Die Vorsitzende des Malkastens, Renate Sajnovits, hofft auf neue Ausstellungsmöglichkeiten in der Stadt. Foto: Maraike Stich
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Die Vorsitzende des Malkastens, Renate Sajnovits, hofft auf neue Ausstellungsmöglichkeiten in der Stadt. Foto: Maraike Stich

Kultur

Zeit für die Galerie ist abgelaufen

Nach fast zehn Jahren muss die Künstlervereinigung Malkasten die "Galerie auf Zeit" räumen. Am 15. August ist die letzte Ausstellung in der Frankfurter Straße.

Rüsselsheim -Ein letztes Mal wird die Künstlervereinigung Malkasten am 15. August zu einer Ausstellung in ihre "Galerie auf Zeit" in der Frankfurter Straße einladen. "Es war immer schön hier", sagt Renate Sajnovits. Wehmut will sie dennoch nicht aufkommen lassen. "Wir haben das hier ja vor allem deshalb gemacht, damit das Schaufenster nicht leer steht", erklärt sie.

Fast zehn Jahre hat der Malkasten das Schaufenster nutzen können, um die künstlerischen Arbeiten seiner Mitglieder der Öffentlichkeit zu präsentieren. Und das ganz zentral in der Innenstadt, nur ein paar Meter vom früheren Karstadt entfernt.

Immer präsent in der Innenstadt

Dass an dessen Stelle jetzt ein neues ambitioniertes Gebäudeprojekt verwirklicht wird, das stehe vielleicht indirekt auch in Zusammenhang mit dem Verkauf des Hauses, das die Künstler jetzt räumen müssen. "Die Ecke wird nun wieder attraktiver und deshalb vielleicht auch wieder interessanter für Investoren", vermutet Sajnovits. So oder so, der Verkauf sei sicher und somit auch der Verlust der Ausstellungsmöglichkeit. Doch nicht ohne Grund habe man dem Projekt einst den Namen "Galerie auf Zeit" gegeben.

Da das Gebäude damals leer gestanden habe, habe die Eigentümergemeinschaft das frühere Geschäft den Künstlern "quasi zum Nulltarif" überlassen. Lediglich für einige Umlagen habe man aufkommen müssen. Besonders interessant war das Geschäft für die Künstler sicher auch aufgrund der Tatsache, dass die gesamte Fassade über zwei Seiten komplett aus Schaufenstern besteht. So war man, trotz eher seltener Öffnungszeiten, immer präsent.

"Wir hatten nur an den verkaufsoffenen Sonntagen und zu unseren Ausstellungseröffnungen geöffnet", berichtet die erste Vorsitzende der Künstlervereinigung. Es sei in den knapp zehn Jahren aber immer wieder mal etwas verkauft worden. Jedes ausstellende Mitglied habe so Käufer gefunden. Über eine im Schaufenster angegebene Telefonnummer konnten Interessenten Kontakt zu den Künstlern aufnehmen.

"Es ist schade, dass es jetzt hier endet, aber wir haben auch andere Ausstellungsmöglichkeiten", sagt Sajnovits. So sei der Malkasten einmal im Jahr in der Schleuse der Opelvillen präsent und zwei- bis dreimal jährlich in der Rathausrotunde.

Dennoch werde man sich auch wieder umgucken, ob sich in der Innenstadt etwas Neues ergebe. Schließlich war der Raum in der Frankfurter Straße nicht die erste "Galerie auf Zeit". Zuvor habe man - wenn auch nur für drei Monate - im ehemaligen Schuhhaus Bach ausstellen können. Auch die Stadt habe ein Interesse daran, die Stadtmitte mit Kunst zu bereichern, versichert die Malerin. Deshalb werde man von den Verantwortlichen im Rathaus ebenso unterstützt wie vom Treffpunkt Innenstadt. Gespräche habe es noch keine gegeben, allerdings sei die Nachricht vom Ende am derzeitigen Standort auch erst vor einem Monat und somit mitten in der Urlaubszeit gekommen.

Offen für neue Mitglieder

45 Mitglieder hat der Malkasten derzeit, darunter auch eine Gruppe Kunsthandwerker und 15 aktive bildende Künstler. Montags treffen sich eine Zeichner- und eine Malergruppe im Landrat-Harth-Heim. Diese Termine seien auch für neue Interessenten offen. Der Dienstagstermin am selben Ort sei hingegen den Mitgliedern des Vereins vorbehalten.

Fast noch wichtiger als das Arbeiten an Ort und Stelle sei dort der Austausch über die eigene Arbeit. "Wir sind da sehr ehrlich", sagt Sajnovits. Grundsätzlich sei es den Künstlern wichtig, ein gewisses künstlerisches Niveau zu halten.

Schon mehr als 70 Jahre gibt es den Malkasten. Die Künstlervereinigung wurde kurz nach dem Krieg gegründet. In der Abschiedsausstellung, zu der die Öffentlichkeit "herzlich eingeladen ist", wie Sajnovits betont, werden unter anderem auch die Ergebnisse des jüngsten Workshops der Rüsselsheimer Hobbykünstler zu sehen sein. Unter dem Motto "Mensch und Natur" habe man sich Ende Juni - angeleitet von einem Dozenten - mit der Acrylmalerei befasst. Das sei die erste Gemeinschaftsaktion seit dem Beginn der Ausgangsbeschränkungen gewesen. Maraike Stich

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