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Ein Brennstoffzellenauto mit Wasserstoff zu betanken, läuft ähnlich wie bei gewöhnlichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ? allerdings gibt es bisher so gut wie keine Zapfstellen für das Gas.

Wasserstofflabor

Zwei Doktoranden forschen am Antrieb der Zukunft

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Promovieren ist in Hessen kein Vorrecht von Universitätsstudenten mehr. In Rüsselsheim sind junge Forscher zwar nach wie vor auf Kooperationen angewiesen, doch das ist reine Formsache.

Autos mit Brennstoffzellen könnte die Zukunft gehören. Denn sie kommen ohne Abgase aus. Aus dem Auspuff qualmt es nicht, lediglich Wasser tropft heraus. Statt Benzin wird Wasserstoff getankt. In einer Brennstoffzelle reagiert dieser mit Sauerstoff. Es entsteht Strom, der für den Antrieb sorgt. Doch ein Problem dabei ist die Haltbarkeit der Brennstoffzellen.

Wie sich diese verlängern lässt, damit beschäftigt sich Fatima Boui aus Wiesbaden. Nach dem Abschluss des Master-Studiengangs Angewandte Physik promoviert sie seit Mai am Labor für Wasserstofftechnologie der Hochschule Rhein-Main in Rüsselsheim, das von Professorin Birgit Scheppat geleitet wird.

Bouis Arbeit ist Teil des sogenannten Innovation Labs an der Hochschule. Dabei sollen Wissenschaftler und Unternehmen gemeinsam ihre Forschungsprojekte vorbereiten. In drei bis vier Jahren will Boui ihren Doktor in der Tasche haben. Noch sei sie sich in der Findungsphase. „Ich lese mich ein, schaue, was andere mache, gehe auf Konferenzen, damit ich weiß, wo ich ansetzen kann“, erzählt Fatima Boui.

Dazu kommen verschiedene Experimente im Labor und nicht zuletzt auch die Betreuung von Studienanfängern. So hat ihr eigener Alltag so gar nichts von dem Klischee eines lockeren Studenten-Lebens. Offiziell ist Boui als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule angestellt. Zwischen 8 und 9 Uhr morgens kommt sie ins Büro und verlässt es erst um 18 Uhr wieder. „Mit 40 Stunden in der Woche komme ich oft nicht aus“, berichtet sie.

Ihr Büro teilt Boui sich mit Thorsten Wagner, der im Wasserstofflabor ebenfalls für seine Doktorarbeit forscht. Auch er hat bereits seinen Master an der Hochschule Rhein-Main absolviert. Allerdings am Wiesbadener Standort, im Fach Umweltmanagement und Stadtplanung in Ballungsräumen. In seiner Abschlussarbeit beschäftigte er sich mit einem Verfahren, bei dem per Wasserelektrolyse Brenngas hergestellt wird. Eine seiner Dozenten im Master: Birgit Scheppat, die Leiterin des Wasserstofflabors in Rüsselsheim.

So zog es auch Wagner in die Opel-Stadt, wo er nun am Projekt „H2-Bus Rhein-Main“ mitarbeitet, das 2019 elf mit Wasserstoff betriebene Busse auf die Straßen in der Region bringen will. Wagners Aufgabe besteht in einer Standortanalyse der Infrastruktur. Denn noch fehlt es an Stationen, an denen Fahrzeuge mit Wasserstoff-Antrieb aufgeladen werden können. „Da gibt es viel Bedarf“, weiß Wagner.

Auch er steht mit seiner Arbeit noch ganz am Anfang. Erst seit einem Monat forscht der Mainzer in Rüsselsheim. In seiner Heimatstadt absolvierte er einen Bachelorstudiengang in Geografie, ehe er an die Hochschule Rhein-Main wechselte. Im Vergleich zur Uni sei die Arbeit an der Hochschule deutlich praxisbezogener. „Ich kann so besser lernen“, erzählt Wagner.

Damit sie ihre Promotion abschließen können, benötigen sowohl er als auch Boui noch eine Partner-Uni. Zwar können, was bundesweit einmalig ist, in Hessen inzwischen auch Fachhochschulen das Promotionsrecht bekommen, der Fachbereich Ingenieurwissenschaften verfügt darüber allerdings noch nicht.

Dass Wagner und Boui eine geeignete Partner-Uni finden, dürfte aber reine Formsache sein. Wie ein Blick auf die Homepage des Fachbereichs verrät, haben Absolventen der Hochschule Promotionsplätze etwa an der Universität Freiburg oder der Universität Duisburg-Essen gefunden.

Über die Forschungsbedingungen in Rüsselsheim sind Boui und Wagner jedenfalls voll des Lobes. Das Wasserstofflabor in Rüsselsheim sei äußerst gut vernetzt und er mit dem Team „mega zufrieden“, lobt Wagner. Boui hebt die familiäre Atmosphäre an dem vergleichsweise kleinen Hochschulstandort hervor. „Die fachliche Betreuung durch die Professoren ist 1A“, betont sie.

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