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Wirtschaftlich unrentabel: Einsparungen bei den Lichtspielen?

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In den Burg-Lichtspielen laufen oft anspruchsvolle Filme, die allerdings kaum Publikum anziehen. Die Freien Wähler wollen die entsprechenden Kinotage streichen.
In den Burg-Lichtspielen laufen oft anspruchsvolle Filme, die allerdings kaum Publikum anziehen. Die Freien Wähler wollen die entsprechenden Kinotage streichen. © (Ralph Keim)

Werden in den Burg-Lichtspielen in Gustavsburg bald drei Kinotage gestrichen, um Geld zu sparen? Die Freien Wähler haben einen entsprechenden Antrag gestellt. SPD und Grüne laufen dagegen Sturm.

Wenn am kommenden Donnerstag die letzte Gremienrunde in diesem Jahr beginnt, stehen zahlreiche Anträge zum kürzlich eingebrachten Haushalt auf den Tagesordnungen. Die Freien Wähler (FW) beantragen beispielsweise, dass in den Burg-Lichtspielen zukünftig der Montag, Dienstag und der Mittwoch als Kinotage entfallen sollen. Dieses Angebot sei wirtschaftlich nicht mehr länger tragbar.

Montag, Dienstag und Mittwoch laufen überwiegend Filme abseits des Mainstreams, beispielsweise hochwertige Dokumentarfilme, zu denen dann auch schon mal der Regisseur für anschließende Diskussionen anreist. Nicht jede Stadt dieser Größenordnung wartet mit solch einem kulturellen Angebot auf. Kein Wunder, dass SPD und Grüne, die in der Stadtverordnetenversammlung die Opposition bilden, dagegen Sturm laufen.

Aber auch bei der CDU, Hauptpartner der FW, zeigt man sich durchaus skeptisch. „Über den Antrag werden wir uns in der Fraktion noch eingehend beraten“, kommentierte CDU-Vorsitzender Lothar Nachtmann den FW-Vorstoß. Zumindest für ihn zählen die Burg-Lichtspiele mit ihren Kinofilmen zu einem „schönen Stück Kindheit“, das man nicht so einfach einschränken könne.

„Auf Biegen und Brechen sparen“

Weitaus drastischer reagierte Benjamin Weiß, Fraktionsvorsitzender der Grünen: „Jetzt sieht man, zu was die neue Mehrheit fähig ist“, zürnte er. „Jetzt wird auf Biegen und Brechen gespart, um die Ginsheimer Ortsentlastungsstraße durchzubringen, die aber sowieso nicht kommen wird.“ Weiß erinnert daran, dass es in den vergangenen Jahren einen fraktionsübergeifenden Konsens gegeben habe, der die Burg-Lichtspiele und das kulturelle Angebot angeht. „Dieser Konsens ist jetzt wohl aufgekündigt worden.“

Auch der SPD-Stadtverordnete Thorsten Siehr lehnt das FW-Ansinnen ab und kritisiert, dass jetzt an zahlreichen Ecken und Enden gespart wird. Der frühere Vorsitzende verweist auf die AG Haushalt, die es laut Haushaltssicherungskonzept eigentlich geben müsste, was der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Mario Bach (CDU), jüngst jedoch verneint hatte. Es wäre sinnvoll, Sparvorschläge in einer solchen AG zu sammeln und zu diskutieren.

Etwas entspannter sieht es Axel Schiel, Vorsitzender des Vereins „Achterbahn“, der in den Burg-Lichtspielen Kleinkunstveranstaltungen organisiert. „Als professioneller Künstler weiß ich, dass Kultur auch irgendwie profitabel sein muss.“ Und Filmvorführungen mit nur zehn Besuchern seien es nicht. Die Angebote der Burg-Lichtspiele grundsätzlich auf den Prüfstand zu stellen, hält er sogar für wichtig. Dass manche Filme nur 15 bis 20 Zuschauer haben, bestätigte Guido Conradi, Leiter des zuständigen Kulturbüros der Stadt. „Die am Wochenende laufenden Mainstreamfilme haben dagegen deutlich mehr Besucher.“

Wenn in den Burg-Lichtspielen ein Film gezeigt wird, muss die Stadt eine unterschiedlich hohe Mindestverleihgebühr zahlen. Hinzu kommt eine ebenfalls unterschiedlich hohe prozentuale Abrechnung von 35 bis 60 Prozent der Einspielergebnisse. „Liegt diese prozentuale Abrechnung über der Mindestgebühr, entfällt diese natürlich“, erläuterte Conradi. Im Klartext heißt das: Bei dem mehrfach ausverkauften Kassenschlager „Honig im Kopf“ musste die Stadt nicht drauflegen. Bei der jüngst gezeigten Beatles-Doku dagegen schon.

Das Thema steht erstmals bei der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am morgigen Donnerstag auf der Tagesordnung. Beginn ist um 19.30 Uhr im Gustavsburger Bürgerhaus.

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