Anja Sutter vom medizinischen Dienst nimmt eine der vielen Impfungen vor. FOTO: rko
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Anja Sutter vom medizinischen Dienst nimmt eine der vielen Impfungen vor.

Corona

Zuletzt wird im Minutentakt gepikst

Große Resonanz bei einer viertägigen Sonder-Impfaktion in der Großsporthalle

Rüsselsheim -Wie Corona die Gesellschaft ab Oktober beeinflussen wird, hängt vor allem von der Impfquote ab. Seit Monaten appellieren Fachleute und Politiker an die Bevölkerung, doch von einer ausreichenden Zweifach-Impfquote ist Deutschland (37,9 Prozent am gestrigen Sonntag) noch weit entfernt. So auch Rüsselsheim. So auch der Landkreis.

Um die Impfquote zumindest in Rüsselsheim ein wenig nach oben zu treiben, haben Kreis und Stadt in der vergangenen Woche eine viertägige Sonder-Impfaktion angeboten: Erstimpfen ohne Termin. Dazu musste man einfach nur in die Großsporthalle kommen. Und da in Rüsselsheim nun einmal etliche Bürger mit Migrationshintergrund leben, hat die Stadt die 5000 Flyer in mehreren Sprachen abgefasst. Bestellt wurden für vier Tage 2000 Impfdosen unterschiedlicher Hersteller.

Freitagnachmittag, 16.30 Uhr, zweiter Tag der Aktion: In der Großsporthalle ist beim medizinischen Personal und den ehrenamtlichen Helfern überwiegend Däumchendrehen angesagt. Mit gerade einmal 60 Impfungen innerhalb von fünfeinhalb Stunden bleibt auch dieser Tag hinter den Erwartungen zurück. Der Vortag ist mit 80 Impfungen innerhalb von sieben Stunden auch enttäuschend gewesen. Dem entsprechend zeigen sich Grazina Giarmana von der ärztlichen Leitung des Kreis-Impfzentrums und Erster Kreisbeigeordneter Walter Astheimer (Grüne) als Gesundheitsdezernent nicht gerade begeistert.

Menschen auf engstem Raum

"Mit den 2000 Impfdosen könnten wir täglich bis zu 500 Menschen impfen", erläutert Grazina Giarmana den Idealfall.

Später kommen Landrat Thomas Will (SPD) und der Rüsselsheimer Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) hinzu. "Innerhalb weniger Tage haben wir diese Impfaktion gemeinsam auf die Beine gestellt", unterstreichen die beiden Politiker. "Damit haben wir gezielt ein niedrigschwelliges Angebot geschaffen für Menschen, die kaum oder gar keine gesellschaftlichen Bindungen haben", formuliert es der Landrat.

Dass Bereiche, in denen auf engstem Raum viele Menschen mit Migrationshintergrund und wenig bis gar keinen Deutschkenntnissen leben, signifikante Infektionsherde waren und sind - mit dieser Aussage tut sich Erster Kreisbeigeordneter Astheimer schwerer als Fachfrau Giarmana, die auf entsprechende Erkenntnisse des RKI verweist. Aber für genau diese Bewohner ist die Impfaktion gedacht, für die sich sogar Adnan Dayankac, Vorsitzender des Ausländerbeirats, zusammen mit Migrationslotsen hat einteilen lassen. "Die Rückmeldungen derjenigen, die zum Impfen gekommen sind, waren durchweg zustimmend", kann Dayankac berichten. Kein Ärger und Stress, um an einen Termin zu kommen, sei bei den meisten bislang Ungeimpften ausschlaggebend für das Kommen gewesen. Und die anstehende Urlaubszeit. Ganz anders dann der Ablauf am Samstag und Sonntag. "Am Samstag haben wir rund 240 verabreicht", berichtete Grazina Giarmana diesmal hoch zufrieden. Für den Sonntag erwartete sie sogar bis zu 300 Dosen. "Diesmal stehen die Menschen sogar Schlange, um geimpft zu werden."

Weitere Aktionen wohl möglich

Bereits am Freitag kündigten Landrat Will, Erster Kreisbeigeordneter Astheimer und OB Bausch an, beim Impfen weitere Aktionen zumindest in Betracht zu ziehen. Bis dahin lauten ihre Appelle an die Bevölkerung: Impfen lassen! "Nur eine zweifache Impfung bietet ausreichenden Schutz gegen eine schwere Erkrankung und verhindert eine Ausbreitung des Virus", bekräftigte Astheimer. Und Grazina Giarmana versicherte, dass nach Ende der Impfaktion in der Großsporthalle keine einzige übrig gebliebene Impfdose weggeworfen werden musste. ralph keim

So viel Zeit muss sein: Zu einem kurzen Plausch schaute Landrat Thomas Will (stehend) bei der Anmeldung vorbei.

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