutert Michael Bott, der 1985 seine Ausbildung zum Weinbautechniker als Jahrgangsbester beendete.

Seitdem ist er hauptberuflich als Betriebsleiter für sämtliche Maßnahmen in einem Hochheimer VDP-Weingut verantwortlich und auch in seiner Zeit als Vorstandsmitglied im Rheingauer Weinbauverband hatte sein Wort Gewicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte der Großvater von Michael Bott in Mainz-Kostheim auf Wein, nachdem ein Landhandel mit Sämereien, Setzkartoffeln und vielem mehr das Familieneinkommen sicherte. Nun wurden zusätzlich Weinberge erworben, Wein ausgebaut, in Flaschen gefüllt und verkauft.

Dies lief so gut, dass sich Hans-Josef Bott, Michaels Vater, fortan auf den Rebensaft konzentrierte. In der dritten Generation übernahm Michael Bott 1989 nebenberuflich das Weingut, um die Tradition weiterleben zu lassen. Die Liebe zu seiner aus Bischofsheim stammenden Gattin Gabi, zuständig für Verkauf Kundenbetreuung, verschlug ihn in die Mainspitzgemeinde – und bald war das Haus mit vier Kindern von Leben erfüllt.

Neue Wege gehen

Mittlerweile sind die Kinder aus dem Haus, nur Hund Anka sorgt noch für Aufregung. Doch hat mit dem 28-jährigen ältesten Sohn David, der seine Ausbildung an der Wein-Uni in Geisenheim absolvierte, schon die vierte Generation auf sich aufmerksam gemacht. David, hauptberuflich in einem Weinlabor tätig und in seiner Freizeit begeisterter Handballspieler, verantwortet zunehmend mehr Bereiche im Weingut.

Besonders die Rotweinbereitung bei Spätburgunder und Merlot liege ihm am Herzen, und neue Methoden wie der Weinausbau in kleinen Holzfässern, den Barriques, haben ihren Weg in die Weine gefunden. „Schon nach der Schule wusste ich, dass mir dieser Weg Spaß machen würde, und meine Eltern haben mir immer die Freiheit gelassen, meine Ideen zu verwirklichen“, freut sich der Junior, dessen drei jüngere Geschwister sich für andere Berufswege entschieden haben.

Doch wenn’s darauf ankommt, etwa bei den zahlreichen Bischofsheimer Ortsfesten wie Kerb, Weihnachtsmarkt oder beim Weinprobierstand am Kostheimer Mainufer, da stehe die ganze Familie solidarisch auf der Matte.

Die Weinbaugemeinde Mainz-Kostheim steht unter Kennern immer etwas im Schatten des benachbarten und berühmten Weinortes Hochheim, doch auch hier gebe es exzellente Weinlagen auf Lößböden mit teilweise hochwertiger Kalkauflage. Die Botts holen hier aus vier Hektar Lagen hauptsächlich Trauben für ihre prämierten Rieslingweine, doch auch Spätburgunder, Grauburgunder und der mediterrane Merlot gedeihten in diesem Zipfel des Anbaugebietes Rheingau sehr gut. Die Weine werden in der Regel trocken ausgebaut. „Unsere Weine sollen Stil und Charakter haben und kein Mainstream sein“, lautet die Devise.

Zum Abschied erklärt der Winzer, der sogar im Kfz-Kennzeichen dem Kürzel „BQ“ dem Credo „BOTTled Quality“ Ausdruck verleiht: „Wir haben keine Angst vor Arbeit, doch wir feiern und reisen auch gerne, sind gesellig und vielseitig interessiert.“

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