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WsR-Stadträtin Anja Eckhardt: Diese Frau will Bürgermeisterin werden

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Schulen sanieren, die Erzieher-Ausbildung ändern, lokale Produktionen im Theater stärken – dafür würde Anja Eckhardt von der WsR sich als Bürgermeisterin einsetzen. Jetzt hat sie ihre Kandidatur bekanntgegeben.

Für das Amt des Rüsselsheimer Bürgermeisters gibt es einen weiteren Bewerber. Um genau zu sein, eine Bewerberin. Denn mit Anja Eckhardt schickt die WsR eine Frau ins Rennen um den hauptamtlichen Magistratsposten an der Seite von Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) und Stadtrat Nils Kraft (SPD). Bei der Wahl in der Stadtverordnetenversammlung, voraussichtlich am 15. November, tritt sie gegen Amtsinhaber Dennis Grieser (Grüne), der beim ersten Wahlgang im Mai knapp scheiterte, und CDU-Chef Thorsten Weber an.

Eckhardt ist Lehrerin für Wirtschaft und Deutsch an den Beruflichen Schulen Groß-Gerau. Zudem gibt sie Unterricht für Geflüchtete. Vor ihrer Zeit als Lehrerin absolvierte sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau. In Darmstadt geboren, wuchs sie im Odenwald auf und lebt seit 20 Jahren in Rüsselsheim.

Den Weg in die Politik fand die 47-Jährige über ihr Engagement in der Bürgerinitiative „Pro Lachebad“, die sich vergeblich für den Erhalt des alten Rüsselsheimer Hallenbads einsetzte. Nach der Kommunalwahl 2016 wurde sie von der WsR als ehrenamtliches Magistratsmitglied (Stadträtin) ins Rathaus entsandt. Ihr Lieblingsort dort ist die Treppe, die zum Ratssaal hinauf führt, wo der Rennwagen der „Scuderia Mensa“ ausgestellt ist.

Ihr Sohn wirkte als Student an der Hochschule Rhein-Main an dessen Bau mit. „Darauf bin ich besonders stolz“, erzählt Eckhardt, als sie dort am Freitag ihre Kandidatur bekanntgibt.

Dabei zeigt Eckhardt sich sehr selbstbewusst. „Prädestiniert“ sei sie für das Amt der Bürgermeisterin. Dies begründet sie mit ihrer beruflichen Erfahrung als Lehrerin – der Bürgermeister ist auch Schuldezernent – und ihrer „Kommunikationsfreude“. Grieser ablösen will sie, wegen dessen „verantwortungslosem Umgang mit Geld“. So will sie ein Konzept entwickeln, das für die gleichmäßige Verteilung von finanziellen Mitteln an alle Rüsselsheimer Schulen sorgen soll. Einige Schulen müssten dringend saniert werden, was sie als Bürgermeisterin umsetzen wolle.

In den städtischen Kitas will Eckhardt die Ausbildung der Erzieher reformieren. Für diese solle es ein duales System geben. „Die Auszubildenden sollten pro Woche zwei Tage in der Schule sein und drei Tage in der Kita“, fordert Eckhardt. Überhaupt müsse der Erzieher-Beruf attraktiver gemacht werden.

Im Bereich Kultur – auch dafür ist der Bürgermeister zuständig – will sie „Doppelstrukturen“ abschaffen. Vor allem die Kultur-Steuerung ist Eckhardt ein Dorn im Auge. Deren Aufgaben könnten auch von der Leitung des städtischen Eigenbetriebs „Kultur 123“ übernommen werden. Zu einem „kulturellen Leuchtturm“ will Eckhardt das Rüsselsheimer Theater machen.

Und zwar, in dem lokale Produktionen gestärkt werden. Aufgeführt werden könnten etwa die Dramen, die die Oberstufen-Schüler aus der Region in der Schule lesen müssen. „So könnten sie die Stücke auch sehen“, gibt Eckhardt zu bedenken.

Ihre Chancen, gewählt zu werden, sieht Eckhardt allerdings nur bei „fünf Fünfundvierzigsteln“. Fünf, das ist die Zahl der Fraktionsmitglieder der WsR, 45 Stadtverordnete hat das Parlament insgesamt. So hofft sie neben Unterstützung aus der eigenen Fraktion auch auf „Frauen-Solidarität“. Sollte sie tatsächlich Bürgermeisterin werden, will „sie drei Räder durch das Rathaus schlagen“.

Ob sie sich gegen Grieser und Weber durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Schließlich hat der eine das Dreierbündnis aus Rot-Rot-Grün hinter sich und der andere mit der CDU die größte einzelne Fraktion.

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