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Entgegen dem hier abgebildeten Freiburger Vorbild wollen die Rüsselsheimer Schüler keine Demonstration, sondern nur eine Kundgebung veranstalten.

Umwelt

Bekommt Rüsselsheim eine eigene "Fridays for Future"-Veranstaltung?

"Fridays for Future" in Rüsselsheim - wie kann das funktionieren? Der Stadtschülerrat denkt darüber nach, eine eigene Kundgebung zu veranstalten.

Rüsselsheim - Kohleausstieg bis 2030, Treibhausgassteuer, 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung bis 2035 - das sind einige der Forderungen, die die Jugendbewegung "Fridays for Future" an die deutsche Politik stellt. "Dahinter stehen auch wir", sagt Merve Baran. Die 18-Jährige besucht die Max-Planck-Schule und ist Mitglied im Stadtschülerrat, wo schon seit einiger Zeit darüber diskutiert wird, die "Fridays for Future"-Botschaft auch stärker in Rüsselsheim zu verbreiten.

Kundgebung als Idee

Die Schüler, die von verschiedenen städtischen Schulen kommen, denken darüber nach, eine eigene Kundgebung zu veranstalten. "Wir wollen uns für die Umwelt engagieren", sagt Baran nachdrücklich.

Dafür habe man sich geschlossen bei der Jugendförderung gemeldet und um Unterstützung gebeten. "Wir wollen keine Straßen sperren, es ist keine Demonstration", betont die junge Frau.

Stattdessen wolle man vom Bahnhofsplatz friedlich zum Marktplatz laufen, wo anschließend kleine Reden gehalten werden sollen. "Von uns selbst, darüber, was uns bewegt", so Merve Baran. Grundsätzlich könne man sich auch vorstellen, dass Jugendvertreter der Fraktionen zu den Kundgebungsbesuchern sprechen. "Wir haben schon Kontakt aufgenommen", erzählt eine Schülerin der Gustav-Heinemann-Schule.

Inhaltlich solle es dann auch hauptsächlich darum gehen, was man hier in Rüsselsheim selbst tun kann, um das Klima zu schützen. "Das kann der Plastiktütenverzicht im Supermarkt sein oder der Schutz der Bienen", sagt Merve Baran. "Wir wollen die Schüler informieren."

In eine ähnliche Richtung geht die von der CDU geplante Veranstaltung am Mittwoch, 29. Mai, abends im "Rind": Dort sollen Schüler ab der 9. Klasse auf Augenhöhe mit den Christdemokraten Thorsten Weber, Luca Karger und Jana Fünkner über "Fridays for Future" diskutieren. "Wir wollen vollkommen offen mit den Schülern darüber sprechen, was man hier für die Stadt tun kann", so Weber.

Dass die vom Rat angedachte Schüler-Kundgebung gut besucht sein wird, sind sich die jungen Klima-Aktivisten sicher. "Frankfurt ist weiter weg, der Marktplatz direkt um die Ecke", so ein Immanuel-Kant-Schüler. Natürlich würde die Veranstaltung auch an einem Freitag stattfinden, aber nach Notenschluss und auch eher um die Mittagszeit. Dass die Schulleitungen ihre Schützlinge nicht freistellen können, verstehen die Schüler. Fehlstunden, da sind sich alle einig, müsse man dann in Kauf nehmen.

"Bei einer einmaligen Sache ist das eine unentschuldigte Fehlzeit", sagt auch Beate Thierolf-Seida, Leiterin der Borngrabenschule. "Die Gesetzeslage lässt es nicht anders zu." Das sieht auch ihr Kollege Marc Rhein von der Max-Planck-Schule ähnlich.

Konsequenzen

"Wer streikt, geht eine bewusst konfrontative Haltung ein und muss für die Konsequenzen gerade stehen", findet er. Als Beamter des Landes gebe es eben Anordnungen, an die man sich halten müsse. Als Privatperson dagegen sei er allerdings froh um jeden, der ein Umweltbewusstsein entwickele. "Es ist schön, wenn sich die Schüler engagieren", so Rhein. Nur gebe es aus schulischer Sicht da einfach keinen Spielraum. Thierolf-Seida dagegen schließt nicht aus, die Veranstaltung "zu einem aushäusigen Lernort zu machen, wenn sie spruchreif wird". Da müsse man sich kurzschließen.

Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne) findet eine solche Schüler-Aktion begrüßenswert - auch während der Schulzeit. Schließlich seien die "Fridays for Future" die größte Jugendbewegung weltweit seit Jahrzehnten. "Die junge Generation hat einen Anspruch auf Klimasicherheit", so Grieser.

Den Termin für die Kundgebung würden die Schüler letztlich über die sozialen Medien und mündlich kommunizieren, sobald das Ordnungsamt die Veranstaltung genehmigt habe. "Die Chancen, dass viele teilnehmen, sind gut", ist sich Baran sicher.

Der Stadtschülerrat (SSR) setzt sich aus Schülervertretern aller weiterführenden Rüsselsheimer Schulen zusammen. In regelmäßigen Gremien sprechen die Ratsmitglieder über aktuelle Themen aus dem Schulalltag und tragen die Probleme der Schüler an die Stadtpolitik heran.

von Stella Lorenz

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