Prozess

Zweijährigen tot geschüttelt: Selbst Sanitäter waren schockiert

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Ein gebürtiger Rüsselsheimer soll den Sohn seiner Freundin zu Tode geschüttelt haben. Sanitäter berichten jetzt schockierende Details.

Es war ganz still im Zuhörerraum des Schwurgerichts in Darmstadt. Rettungsassistenten berichteten am Montag, wie sie einen bewusstlosen Bub (2) in der Wohnung seiner Mutter fanden. Ebenfalls anwesend: Ihr Liebhaber. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge muss der 33-Jährige sich seit Freitag verantworten.

Noch zweieinhalb Jahre später von ihren Gefühlen beim Eintreffen am Ort des furchtbaren Geschehens in Mörfelden überwältigt, berichtete die Besatzung von Rettungswagen Gerau 15 / 38, wie sie das leblose Kind auf der Couch im Wohnzimmer der jungen Frau vorfand. Tief bewusstlos, das Herz stand bereits still, der kleine Körper übersät von alten und neuen blauen Flecken, Gesicht und Kopf dick geschwollen. So lag der Bub zwei Tage nach seinem Geburtstag vor den Helfern. Sie begannen sofort mit der Wiederbelebung, schafften den kleinen Körper mit Höchstgeschwindigkeit in die Uni-Klinik Frankfurt.

Dort wurde Gewissheit, was die Sanis befürchtet hatten: Keine Überlebenschance. Das Leben des als fröhlich geschilderten Kindes war zu Ende, bevor es richtig begonnen hatte. Von der Familie des Vaters, mit dem die damals 19-jährige Mutter schon bei der Geburt nicht mehr zusammen war, hatte keiner etwas von dem Martyrium des Kindes bemerkt, sagten sie als Zeugen aus.

Die Mutter der jungen Frau hatte schon am Freitag eine unvorstellbare Befürchtung wiederholt, die sie schon bei der Rüsselsheimer Kripo zu Protokoll gegeben hatte: „Vielleicht war der Kleine der neuen Beziehung seiner Mutter im Wege.“ Die Ermittlungen der Polizei gegen die Mutter – schon bei der Einlieferung des Kindes in die Uniklinik war ein Verdacht gegen sie aufgekommen – verliefen im Sand.

Zwar wies der kleine Körper laut Anklage außer den blauen Flecken auch Biss-Spuren auf, doch wollte sich niemand aus dem näheren Umfeld des Angeklagten, einem gebürtigen Rüsselsheimer, dazu äußern. Die Mutter des Zweijährigen räumte allerdings Liebesspiele mit dem Angeklagten ein, bei denen es auch Bisse und Schläge gegeben habe. Doch am Kind habe man sich nicht vergriffen, sagte sie als Zeugin aus.

Auch ihre Cousine (27) will von blauen Flecken am Körper des Zweijährigen nichts bemerkt haben. Obwohl der kleine Junge mit ihren Kindern gespielt und sie ihn auch gelegentlich gewindelt habe, sei von ihr kein Hinweis auf Gewalt festgestellt worden. Der Kleine sei halt nur ein wenig tollpatschig gewesen und öfter mal gegen eine Tür oder so etwas gelaufen, berichtete sie.

Vom Richter mehrfach auf ihre Wahrheitspflicht hingewiesen, behauptete sie dennoch nachdrücklich, ihre Cousine habe ihren Sohn nie angeschrien. Dazu habe sie viel zu viel Angst um ihn gehabt. Obwohl sie nach dem Tod des Kindes zwei Wochen bei ihr gelebt habe, behauptete die 27-Jährige, habe man nie über den Tod des Kindes geredet. Heute sollen die Ärzte der Uniklinik als Sachverständige gehört werden.

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