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Beim Bürgerforum: Hülya Tiril-Müller spricht.

Bürgerforum

„Wir halten nicht viel von Verfüllung“

Das Thema erhitzt wieder die Gemüter: Ist der Kiessee in Geinsheim Fluch oder Segen? Es gibt Argumente für beide Seiten.

Von DENNIS MÖBUS

Klarheit schaffen sollte das zweite Bürgerforum, zu dem die Freien Wähler Trebur am Donnerstagabend in die Geinsheimer Sportklause eingeladen hatten. „Wir wollen einen Raum schaffen, der nicht ganz so mit Protokollen wie in einer politischen Sitzung behaftet ist“, betonte Vorsitzende Hülya Tiril-Müller. Zu dem „Abend des Austauschs“ hatten die Initiatoren Bürgermeister Carsten Sittmann (CDU) und Matthias Derstroff, Geschäftsführer der Firma Dyckerhoff Kieswerk Trebur, eingeladen, die Rede und Antwort standen.

Bürgermeister Sittmann erklärte, dass die Gemeindevertretung damals den Beschluss gefasst hatte, einen Teil des Altsees zu verfüllen. Im letzten Jahr wurde mit der Firma Dyckerhoff ein Anpassungsvertrag mit der Gemeinde geschlossen. Dieser Vertrag regelt, in welcher Form die Verfüllung ablaufen soll.

Jetzt haben sich die Gremien mit dem Thema erneut befasst, erläuterte der Bürgermeister. Nach mehreren Anträgen ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Verfüllung wieder aufgekommen. „Der Beschluss zur Verfüllung bleibt allerdings vorerst gültig. Gleichzeitig wird die Verfüllung ausgesetzt, bis klar ist, ob der Bereich der Verfüllung geändert wird oder gänzlich darauf verzichtet werden kann“, so Sittmann.

Derstroff erläuterte im Anschluss die Entstehungsgeschichte des Konflikts. Die Kiesgrube war 2005 anteilig vom vorherigen Betreiber übernommen worden. „Das Unternehmen hat nie Interesse an einer Verfüllung gehabt“, sagte er. „Wir halten eigentlich nicht viel von Verfüllung, da dies auch ökologisch ein Problem sein kann.“ Wird entschieden, dass verfüllt werden soll, werde das Unternehmen diesem Wunsch nachkommen und alle entsprechenden Auflagen erfüllen.

„Schwierig wird es aberr, rund 1,7 Millionen Kubikmeter Füllmaterial über die 30 Jahre Verfüllzeit konstant von dieser guten Qualität zu erhalten“, führte er fort. Auf die Frage nach den Kosten der Verfüllung entgegnete Matthias Derstroff, dass diese dem Unternehmen sogar Geld bringen würde, da Privatpersonen und Firmen, die ihr Material abgeben, dafür bezahlen.

Wichtig sei, dass die Gremien eine Entscheidung fällen, da die derzeitige Situation eher „in der Schwebe“ sei.

Martin Kämper von den Freien Wählern, der die Moderation übernahm, sprach eventuelle Straßenschäden an, die durch die vielen zusätzlichen Laster entstehen könnten. Im Allgemeinen müsste für Straßenschäden immer der Verursacher aufkommen, sagte Sittmann. Allerdings wäre dies meist schwierig nachzuweisen.

Constantin Mussel, Vorsitzender der CDU Trebur, fragte nach der logistischen Abwicklung des Lkw-Verkehrs. Kieslaster würden sicher in einigen Fällen auf einem Rückweg Füllmaterial zum See bringen können, allerdings würde dies nur bis zum Ende der Auskiesung funktionieren, erklärte Derstroff.

Aus dem Publikum kam die Frage nach den einst vorgestellten Nachnutzungskonzepten und ob das Engagement seitens des Unternehmens noch vorhanden sei. „Es ist machbar, dass sich das Unternehmen an einer solchen Lösung beteiligt“, sagte Derstroff. Eine entsprechende Rekultivierung sei ohnehin selbstverständlich, betonte er.

Aus der Versammlung kam auch immer wieder Kritik, die sich hauptsächlich gegen eine weitere Auskiesung im Bereich Hessenaue und mögliche Risiken durch Hochwasser richtete. Dennoch diskutierten die Anwesenden sachlich. Hans-Joachim Schneider betonte, dass das Regierungspräsidium die Empfehlung ausgesprochen hatte, nicht zu verfüllen. „Die Sache hängt einzig und allein am Parlament, das meiner Meinung nach gegen das Interesse der Bürger entscheidet“, sagte er.

Hülya Tiril-Müller betonte zum Abschluss, dass sie bei den Vorbereitungen des Bürgerforums eine Erfolgsgeschichte gefunden hatte. In Niedernberg (Miltenbergkreis, Bayern) sei der „Fluch“ Kiesabbau zu einem „Segen“ geworden. Die Stadt verfüge nach dem Kiesabbau über 70 Hektar Wasserfläche, vornehmlich verteilt auf zwei große Seen. „Die Umgebung hat sich entwickelt, es gibt Gastronomie, einen öffentlichen Strand, ein Hotel, Angel-, Segel- und Tauchvereine und viel Natur“, so die Vorsitzende.

Sie fragte den dortigen Bürgermeister um seine Meinung. „Der beste Rat, den er mir gegeben hat, war, mit allen Beteiligten, die davon betroffen sind, im Dialog zu sein“, sagte sie. Zudem habe er alle Interessierten und Gemeindevertreter eingeladen, vorbeizukommen, um sich selbst ein Bild zu machen.

„Am besten jedoch, wenn es etwas wärmer wird“, schmunzelte sie. Da er unparteiisch sein wolle, gebe es die Bedingung, dass Bürgermeister Sittmann den Termin abstimmen sollte.

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