1. Startseite
  2. Region
  3. Kreis Groß-Gerau
  4. Rüsselsheim

Wohnungen statt trister Fassade

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Hier siedelt sich kein Gewerbe mehr an: Das alte Tengelmann-Gebäude wartet auf den Abriss.
Hier siedelt sich kein Gewerbe mehr an: Das alte Tengelmann-Gebäude wartet auf den Abriss. © Ralph Keim

Trebur kann wegen der Siedlungsbeschränkung keine Neubaugebiete ausweisen. Doch innerhalb der Kerngemeinde gibt es durchaus Möglichkeiten der Nachverdichtung. Damit würden auch zwei unansehnliche Flecken verschwinden.

Von RALPH KEIM

Wer durch die Kerngemeinde fährt, dem fallen zwei Leerstände mit Sicherheit auf: In der 30er-Zone der Hauptstraße war früher einmal Tengelmann ansässig. Unweit davon, in der Kurve der Hauptstraße, bot Penny seine Waren an. Beide Geschäfte stehen seit vielen Jahren leer und bieten keinen schönen Anblick. Dass sich in beiden Immobilien noch einmal Einzelhändler oder andere Gewerbetreibende ansiedeln, ist so gut wie ausgeschlossen. Eine Alternative wäre daher: Abreißen und das freigewordene Gelände mit Wohnungen neu bebauen.

Trebur braucht neue Wohnungen, hat aber ein Dilemma: Wegen der Flugzeuge, die auch über diese Kommune hinwegdonnern, dürfen keine weiteren Neubaugebiete ausgewiesen werden. „Diese Siedlungsbeschränkung, die in etlichen Teilen des Landkreises gilt, wird wohl so schnell nicht aufgehoben“, erläutert Bürgermeister Carsten Sittmann (CDU).

Allerdings und glücklicherweise steht einer Wohnbebauung innerhalb der bestehenden Besiedlung nichts im Wege. Besonders in der Kerngemeinde gibt es Möglichkeiten dieser Nachverdichtung mit Wohnraum. Für das ehemalige Tengelmann-Gebäude steht bereits ein Investor parat, der es abreißen und an dieser Stelle Wohnungen bauen lassen will.

Diesem Investor gehört mittlerweile auch ein ebenfalls an der Hauptstraße gelegenes Wohnhaus, dessen Geschichte bis Ende des 18. Jahrhunderts zurückreicht. Auch dieses Haus soll nach dem Willen des Eigentümers – zusammen mit einer Scheune – abgerissen werden. Das frei gewordene Grundstück will der Eigentümer nach Auskunft von Bürgermeister Sittmann mit zwei mal zwei Doppelhaushälften bebauen.

Der Gemeindevorstand

hat das letzte Wort

„Der Abrissantrag ist bei der Gemeinde eingegangen“, bestätigte Sittmann gegenüber dem ECHO. „Der Gemeindevorstand will sich das Gebäude aber erst einmal anschauen.“ Der Abriss kann nicht so einfach am grünen Tisch genehmigt werden, da in Trebur eine Erhaltungssatzung gilt, die bei einem mehr als 220 Jahre alten Gebäude auf alle Fälle greift. Der Abbruch muss daher vom Gemeindevorstand genehmigt werden. Abgelehnt werden kann er nur, wenn das Gebäude historische oder künstlerische Bedeutung hat.

Letzteres kann man wohl ausschließen. Aber auch die historische Bedeutung? Dass es sich eigentlich um ein Fachwerkhaus handelt, kann man nämlich nicht mehr sehen. Die Eigentümer haben es vor mehr als 50 Jahren mit hellen Platten verkleiden lassen, die Anfang der 1960er Jahre wahrscheinlich modern waren. Außerdem wurde das oberste Stockwerk abgetragen.

Bürgermeister Sittmann heißt eine Neubebauung gut und sieht keinen Grund, den Abriss abzulehnen. Zumindest einer sieht das nicht ganz so locker: Willi Girresch (SPD), ehemaliger Bürgermeister von Trebur und bis zur Kommunalwahl Mitglied der Gemeindevertretung. Er fordert, dass der Bauausschuss und die Gemeindevertretung eingeschaltet werden.

„Wenn man in der Vergangenheit andere Fachwerkhäuser so behandelt hätte, wie man es offenbar jetzt mit dem Gebäude an der Hauptstraße vorhat, wäre Trebur wohl nie in die deutsche Fachwerkstraße aufgenommen worden“, mahnt er. Der wahrscheinlich kommende Neubau darf allerdings kein architektonisch gewagtes Vorhaben darstellen, denn in Trebur gilt auch die Gestaltungssatzung. Neubauten müssen sich an der Umgebung orientieren, heißt es darin vereinfacht. „Der Gemeindevorstand hat die Pläne bereits gesehen und positiv zur Kenntnis genommen“, gibt Bürgermeister Sittmann auch dazu bereits Auskunft.

Bei dem alten Penny-Gebäude greift die Erhaltungssatzung mit Sicherheit nicht. Das Gebäude ist nicht nur hässlich, sondern zudem auf einem energetisch völlig inakzeptablen Niveau. Neuansiedlungen von Gewerbe sind daher immer wieder geplatzt. Bürgermeister Sittmann würde einen Abriss mit einer darauffolgenden Neubebauung mit Wohnungen auf alle Fälle vorziehen. Doch der in Frankfurt ansässige Eigentümer hüllt sich noch in Schweigen.

Auch interessant

Kommentare