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Zukunft des Freien Kindergartens unklar

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Es ist eine Hängepartie, die nun schon seit vielen Monaten den Alltag im Freien Kindergarten am Hessenring beeinträchtigt. Eltern und Erzieherinnen fordern von der Stadt eine klare Aussage, wie es in Zukunft weitergehen soll.

Seit gut drei Jahrzehnten gibt es nun schon den Freien Kindergarten am Hessenring 70. Das langgestreckte Gebäude ist deutlich in die Jahre gekommen. Die Nachricht, dass hier Asbest verbaut wurde, hat vor einigen Monaten die Erzieherinnen und Eltern gleichermaßen aufgeschreckt. Glücklicherweise hat eine Messung ergeben, dass die Luft unbelastet ist, solange das Mauerwerk nicht angetastet wird.

Eine grundlegende Sanierung lohnt sich kaum, zumal sich die Stadt und die den Freien Kindergarten tragenden Eltern einig sind, dass es besser ist, den Standort aufzugeben. Doch da enden auch schon die Gemeinsamkeiten. Denn seit vielen Monaten lässt die Stadt Eltern und Erzieherinnen in Ungewissheit über die Zukunft des Freien Kindergartens. Doch die Betroffenen nehmen die Stadt jetzt in die Pflicht. Sie wollen wissen, wann diese Hängepartie endlich ein Ende hat und warum vorliegende Konzepte ignoriert beziehungsweise lapidar abgelehnt werden.

Noch ein Partner

Oliver Sixel steht als Investor für einen Neubau längst in den Startlöchern. Mit der katholischen Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit und Auferstehung Christi hätte der Freie Kindergarten einen weiteren Partner, der das Grundstück über einen Pachtvertrag zur Verfügung stellt. Somit liegt der Ball nach Ansicht der Kita-Verantwortlichen bei der Stadt. Denn notwendig wäre für das Projekt eine Änderung des Bebauungsplans.

Im Mai 2016 hatte die Stadt den Vorstand über ihre Pläne informiert: Der Freie Kindergarten müsse das Gebäude binnen drei Monaten räumen, da die Stadt an derselben Stelle eine neue und größere städtische Kindertagesstätte bauen lassen wolle. Die Stadt, namentlich Sozialdezernent Dennis Grieser (Grüne), bietet Alternativen für die Zukunft des Freien Kindergartens: Umzug in die Platanenstraße, wo einmal die Villa Kunterbunt ansässig war – funktioniert nach Ansicht des Vorstands nicht, da die Räume zu klein sind. Ein Einzug in die Räume der neuen Kita am Hessenring sei zu umständlich und eigentlich auch zu teuer.

„Der Betrieb der städtischen Kita und unserer Einrichtung müsste nämlich in allen Belangen strikt voneinander getrennt werden“, erklärt Annette Rösner-Ünal vom Vorstandsteam des Trägervereins. Hinzu käme die rund dreijährige Übergangszeit zwischen Auszug und Einzug. Immerhin gäbe es dazu mit dem Gelände der Pfarrgemeinde eine Möglichkeit, diese Zeit mit Containern zu überbrücken.

„Doch dann war dieser Vorschlag seitens der Stadt plötzlich kein Thema mehr“, führt Annette Rösner-Ünal weiter aus. Das wäre aber noch nicht einmal ein großes Problem, denn mit Oliver Sixel fand sich ein Investor, der eine Idee hatte: Er baut auf dem zur Verfügung stehenden, insgesamt 1600 Quadratmeter großen Kirchengelände ein Gebäude, in dem einmal Studenten wohnen. Im Erdgeschoss kommen die Kinder des Freien Kindergartens unter. „Die Kirchengemeinde war von diesem Vorschlag begeistert“, weiß Annette Rösner-Ünal noch bestens. „Und auch uns würde das gefallen.“

Doch zu früh gefreut: Für dieses Vorhaben wäre die Änderung des bestehenden Bebauungsplans notwendig. Und bei dieser Frage versandet das Projekt im Rathaus. Während Sozialdezernent Grieser das Projekt befürwortet habe, stelle sich Baustadtrat Nils Kraft (SPD) quer. Oliver Sixel stellte zwischenzeitlich sein Vorhaben, Studentenwohnungen zu bauen, sogar zurück und hatte mit der Caritas als Mitnutzer des Neubaus eine Alternative parat. Doch auch dazu habe das Baudezernat allen nur die kalte Schulter gezeigt.

Investor verunsichert

Von der Pressestelle liegt eine nur dünne Stellungnahme vor: Man sei sehr daran interessiert, für den Freien Kindergarten einen alternativen Standort zu finden. Allerdings liege bis heute vom Investor kein Finanzierungskonzept für das Projekt auf dem Kirchengelände vor, so dass eine Bewertung der Wirtschaftlichkeit der Planungen bisher nicht habe erfolgen können.

Nach unzähligen und vergeblichen Gesprächen mit der Stadt zeigt sich Oliver Sixel zunehmend verunsichert vom Verhalten der Stadt. „Ich habe im Rathaus schließlich schon drei Entwürfe vorgelegt. Außerdem wundert mich, dass sich die Stadt um die Wirtschaftlichkeit meines Vorhabens sorgt.“ Genau deswegen wolle er ja auch keinen reinen Kindergarten mit nur zwei Gruppen bauen. „Das rechnet sich nämlich wirklich nicht.“

Was Eltern, Erzieherinnen, Investor Sixel und die Pfarrgemeinde nicht verstehen: „Wir haben ein stimmiges Konzept, von dem die Stadt nur profitieren kann, aber man lässt uns ständig abblitzen und im Ungewissen.“ Langsam erreicht die Geduld der Beteiligten auch aus einem anderen Grund ihre Grenzen: „Wegen der Unsicherheit haben erste Eltern bereits die Konsequenzen gezogen und gekündigt“, bedauert Annette Rösner-Ünal.

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