Ferienfreizeit

Zwei Wochen draußen ohne Strom und Wasser

Das Zeltlager der katholischen Gemeinde St. Georg wird vom gleichnamigen Verein veranstaltet. Es ist ein Zeltlager nur für Jungs. Es soll ihnen die Möglichkeit geben, in der Natur unter sich und auf sich selbst gestellt zu sein. In diesem Sommer jährt sich das Zeltlager zum 60. Mal.

„Welches Kind weiß heute noch, wie man mit einem Hammer umgeht?“, fragt Vincent Lutz mit Bedauern in der Stimme. „Oder wie man ein Stück Holz sägt? Viele Kinder und Jugendliche im Alter zwischen neun und 16 Jahren ziehen die digitale Unterhaltung, wie Smartphone oder Playstation, jeglicher Erfahrung in der Natur vor“, stellt Lutz fest. Das sei wohl einer der Gründe, weshalb das für die ersten beiden Ferienwochen geplante Zeltlager der katholischen Gemeinde St. Georg erst 25 Anmeldungen zu verzeichnen habe.

„Dabei können bis zu 60 Kinder im Alter zwischen neun und 16 Jahren mitfahren“, sagt Vincent Lutz. Und zwei Wochen lang ein tolles Abendteuer in der Natur erleben. „Wir bauen Dämme, einen mit Feuer betriebenen Ofen oder einen Waschsteg über den Bach neben der Wiese im Hunsrück, auf der wir in diesem Jahr zelten“, erzählt Lutz. Es sei ein Aufenthalt in der Natur, ohne Strom und fließend Wasser.

Lutz erläutert dann jedoch, dass das St. Georg-Zeltlager traditionell ein Zeltlager nur für Jungen ist. Früher habe der Grund dafür im katholischen Glauben gelegen. Heute habe dies rein rechtliche Gründe. So gebe es auch nur männliche Betreuer. „Das keine Mädchen dabei sind, ist aber auch gut für die Gruppendynamik.“ So gebe es weniger Konkurrenzkämpfe und die Jungs können einfach sie selbst, einfach mal „Mann sein.“ Zumal die hygienischen Einrichtungen für Mädchen in dem Alter ohnehin schwierig seien. „Wir haben zwar mittlerweile Dixi-Klos, aber wir waschen uns im Bach“, erzählt Vincent Lutz.

Lutz ist einer von insgesamt zehn ehrenamtlichen Zeltführern im Camp. Dazu kommen noch vier Personen, die das Lager leiten und weitere vier Betreuer, die nur für die Verpflegung der Jugendlichen zuständig sind. „Wir Betreuer können es kaum erwarten, dass unser besonderes Zeltlager, das in diesem Jahr sein 60. Jubiläum feiert, endlich losgeht. Umso enttäuschter sind wir, dass es bisher so wenige Anmeldungen gibt. Dabei sind wir für alle Konfessionen offen.“

Doch was macht das Camp neben der Tatsache, dass es bis auf ein Notfallhandy kaum moderne Kommunikationsmöglichkeiten gibt und die Teilnehmer zwei Wochen lang im Einklang mit der Natur leben, so besonders? „Unser Programm ist ungewöhnlich“, stellt Vincent Lutz fest. In den ersten drei Tagen bauten die Teilnehmer und Betreuer das Zeltlager gemeinsam auf. „Die Kinder lernen so schnell Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen“, erklärt Lutz, der selbst fünf Jahre lang als Teilnehmer dabei war. Es entwickele sich ein „Wir“-Gefühl, das auch das Ende des Camps überdauere. Zudem blühe bei den Jugendlichen bald eine Verbundenheit mit der Natur auf.

„Am vierten Tag packen wir ein paar Sachen zusammen und wandern durch den Wald zu einer Stadt, die wir uns vorher ausgesucht haben. Dort versuchen wir dann, in Gemeindehäusern oder bei Privatpersonen eine Unterkunft für die Nacht zu bekommen“, berichtet der Betreuer. Bisher habe das immer geklappt. Die Menschen seien überraschend hilfsbereit und spontan. Es gebe nach der Rückkehr ins Camp Spieletage und einen Besuchstag der Eltern und Geschwister am ersten Wochenende. „In der zweiten Woche wird unser Zeltlager eher zu einem normalen Ferienlager. Wir machen dann Schwimmbadbesuche und ein Abenteuerspiel im Gelände.“

Zu den wichtigsten Zielen des Zeltlagers zähle die Vermittlung grundlegender Werte wie Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Glaube, sagt Lutz. Die Jugendlichen entwickelten sich durch diese besondere Erfahrung persönlich weiter und hätten dabei eine richtig gute Zeit.

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