Mario und Maria Totikidis wünschen sich mehr Gäste für ihr Restaurant "Onkel Wayne". FOTO: Rüdiger Koslowski
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Mario und Maria Totikidis wünschen sich mehr Gäste für ihr Restaurant "Onkel Wayne".

Gastronomie

Zwischen Hoffen und Bangen

Corona-Krise setzt neuem Restaurant "Onkel Wayne" stark zu

Königstädten -Maria Totikidis schwankt ein wenig zwischen Hoffen und Bangen, wenn sie ihre Geschichte erzählt. Sie betreibt mit ihren beiden Söhnen, den Zwillingsbrüdern Mario und Aris, sowie ihrem Mann Anastasios das noch relativ neue Restaurant "Onkel Wayne" im Einkaufszentrum in Königstädten. Die Familie gehört zu den Unglücklichen, die noch vor März des vergangenen Jahres eine Gaststätte angemietet haben - unwissend, dass von da an die Corona-Pandemie das Leben der Menschen beherrschen wird.

Die Familie konnte also erst Mitte Mai 2021 mit ihrem Restaurant "Onkel Wayne", der mediterranen Grill-Küche, durchstarten. Hinter dem Namen verbirgt sich übrigens eine nette Geschichte. Sohn Mario war am Flughafen bei einem Paketdienst beschäftigt. Dort arbeitete er mit einem 74-jährigen Mann namens "Wayne" zusammen. Der Kollege legte Mario jeden Tag ans Herz, er solle doch seinen Traum von einem eigenen Restaurant wahr werden lassen. Mario fand den Zuspruch so rührend, dass er versprach, sein Restaurant nach dem ehemaligen Arbeitskollegen zu benennen.

Die 24-jährigen Zwillinge hatten in Griechenland an einer Privatschule das Handwerk des Kochs gelernt, erzählt Mario. Er habe bereits zuvor leidenschaftlich gerne am Herd gestanden. Die gesamte Familie war wegen der Ausbildung für dreieinhalb Jahre von ihrer damaligen Heimatstadt Neuss bei Düsseldorf nach Griechenland gezogen, erzählt Mama Totikidis, die in der rheinländischen Großstadt als Tochter griechischer Eltern geboren worden war.

Schwager rät zum Umzug

Nach der Ausbildung kehrte die Familie nach Neuss zurück, fand allerdings keine Arbeit mehr. Ein Schwager aus Ginsheim riet Maria Totikidis, nach Rüsselsheim zu ziehen, was die Eltern und ihre Söhne 2015 auch taten. Dort hielt sich die Familie mit verschiedenen Tätigkeiten über Wasser. Während dieser Zeit reifte der Entschluss, für die beiden Söhne ein Lokal zu eröffnen. Schließlich sind sie ausgebildete Köche. Das Lokal sollte als Familienbetrieb geführt werden.

Bei der Recherche im Internet stieß die Familie auf das leerstehende Restaurant im Einkaufzentrum Königstädten. "Das war das einzige Objekt, das uns gefallen hat", sagt Totikidis. Dass das Einkaufszentrum aber nicht gerade ein Publikumsmagnet ist, hätten sie nicht gewusst. Nach dem ersten Lockdown sei das Restaurant mit vorwiegend mediterraner, im Schwerpunkt griechischer Küche nicht so gut gelaufen wie erhofft. Aber die Familie habe sich über Wasser halten können, zumal der Familienvater noch eine Arbeitsstelle am Flughafen hat.

Um ein Restaurant erfolgreich zu etablieren, braucht es einige Zeit. Die Betreiber sind außerdem auf Mundpropaganda zufriedener Kunden angewiesen. "Deshalb war der zweite Lockdown ein Schock", hält Totikidis mit ihren Emotionen nicht hinter dem Berg. "Ich bin traurig. Wir konnten ja nicht wissen, dass Corona kommt", sagt sie. Der Wirt der Königstädter Pizzeria Napoli habe ihnen empfohlen, mit einem Online-Bestellservice zu kooperieren. Das habe sehr geholfen und sei Werbung für das neue Restaurant gewesen. Zudem hätten zumindest die Unkosten für das Restaurant gedeckt werden können. Für den Lebensunterhalt habe das Liefer- und Abholgeschäft allerdings nicht gereicht.

Keine finanzielle Unterstützung

Die Unterstützung des Bundes für die Monate Dezember, Januar und Februar habe die Familie nicht erhalten. Der Grund: Sie habe die Frist von mindestens einem Jahr Öffnung unterschritten. Es könnte zumindest ein Anteil ausgezahlt werden, ist Maria Totikidis über die fehlende Finanzhilfe enttäuscht.

Jetzt hofft die Familie auf Gäste. Der Außenbereich sei zumindest am Wochenende gut besucht. Aber mittwochnachmittags beispielsweise, wenn die Geschäfte im Einkaufzentrum geschlossen sind, herrsche dort tote Hose.

Jetzt war zu allem Unglück auch das Wetter noch schlecht. Zwar sind die Tische überdacht, aber wer verlässt schon bei Regen das Haus, um im Freien zu speisen? Und wer möchte schon einen Schnelltest ablegen, um in der Gaststube zu essen, fragt Totikidis. Obwohl sich direkt gegenüber das Testzentrum befindet. Mario Totikidis jedenfalls will jetzt endlich richtig loslegen und "Onkel Wayne" alle Ehre machen.

Rüdiger Koslowski

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