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Eine Amsel

Zählung des NABU

Harte Zeiten für Amsel und Grünfink

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Die Stunde der Wintervögel, eine bundesweite Zählaktion des Nabu am ersten Januarwochenende, ist vorbei, gemeldet werden kann immer noch. Erste Ergebnisse bestätigen langjährige Sorgen.

Zwölf Prozent – um so viel hat die Zahl der Amseln deutschlandweit im Vergleich zum vergangenen Jahr abgenommen. Beim Grünfink ist die Zahl nur leicht gesunken, aber seit dem Start der Aktion 2011 ist auch hier der Rückgang deutlich zu erkennen. Auch im Kreis Groß-Gerau ist das ein Problem.

Minus 25 Prozent an Beobachtungen sind es beim Zwischenergebnis hier bei der Amsel, sogar minus 47 Prozent beim Grünfink. „Gerade im Raum Hessen ist bei der Amsel ein starker Rückgang zu verzeichnen“, sagt Bernd Petri, Vogelexperte des Kreis-Nabu. Das liege vor allem am Usutu-Virus, einer Infektionskrankheit aus Afrika, der seit 2010 in Deutschland ein zunehmendes Amselsterben ausgelöst hat. Auch bei den Grünfinken grassiert ein Parasit, der die Tiere verenden lässt.

Vorsicht bei Zahlen

„Allgemein kann man sagen, dass es durch den milden Winter weniger Zuzug durch andere Vögel aus dem Norden gab“, so Petri. Man stelle vermehrt fest, dass Futterstellen seit dem späten Herbst weniger gut besucht sind.

Bis auf die kontinuierlich sinkende Zahl von Amsel- und Grünfinkpopulation rät Bernd Petri jedoch erst einmal zu Vorsicht im Umgang mit den Zahlen aus der Beobachtung.

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„Die Auswertung für uns Biologen und Ornithologen ist schwierig“, sagt er. Positiv sei zwar, dass viele Menschen an der Aktion teilnehmen, allerdings sei die Beobachtung nicht sehr standardisiert. „Die Interpretation wird dadurch erschwert.“ Einzelne Ausreißer wie die 55-prozentige Zunahme an Feldsperlingen führt Petri auf zufällige Einzelbeobachtungen vieler Tiere zurück.

Das bestätigen auch die Erfahrungen des Rüsselsheimer Nabu-Vorsitzenden Dieter Baumgardt. Die Online-Tabelle für den Kreis weist einen 20-prozentigen Rückgang bei Sperbern auf, Baumgardt hat aber erst vor kurzem gleich zwei der Raubvögel im Garten beobachten können. „Das hat viel mit Zufall und Standort zu tun“, sagt er. Da gebe es zuweilen schon extreme Unterschiede.

Monokultur-Problem

Einig sind sich die zwei Nabu-Experten allerdings in einer Sache: In der Landwirtschaft sehen sie einen allgemeinen Rückgang der Vogelpopulation – und das seit 20 Jahren. „Jeder Quadratmeter Land wird dort extrem genutzt“, sagt Petri. „Bei den Monokulturen gibt es einfach nichts zu fressen.“ Eine größere Artendichte, schließt Baumgardt, finde man nur bei der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, und die gebe es eben nicht oft.

Im städtischen Raum seien die Bestände dagegen eher stabil, stellt Petri fest. „Im Siedlungsbereich gibt es die unterschiedlichsten, buntesten Gärten“, lobt er. Die Futterauswahl sei immens, dazu kämen noch die Personen, die zusätzlich füttern.

Dass das trockene Wetter im vergangenen Jahr eine große Rolle spielt, sieht Petri nicht. „Viele Bäume werden wegen der Dürre absterben, aber was das für Auswirkungen auf die Vögel hat, weiß man nicht“, sagt er.

Baumgardt mutmaßt, dass trockene Böden und damit tiefer eingegrabene Würmer, an die die Vögel nicht herangekommen sind, mit ein Faktor gewesen sein könnten. Insgesamt sei es aber kein allzu schlechtes Insektenjahr gewesen, so Petri. Aktiv werden könne übrigens jeder, um dem Artenrückgang bei Amsel und Grünfink vorzubeugen – zumindest in Bezug auf das Usutu-Virus und den Grünfink-Parasiten.

Grundsätzlich sei Winterfütterung nicht schlecht, allerdings „kommen auch kranke Tiere zum Wasser- und Futterstelle“, sagt Petri. „Halten Sie die Wasserstellen täglich sauber, füllen sie frisches Wasser nach“, rät er. Auch die Futterstellen solle man im Auge behalten.

„Wer einen auffälligen Vogel mit ungepflegtem Gefieder sieht, der apathisch wirkt, weißliche und kahle Flecken am Kopf oder Schaum um den Schnabel hat, sollte die Futter- und Wasserstellen entfernen“, so der Experte. Meldepflichtig ist die Erkrankung übrigens nicht. „Aber jeder Hinweis ist für uns interessant“, sagt er.

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