Froschbörse in der Stadthalle

Ein winziger Frosch kann schon mal 300 Euro kosten

Sehr gut besucht war am Samstag die Froschbörse in der Stadthalle. Dort gab es lebende Tiere zu kaufen. Bei manchen musste man allerdings zweimal hinschauen, so klein sind sie.

Von RALPH KEIM

Der „Schreckliche Pfeilgiftfrosch“ (Phyllobates terribilis) trägt seinen Namen zurecht. Wer beim Wandern durch den Dschungel von Südamerika auf solch einen Vertreter seiner Gattung trifft, sollte lieber die Finger von dem markant gelb oder auch metallisch gelbgrün gefärbten Baumsteigerfrosch lassen. Das über seine Haut abgesonderte Gift reicht aus, um bis zu 30 Erwachsene auf einen Schlag um die Ecke zu bringen. Die im Dschungel lebenden Naturvölker nutzen dieses Gift, indem sie Pfeile damit bestreichen und auf die Jagd gehen.

Der Clou ist allerdings: Wer zu Hause einen Phyllobates terribilis züchtet, muss sich keinerlei Sorgen machen. „Denn das Gift bildet sich über die Nahrung, die der Giftpfeilfrosch im Urwald aufnimmt“, erläutert Boris Stockmann. Der 37 Jahre alte Gustavsburger züchtet seit vielen Jahren Frösche, bevorzugt Giftpfeilfrösche. „Die Nahrung, die wir Züchter den Fröschen geben, sorgt dafür, dass sie absolut ungefährlich sind.“ Wer normale Fruchtfliegen und Asseln frisst, scheidet sonst was aus, nur kein Gift.

Zusammen mit Helga Freiberger, ebenfalls Froschzüchterin und das seit mehr als 30 Jahren, organisierte Boris Stockmann auch in diesem Jahr wieder die Froschbörse, die am Samstag rund 300 Liebhaber in die Stadthalle lockte. Die mehr als 30 Anbieter kamen aus ganz Deutschland und aus dem benachbarten Ausland. Sie boten nicht nur lebende Frösche an, sondern ebenfalls die passende Nahrung und Terrarien. Händler von Orchideen und anderen exotischen Pflanzen, die sich in solch einem Terrarium gut machen und dem Frosch so etwas wie ursprüngliche Heimat vermitteln, waren ebenfalls in der Stadthalle vertreten.

„Hier werden einzig exotische Frösche angeboten“, erläuterte Boris Stockmann. Und die können bisweilen recht klein sein. So klein, dass sie bequem auf dem Daumennagel Platz hätten, und so klein, dass man an manchen Ständen zweimal hinschauen musste, um die springenden Winzlinge in ihren Übergangsunterkünften aus Plastik zu erkennen. So klein sie auch sind, die exotischen Verwandten des Laubfroschs faszinieren das menschliche Auge mit schillernden Farben.

Helga Freiberger besitzt in ihrer Wohnung in Wiesbaden allein 30 Terrarien, in denen ihre Züchtungen leben. 50, 150, aber auch 300 Euro zahlen Liebhaber für einen exotischen Frosch. „Bei einer ganz besonderen Farbgebung kann es auch problemlos das Zehnfache sein“, erklärte die begeisterte Froschzüchterin. Sie verhehlte allerdings nicht, dass es ein teures Hobby ist. Denn die Tiere brauchen viel Wärme und viel Licht, so dass beim Froschzüchten die Stromkosten mächtig zubuche schlagen. Was schon so manchen Züchter zur Aufgabe gezwungen hat.

Froschliebhaber aus der Region treffen sich regelmäßig an jedem zweiten Freitag im Monat in der Gaststätte „Zur Eintracht“ zum Fachsimpeln und Informationsaustausch. Der Rüsselsheimer Froschstammtisch beginnt um 19.30 Uhr.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare