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Zwei Freunde am Zapfhahn: Holzwurm hat neue Pächter

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Gerüchte, der Holzwurm würde schließen, gibt es schon seit einigen Jahren. So weit kommt es nicht, aber ein Pächterwechsel steht an. Zwei Königstädter übernehmen die kleine Kneipe.

Der Geruch von Zigarettenrauch, dunkel gestrichene Wände, eine Dartscheibe direkt neben der Tür, die mit dem Schild „Abort“ zu den Toiletten führt und die golden schimmernde Zapfanlage. Das sind die ersten Eindrücke, als Kai Trautwein die Eingangstür aufschließt.

Bis zur Eröffnung des Holzwurms an diesem Abend bleibt noch eine Stunde. Trautwein selbst ist Stammkunde und erinnert sich, als Gast habe er nie eine Bestellung aufgeben müssen. Man kannte ihn und servierte ihm daher unaufgefordert sein Lieblingsgetränk, einen Äppler. Ein gutes Gefühl.

Seit 1979 gibt es die kleine aber gemütliche Kneipe im Einkaufszentrum von Königstädten schon. Als Kerweborsch sei man der Tradition verpflichtet. „Und der Holzwurm ist Tradition“, erklärt Trautwein. „Sowas kann man nicht sehenden Auges untergehen lassen.“

Wie Batman und Robin

Zusammen mit Randolph Busetto wird er dafür sorgen, dass das „Kinsteerer Wohnzimmer“ auch weiterhin bestehen bleibt. Die beiden jungen Männer kennen sich schon von Geburt an. Ihre Mütter lagen nebeneinander im Krankenhaus, als die beiden zur Welt kamen. Kindergarten, Grundschule, Handball beim TV 1888 – die beiden 28-Jährigen verbindet viel. „Wir sind wie Batman und Robin. Nur dass wir beide Batman sind“, versucht Trautwein eine Erklärung dieser Freundschaft. Denn jeder der beiden ist auf seinem eigenen Gebiet gut. Vom Geschäftssinn her gebe es vielleicht unterschiedliche Vorstellungen. Aber man ergänze sich bestens. Randolph Busetto ist im Marketing tätig. „Ich versuche, das Administrative zu machen“, sagt Trautwein.

Klar ist beiden, dass der Holzwurm nur eine Nebenbeschäftigung ist. Seinen Lebensunterhalt verdient der Exkerweborsch im Qualitätsmanagement einer Logistikfirma. Am Holzwurm hängt aber sein Herz. „Leben kann man von so einer kleinen Kneipe aber nicht.“

Raum zu vermieten

Charme und Stil der Kneipe sollen auf jeden Fall beibehalten werden. Auch Guinness vom Fass wird es weiterhin geben. Die Essensangebote sollen ein wenig erweitert werden. So wird es bald auch Spundekäs’ mit Brezeln geben. Auch das große Angebot an Gesellschaftsspielen bleibt bestehen. Angedacht ist jedoch, verstärkt Veranstaltungen anzubieten. So etwa beim Vatertag, an dem der Holzwurm eine von mehreren Anlaufstationen in Königstädten werden soll. Auch soll es ein Angebot geben, den Raum für private Nutzungen mieten zu können. Dadurch ließen sich neue Zielgruppen außerhalb der regulären Öffnungszeiten ansprechen. Nachwuchstalente aus Comedy, Poetry Slam und Singer und Songwriter könnten den Pub als Auftrittsort nutzen. Und dann ist noch ein Afterworkangebot im Gespräch, mit Happy Hour ab 17 Uhr. Doch all diese Überlegungen müssen noch reifen, so die neuen Pächter.

Um 19 Uhr kommen die ersten Gäste. Trautwein kennt sie alle und begrüßt sie mit Handschlag und einem flotten Spruch. Neben den Kerweborsch gibt es Doppelkopfspieler. Und das „Team Sprittwoch“ schaut mittwochs vorbei. „Die haben auch ihren eigenen Aschenbecher.“

Am Personal wird sich durch den Besitzerwechsel nichts ändern. Das seien tolle Leute. Motiviert, flexibel und mit Lust auf die Gäste. Einige seien ein wenig wie ein Magnet. Denn manche Kunden schauen, wer bedient und entscheiden dann, auf ein Glas reinzukommen, weiß Trautwein. Sehr dankbar sind die beiden Neuen für die Unterstützung ihrer Vorgänger. Denn seit rund einem halben Jahr wird Trautwein in die „hohe Kunst der Pub-Bewirtschaftung“ eingeführt.

An den ersten Tagen dieses Jahres bleibt der Holzwurm geschlossen. Weiter geht es dann am kommenden Freitag, 5. Januar, von 19 Uhr an mit der Wiedereröffnung. Der Holzwurm ist montags bis samstags von 19 bis 2 Uhr geöffnet.

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