Weinberg

Das wird ein Super-Jahrgang

Die Winzerfreunde haben im historischen Weinberg die Ernte eingefahren. Da ist jede Menge zusammengekommen.

Mattis und Lilly sind konzentriert bei der Sache. Für den Zweitklässler und die Fünftklässlerin ist es das erste Mal, dass sie Weintrauben lesen. Gemeinsam mit rund 30 anderen, meist erwachsenen Helfern füllen die Kinder am Samstag Korb um Korb mit den reifen Trauben des historischen Weinbergs an der Frankfurter Straße. „Wir sind bisher einmal hier am Weinberg gewesen und haben Hallo gesagt“, erzählt Lilly. „Dabei konnten wir uns die Reben schon mal ansehen. Wie wir die Trauben abschneiden sollen, hat uns Papa erklärt.“

Der Vater der beiden Kinder ist auch dabei und erntet fleißig mit. „Ich bin Mitglied bei den Winzerfreunden. Trotzdem ist es auch für mich heute die erste Lese, bei der ich aktiv mitmache“, erzählt der Vater von Mattis und Lilly, Florian Heinrich.

Vorsichtig, aber dennoch schnell arbeiten sich Mattis und Lilly voran. Noch vor dem Vater haben sie einen Eimer mit den Trauben gefüllt. Mattis trägt ihn zum Eingang des Weinbergs, wo die Vorstandsmitglieder Tische und Plastikkörbe bereitgestellt haben, in die alle Helfer ihre Ernte hineinkippen.

Herbert Eberts, zweiter Vorsitzende der Winzerfreunde, nimmt die Trauben an und sortiert vor. „Die Behälter hat unser Winzer Künstler aus Hochheim heute morgen vorbeigebracht. Wenn wir mit der Lese fertig sind, fahren wir unsere Früchte zu ihm nach Hochheim“, berichtet Eberts.

Dieses Jahr werde ein ganz toller Riesling Jahrgang, stellt Eberts fest. „Die Trauben haben eine vorbildliche Qualität. Wir sind uns relativ sicher, dass in diesem Jahr sowohl die Oechsle – also der Zuckergehalt des Weins – als auch die Quantität stimmen.“

Am 26. Oktober werden die Winzerfreunde ihren Riesling aus dem vergangenen Jahr präsentieren. „2017 war die Qualität zwar gut, doch der Ertrag war eher gering“, sagt Eberts. „Dieses Jahr ist das viel besser, dank der warmen Temperaturen.“ Das sei ja auch die Feststellung der meisten Weinbauern in der Region. „Und wir konnten, aufgrund der hohen Temperaturen, viel früher mit der Lese beginnen als gewöhnlich.“ Im Vergleich zu 2016 habe es in diesem Jahr zudem keinen Vogelfraß gegeben.

Mattis und Lilly haben sich indes bis zur Mitte ihrer Rebenreihe vorgearbeitet. Nach wie vor sind die beiden Kinder mit großem Eifer und viel Sorgfalt mit der Lese beschäftigt. „Das macht schon Spaß“, meint Mattis und probiert eine Perle, so wird die einzelne Traube genannt. „Puh, die ist sauer“, sagt der Junge und verzieht kurz das Gesicht. „Und es sind Kerne drin.“

Leider könnten sie das fertige Produkt der Frucht, den Wein, nicht probieren, bedauern die Kinder. „Zur Entschädigung und als Belohnung für eure Hilfe kaufe ich euch eine Flasche Traubensaft“, kündigt der Vater an.

In weniger als einer Stunde sind alle Trauben am Weinberg geerntet. „Bei so vielen Helfern ist das ja auch kein Wunder“, freut sich der Vereinsvorsitzende Albrecht Schmidt. „Wir konnten in den vergangenen drei, vier Jahren viele neue Mitglieder gewinnen. 111 Personen zählt unser Verein zurzeit. Das macht sich bemerkbar.“

Jedes Mitglied der Winzerfreunde bekomme zwei Flaschen jedes Jahrgangs geschenkt, so Schmidt.

„Der Riesling wurde in Rüsselsheim weltweit zum ersten Mal urkundlich genannt. Das war 1435“, stellt Herbert Eberts auf die Frage nach der Besonderheit des Rüsselsheimer Weins stolz fest. „Seit 1985 kümmern sich die Winzerfreunde um den Berg. Wir zupfen Unkraut, reparieren und schauen nach dem Rechten.“ Das Keltern übernehme der Winzer in Hochheim.

Nachdem die Helfer mit der Ernte fertig sind, bauen alle gemeinsam Tische und Bänke auf. „Jetzt feiern wir bei einer Vesper das, was wir geschafft haben“, kündigt Eberts an. Der Wirt der Festung hat eine ordentliche Brotzeit vorbereitet.

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