Friedhof in Königstädten: Eigentlich ein Ort der Stille und der Trauerarbeit. Aber immer wieder verschwindet von hier Grabschmuck. FOTO: ok
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Friedhof in Königstädten: Eigentlich ein Ort der Stille und der Trauerarbeit. Aber immer wieder verschwindet von hier Grabschmuck.

Grab von Kleinkind

„Was ist das für ein Mensch?“: Vater wütend über Diebstahl auf Friedhof

  • Alexander Seipp
    VonAlexander Seipp
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Es sollte ein Ort der Trauer und des Innehaltens sein: Immer wieder aber verschwinden Sachen vom Grab eines Kleinkindes auf dem Friedhof in Königstädten.

Rüsselsheim ‒ Der Tod des eigenen Kindes ist ein traumatisches Ereignis. Für die Trauerbewältigung ist die Erinnerung eine wichtige Quelle, aus der Eltern Trost schöpfen können. Doch bei Oliver Rinkenbach aus Rüsselsheim-Königstädten wurde die Trauerarbeit in den vergangenen Monaten immer wieder empfindlich gestört. Bereits fünf Mal wurde Grabschmuck von der letzten Ruhestätte seines Sohnes auf dem Friedhof in Königstädten gestohlen.

„Das erste Mal war am 19. Mai“, erinnert sich Rinkenbach. Zunächst habe er gedacht, dass der Wind die kleine Lampe weggeweht habe oder jemand sie genommen und auf ein anderes Grab gestellt habe. Also suchte er die Umgebung ab. Aber keine Spur. „Also habe ich eine neue Lampe besorgt.“ Doch auch diese verschwand bald.

Dreiste Diebstalserie auf dem Friedhof in Rüsselsheim: Abschließen nicht möglich

„Mir geht es gar nicht um den Preis der Lampe, die zehn Euro kann ich verschmerzen. Aber wie jemand so rücksichtslos sein kann, von dem Grab eines Kleinkindes zu stehlen, das kann ich einfach nicht verstehen“, sagt Rinkenbach. „Er war 22 Tage alt, und wir wollten ihm nur ein schönes Fleckchen suchen, an dem er ruhen kann. Doch es liegt direkt am Weg, und viele kommen dort vorbei.“

Er habe bei der Friedhofsverwaltung angerufen, aber dort sei ihm gesagt worden, dass man nichts machen könne. Den Friedhof abzuschließen, sei aufgrund der Lage inmitten von Königstädten kaum möglich. Schließlich diene er auch als wichtiger Verbindungsweg.

Selbst wenn man die Tore schließen würde, dann könnten die Täter außerdem auch über die Mauer klettern. Zudem könne man zum Schutz vor Diebstahl schließlich nicht den Friedhof permanent bewachen.

Diebe klauen vom Grab eines Kleinkindes in Rüsselsheim: „Einfach nur geschockt“

„Ich habe einen guten Freund von mir gefragt, der bei der Polizei arbeitet, der sagte mir, dass ich Anzeige gegen Unbekannt erstatten könne“, berichtet Rinkenbach. Aber die Chancen, den oder die Täter zu fassen, dies habe ihm sein Freund auch gesagt, seien gleich Null. Also habe er es aufgegeben. Doch die Diebstähle gingen weiter. Erneut wurde eine Lampe gestohlen und dann eine große Grabkerze. Das ebenfalls auf das Grab gelegte Spielzeug blieb unangetastet.

„Ich bin einfach nur geschockt über die ganze Situation“, sagt Rinkenbach fassungslos. „Was ist das für ein Mensch, der so etwas tut?“ Er sei den Friedhof abgelaufen, und in seiner Wut habe er eine Reihe junger Männer angesprochen. „Die haben mir aber sofort ihr Beileid ausgesprochen und mir versichert, die Augen offen zu halten, sollten sie etwas sehen.“

Erneut habe er über eine Anzeige nachgedacht, doch Erfolgschancen seien kaum vorhanden. „Irgendwann konnte ich einfach nicht mehr und habe meinem Ärger auf Facebook Luft gemacht.“ Dort bekam der Königstädter regen Zuspruch. Einige andere berichteten ebenfalls von gestohlenen Vasen und anderen Gegenständen auf den Gräbern.

Vater fühlt sich von Stadt Rüsselsheim alleingelassen: „Warum keine Überwachung?“

„Was mich am meisten ärgert, ist, dass die Stadt da gar nichts tut“, erklärt Rinkenbach. „Wieso gibt es etwa keine Videoüberwachung der Eingänge? Dann würde man doch sehen, wenn jemand zum Beispiel mit Grabkerzen oder Lampen hinausgeht.“ Zumindest würde es den Diebstahl erschweren, denn um nicht auf den Kameras sichtbar zu sein, müssten die Diebe dann wohl über die Mauer klettern. Trotz der niedrigen Erfolgschance will Rinkenbach nun Anzeige erstatten. „Wenn das irgendwie hilft, um Druck auf die Stadt aufzubauen, damit diese aktiv wird, dann werde ich das tun.“

Bei der Stadt hält man sich bedeckt. Diebstähle auf dem Friedhof seien bekannt, aber man könne wenig tun. „Seitens der Friedhofsverwaltung finden regelmäßig, auch abends, Kontrollen statt, auch weil sich immer wieder Jugendliche dort aufhalten, die nicht immer würdevoll mit dem Gelände umgehen und Müll hinterlassen“, so eine Sprecherin. Den Friedhof abschließen, würde wenig bringen, da die Außenmauer nur 80 Zentimeter hoch ist. Aus diesem Grund wäre wohl auch eine Videoüberwachung kaum zielführend. (als)

Statt einer Diebstahlüberwachung werden auf den Friedhöfen ganz andere Dinge von der Stadt Rüsselsheim kontrolliert. Zum Beispiel, ob die Grabsteine noch fest genug stehen oder ob sie Gefahr laufen, gar jemanden zu erschlagen.

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