Förderprojekt

Zweimal die Woche Familienersatz

Seit 2013 gibt es an der Eichgrundschule das Projekt „Gipfelstürmer“. Das Ziel ist es, damit auch benachteiligten Kindern die Möglichkeit zu geben, ihr ganzes Potenzial zu entwickeln.

Sara, Nicolly und Joana sitzen in einem Klassenraum in der Eichgrundschule gemeinsam mit ihren beiden Betreuerinnen, Annette Susenburger und Rita Marx an einem Tisch. Die drei Mädchen gehen in die dritte (Sara), vierte (Nicolly) und zweite Klasse (Joana). Gerade malen Sara und Joana an einem Bild. Nicolly hat vor wenigen Minuten ihre Hausaufgaben in Mathe beendet. Jetzt widmet sie sich einer Bastelarbeit. Alle drei werden seit der ersten Klasse im Projekt Gipfelstürmer gefördert. Vor fünf Jahren hat die Schule das Projekt ins Leben gerufen.

Ziel des Projekts sei es, erklärt Schulleiterin Cathrin Neeb, dass auch Kinder, denen die „operative Unterstützung in den Familien“, durch beispielsweise Sprachprobleme und Bildungsferne der Eltern oder anderer Problematiken fehle, ihr volles Potenzial entwickeln und ausschöpfen können. „Wir schauen dabei genau hin und sprechen uns eng im Lehrerkollegium ab“, sagt die Schulleiterin. „Wir wählen nur wenige Kinder aus, denn wir wollen die Gruppe des Projekts möglichst klein halten“.

Die Kriterien dabei seien das allgemeine Arbeitsverhalten, die grundlegende Biografie und eher am Rande die Noten.

Aktuell erhalten vier Kinder in Gipfelstürmer eine besondere Förderung. Dabei gehe es nicht so sehr nur um die schulischen Leistungen, sondern vor allem auch um die Stärkung des Selbstbewusstseins, der sozialen Kompetenzen und um Zuwendung.

„Wir sind in den zwei Mal zwei Stunden pro Woche, in denen die Kinder am Projekt teilnehmen, so etwas wie ein Familienersatz“, berichtet Rita Marx. „Wir essen gemeinsam zu Mittag, feiern Geburtstag, machen kleinere Ausflüge, spielen, sprechen und geben den Kindern vor allem auf allen Ebenen Zuwendung“.

„Gipfelstürmer macht einfach Spaß“, sagt Nicolly und strahlt. „Ich bin seit vier Jahren dabei und werde es sehr vermissen, wenn ich nach den Sommerferien in die weiterführende Schule gehe“, meint die Schülerin. Ein besonderer Höhepunkt bei Gipfelstürmer seien immer die Besuche beim Eissalon gewesen. „Wir sind durch den Park spaziert und dann durfte ich mein Lieblingseis – Erdbeere – essen. Das war so toll“. Sara und Joana erzählen, dass sie bei Gipfelstürmer vor allem gerne basteln, spielen und malen. Beide Mädchen sind sich einig: „Wir gehen hier total gerne hin“.

Am Dienstagnachmittag bekommen die Kinder Besuch von zwei Mitgliedern des Rotary Clubs Groß-Gerau/Rhein-Main. Jürgen Eberlein und Thomas Singhoff haben eine Spende von 800 Euro im Gepäck, mit der sie das Projekt finanziell unterstützen möchten. „Es ist ein großes Problem, dass das deutsche Bildungssystem zu sehr auf die Herkunft der Schüler konzentriert ist und es so oft nicht zulässt, dass Kinder aus bildungsferneren Familien den akademischen Aufstieg schaffen. Aber hier setzt Gipfelstürmer an. Das Projekt hilft Kindern dabei, dieses starre System zu durchbrechen und doch an die Spitze zu gelangen. Aus diesem Grund unterstützen wir es“, erklärt Jürgen Eberlein.

„Wir freuen uns natürlich sehr über die Zuwendung des Rotary Clubs“, betont Schulleiterin Cathrin Neeb. Das Geld soll für den Ausbau des Projekts über die Schulzeit hinaus, bis in die Ferien hinein verwendet werden, so Neeb. Denkbar seien gemeinsame Ausflüge in den Zoo oder in ein Museum.

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