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Schaf „Hannibal“ ist in Rüsselsheim eine kleine Berühmtheit. 

Stadtteil Königstädten

Schaf verursachte Chaos an Tankstelle:  Happy End für „Hannibal“

Ein entlaufenes Schaf mischt an Silvester eine Tankstelle in Rüsselsheim auf. Jetzt gibt es ein Happy End für Bock „Hannibal“. Oder doch nicht?

  • Entlaufenes Schaf verursacht Chaos an Tankstelle in Rüsselsheim
  • Wo Schaf „Hannibal“ herkommt? Ein Mysterium! 
  • Neues Zuhause: „Hannibal kommt mit Menschen besser klar als mit Schafen“

Rüsselsheim – Großes Drama gab es Anfang dieses Jahres um einen ganz besonderen Besucher der Tankstelle Rüsselsheim-Königstädten: Ein Schaf hatte sich am Silvestertag dorthin verirrt. Voller Angst nahm ein gerade tankender Mann Reißaus und flüchtete sich in den Verkaufsraum. Unbeeindruckt inspizierte das Schaf, Codename Hannibal, die Tankstelle, gesellte sich kurz zu einem anderen Besucher, nur um dann selbst Reißaus zu nehmen. Später wurde das Schaf von einem Schäfer eingefangen und in einem Lagerraum der Tankstelle in Sicherheit gebracht. Zwischen den Bierkisten ließ das alles andere als ängstliche Tier es sich gut gehen, bis es ins Rüsselsheimer Tierheim kam. 

Zwei Monate sind seitdem vergangen – was ist aus dem neugierigen Schaf geworden? „Es freut mich sehr, dass Hannibal ein neues Zuhause gefunden hat“, sagt Claudia Kemmler vom Rüsselsheimer Tierheim. Dort kam das Schaf für einige Zeit unter und bekam den Namen „Hannibal“ verpasst. Leider blieb die Suche nach seinem Besitzer erfolglos. Noch heute bleibt Hannibals Herkunft ein Mysterium.

Rüsselsheim: Entlaufenes Schaf „Hannibal“ kommt mit Meschen besser klar

Doch nun gibt es einen Lichtblick. „Hannibal ist jetzt in der Tierauffangstation „Tierart“ Maßweiler“, berichtet Kemmler fröhlich. Neben Schafen und Ziegen gibt es dort auch Tiger, Waschbären, Wildkatzen und viele andere Wildtiere. Während diese in großen Gehegen untergebracht sind, können sich die Schafe auf dem rund 40 Hektar großen Gelände frei bewegen. Alle Tiere stammen aus schwierigen Verhältnissen, wurden ausgesetzt oder misshandelt. In Maßweiler können sie entspannt ihren Lebensabend verbringen.

Der Revierleiter für die Schafe und Ziegen, Tim Zeller, durfte Hannibal aus Rüsselsheim im „Tierart“ begrüßen. „Was mich von Anfang an überrascht hat ist, wie zutraulich Hannibal ist“, sagt er. „In unserer Herde haben wir 40 Schafe unterschiedlichster Rassen und drei Ziegen. Aus dieser bunten Truppe lassen sich vielleicht drei streicheln – Tiere, die schon sehr lange bei uns sind und das notwendige Vertrauen zu dem Pflegern haben.“ Bei Hannibal sei das von Anfang an anders gewesen: „Er kam aus der Transportbox raus, blökte und ging schnurstracks auf mich zu, um gestreichelt zu werden. Als wäre das eine Selbstverständlichkeit“, erinnert sich Zeller. „Da war ich erstmal total überrascht. So ein zutrauliches Schaf habe ich bisher bei uns noch nicht erlebt.“

Für ihn steht fest: „Hannibal kommt mit Menschen besser klar als mit Schafen.“ So sei auch sein erster Umgang mit der Herde eher vorsichtig gewesen. „Er hat einmal geschaut und geblökt, dann hat er sich versteckt. Als habe er noch nie zuvor ein anderes Schaf gesehen.“

Rüsselsheim: Ist Schaf „Hannibal“ eine Handaufzucht?

Zeller vermutet, dass Hannibal aus Rüsselsheim eine Handaufzucht ist und daher seine starke Bindung zum Menschen kommt. „Da hat sich jemand ein Schaf aus dem Internet geholt und es ausgesetzt, als es zu groß wurde“, konkretisiert der Revierleiter seine Vermutung.

Nun muss sich das Schaf mit dem markanten Namen erst einmal umgewöhnen, denn plötzlich sind Artgenossen da. Doch bis Hannibal mit den anderen Schafen über das Areal der Schutzstation streifen und fröhlich Gräser futtern kann, müssen noch drei Wochen vergehen.

Rüsselsheim: Schaf „Hannibal“ muss warten, bis er zur Herde darf

„Ihn einfach so in die Herde zu lassen wäre unverantwortlich“, sagt Zeller. Denn als Männchen könnte sich Hannibal schnell daran machen, die Weibchen der Herde zu decken. Die Folge: „Am Ende hätten wir 100 Schafe“, lacht der Revierleiter. Und eine Zuchtstation, das ist die „Tierart“ Maßweiler nicht. Daher wurde der Schafsbock vor drei Wochen kastriert. 

„Bei Schafen ist es allerdings so, dass die Männchen bis zu sechs Wochen danach noch genug Samen haben, um Weibchen zu schwängern“, erklärt Zeller die Tatsache, dass der Rüsselsheimer Hannibal erstmal alleine bleiben muss. „Drei Wochen hat er jetzt noch vor sich, bis er zur Herde darf. Aber ich glaube, die wird er einfach überstehen. Und danach wird er sich hier sehr wohlfühlen.“

Von Alexander Seipp

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