Organisation ist alles in Zeiten einer Pandemie: Die Briefwahl-Auszählung in der Großsporthalle läuft geordnet und nach Plan ab. FOTO: Stella Lorenz
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Organisation ist alles in Zeiten einer Pandemie: Die Briefwahl-Auszählung in der Großsporthalle läuft geordnet und nach Plan ab.

Rüsselsheim

WsR verdoppelt fast das Ergebnis

SPD verliert deutlich und ist nur noch drittstärkste Kraft hinter der CDU. Die Grünen können nur leicht zulegen.

Rüsselsheim -Aus der Kommunalwahl in Rüsselsheim ist die Wählervereinigung Wir sind Rüsselsheim (WsR) als deutlicher Gewinner hervorgegangen. Nach Auszählung der Listenkreuze liegt die WsR in einem Trendergebnis von Sonntagabend bei 22,5 Prozent .Bei der Kommunalwahl im Jahr 2016 hatte sie noch 12,9 Prozent erreicht. Verluste musste dagegen die CDU, am stärksten aber die SPD hinnehmen, die nur noch auf 19 Prozent kommt und um rund 8 Prozent in der Wählergunst im Vergleich zu 2016 absackt. Nur leicht zulegen - trotz teils überragender Ergebnisse in anderen Orten Hessens - konnten die Grünen. Die Linke/Liste Solidarität musste Verluste hinnehmen, hat es aber ins Stadtparlament geschafft, ebenso wohl die AfD, die erstmals in Rüsselsheim bei einer Kommunalwahl antrat. Knapp ins Parlament geschafft haben es wohl auch die Freien Wähler, die FDP und der Neuling "Aktive Bürgerinitiative Rüsselsheim" (abi).

Trotz einer Wahl, die unter Corona-Bedingungen stattfand, zeigte sich Wahlleiterin Trudi Hartung am Sonntag zufrieden: "Ich bin positiv überrascht, wie schnell alles geht", sagte sie. Um 14.30 Uhr hatten viele der insgesamt rund 170 Wahlhelfer begonnen, in der Großsporthalle Wahlbriefe zu sortieren: Überall an den 15 Wahlbezirkstischen stapelten sich rote, weiße, blaue und grüne Umschläge, alle feinsäuberlich geordnet.

Um Punkt 18 Uhr wurden die Brieföffner gezückt: Die Auszählung begann - zuerst für die Stadtverordnetenversammlung, dann für den Kreistag, dann für die Ortsbeiräte Königstädten und Bauschheim. Die Wahlzettel für den Ausländerbeirat werden erst am Montag ausgezählt - wie auch alle kumulierten und panaschierten Stimmzettel der übrigen drei Wahlen. Priorität hatten jene, die ausschließlich Listenkreuze aufwiesen; alle anderen sichten Mitarbeiter der Stadtverwaltung bis voraussichtlich Mittwoch. Am Sonntagabend sortierten die Wahlhelfer - allesamt ausgestattet mit Masken, viele mit Handschuhen - die überdimensionalen Wahlzettel auf vier Stapel: Listenzettel, panaschierte und kumulierte, fragliche unbrauchbare Zettel. Die Briefwahlbeteiligung war überwältigend: Waren es 2016 noch etwa 4500 Wahlbriefe, sind es 2021 knapp 14 000. Um 18.30 Uhr kommen die letzten Wahlbriefe aus dem Rathaus in gelben Postkisten.

Für einen unerwarteten Mehraufwand sorgten einige der Wähler, die Briefwahlunterlagen beantragt hatten, dann aber doch vor Ort ihre Stimmen abgeben wollten. Für diese musste erst eine telefonische Überprüfung im Wahlbüro her. Die Verlegung der Auszählung, die normalerweise im Rathaus stattgefunden hätte, in die Großsporthalle, erwies sich als sinnvoll: Die Lüftungsmöglichkeiten waren besser und die Koordination verlief einfacher. Trudi Hartung beantwortete relevante Fragen direkt via Mikrofon und Lautsprecher in die Halle.

In einigen Fraktionen wurde am Sonntagabend gefeiert - natürlich digital, via Video-Call. "Wir sitzen über Zoom zusammen und beobachten das Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU", berichtete WsR-Vorsitzender Joachim Walczuch. Fast doppelt so viele Stimmen wie vor fünf Jahren konnte die WsR holen. "Wir feiern das Ergebnis", sagte er. Man sei überrascht über die Zahlen, gab er zu. "Das zeigt, dass die Leute Vertrauen zu uns haben." Grundsätzlich positiv war die Stimmung auch bei den Grünen, die knapp fünf Prozent zugelegt haben. Fraktionsvorsitzende Maria Schmitz-Henkes feierte parallel mit den Rüsselsheimer- und Kreis-Grünen über Video-Call. "Das Ergebnis könnte etwas besser sein", sagt sie kritisch. Dennoch ist sie zufrieden. "Wir werden sehen, wie sich die Zukunft gestaltet."

Ähnlich sieht das auch die CDU. Spitzenkandidatin Stefanie Kropp reagierte pragmatisch auf den voraussichtlichen Stimmenverlust von knapp fünf Prozent im Vergleich zu 2016. "Es ist ein erwartbares Ergebnis. Wir können gut damit umgehen - und wir sind ja noch gut dabei", sagt sie. Der Wahlkampf sei nicht der gleiche gewesen. Ihre Fraktion hoffe nun auf die noch nicht ausgezählten Stimmen: "Am Dienstag wissen wir mehr.'" lor/ok

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