Kräuterhaus

Zwischen Ölen und Gewürzen

Silke Becker hat lange gebraucht, um ihren Traum zu verwirklichen. Heute führt sie das Kräuterhaus „Wilde Wiese“ und weiß, wie sich die berufliche Erfüllung finden lässt.

Wer das älteste Haus Treburs betritt, dem schlägt sofort ein ganz besonderer Geruch entgegen. Ein bisschen nach ätherischem Öl wie bei einem Aufguss in der Sauna, etwas wie im Teehaus, ein wenig wie auf einer Blumenwiese im Sommer – kurz: nach Kräutern aller Art. Genau das findet man bei Silke Becker in ihrem Kräuterhaus „Wilde Wiese“.

An den Wänden stehen Schränke vom Sperrmüll Schulter an Schulter mit neuen Regalen, darauf sind bis knapp unter die niedrige Decke die verschiedensten Köstlichkeiten einsortiert worden. Mit viel Liebe, das sieht man. Handbeschriftete Schilder weisen auf selbst gemachte Liköre, in Norddeutschland gefertigte Öle, außergewöhnliche Seifen oder eigenhändig gesammelte Teemischungen hin – natürlich in Bio-Qualität.

Becker steht hinter dem Tresen und berät ihre Kunden. Fast alles, was man bei ihr kaufen kann, hat sie selbst probiert. Auch Bio-Kosmetik und Emaille bietet sie an. Ihr Credo als Einkäuferin: Was ihr gefällt und schmeckt, zeigt sie auch ihren Kunden. Dass sie jemals in Trebur ein Geschäft eröffnen würde, hätte sie nicht gedacht. Jetzt ist sie schon seit fast fünf Jahren in der Nauheimer Straße ansässig.

„1986 habe ich bei Opel angefangen, da war ich 16 Jahre alt“, erzählt die 49-Jährige. Im Sektor Controlling habe sie gearbeitet. „Ein eigener Laden, das war schon immer ein Gedanke. Aber in dem Alter weiß man ja gar nicht, was man genau will.“ Ihr tolles Team beim Autobauer war der Grund dafür, dass sie 26 Jahre lang blieb. Trotzdem habe ihr etwas gefehlt.

„Immer öfter habe ich gedacht: Ich halte das nicht aus, das erfüllt mich einfach nicht!“ 2012 absolviert sie an der Akademie Gesundes Leben im Taunus nebenberuflich eine Ausbildung zur Gesundheitsberaterin. Ein Jahr später kündigt sie bei Opel und eröffnet noch im selben Sommer das Kräuterhaus „Wilde Wiese“. In Freiburg lässt sich sie anschließend von der Heilpflanzen-Expertin Ursel Bühring in Phytotherapie ausbilden. Dann weiß sie: „Ich habe mein Thema gefunden.“

Natürlich sei das ein Risiko gewesen: Raus aus dem sicheren Job beim namhaften Arbeitgeber und rein in die unsichere Zukunft der Selbstständigkeit. „Aber die Leute kamen“, erzählt die gebürtige Hochheimerin. Am Anfang seien das vor allem Frauen gewesen, mittlerweile kommen auch die Männer. Selbst an den von ihr angebotenen Kosmetik-Workshops nehmen öfter Männer teil.

Das Zusatzangebot, bestehend aus Workshops und Kräuterwanderungen, sei einfach so entstanden. Eine Kundin hätte angefragt, ob Becker nicht auf einem Kindergeburtstag mit den kleinen Gästen Kosmetik selbst herstellen wollte. Die Idee sei fantastisch angekommen. Private Veranstaltungen macht sie nach wie vor, ansonsten stehen allen Interessierten viele Veranstaltungen offen.

Silke Becker steckt viel Liebe in das, was sie tut, und steht hinter ihren Produkten. Sie ist Idealistin: „Ich achte darauf, was ich einkaufe. Es muss zur Philosophie passen“, erklärt sie. Ökologisches Denken ist dabei essenziell. „Ich war schon immer eine Öko-Tante“, gibt sie lachend zu. Mit ihren Angeboten will sie das Thema Nachhaltigkeit in den Köpfen der Menschen präsenter machen.

Konkrete Pläne oder Wünsche für die Zukunft hat sie nicht. „Es kommt, wenn’s dran ist“, meint Becker und zuckt mit den Achseln. Die Erfahrung auf dem Weg in die Selbstständigkeit hat ihr gezeigt, dass auch Selbstvertrauen und Gelassenheit eine große Rolle spielen. „Wenn ich eines gelernt habe, dann das: Alles, was gut ist, geht einfach“, sagt sie. „Und wenn es nicht klappt, ist es vielleicht auch nicht richtig.“

Dass es bei ihr so gut gelaufen ist, betrachtet sie nach wie vor als ein Geschenk. Sogar nach einem Urlaub freue sie sich, wieder im Laden stehen zu dürfen. Das Schönste überhaupt sei, morgens gerne arbeiten zu gehen. Und um das zu erreichen, da ist sich Silke Becker sicher, muss man nur in sich hineinhören: „Such dir was aus, woran dein Herz hängt“, rät sie und lächelt. Ein Rat, mit dem sie ihr Glück gefunden hat.

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