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Klassenraum-Problem: Die Container an der Immanuel-Kant-Schule, hier von der Straße aus fotografiert, lösen bei der Schulgemeinde nur Kopfschütteln aus. Es regnet rein und stinkt übel.

Immanuel-Kant-Schule

Unzumutbare Zustände im Klassenzimmer: „Stinkt wie ein verwestes Tier“

Schüler der Immanuel-Kant-Schule in Rüsselsheim werden in Containern unterrichtet, wo es reinregnet und übel stinkt. Eine Klasse zieht Konsequenzen und kriegt nun Unterstützung.

  • Klassenraum-Problem: Schüler werden in Containern unterrichtet
  • Es regnet rein und stinkt wie ein „verwestes Tier“
  • Eine Stadtinitiative soll helfen

Rüsselsheim - "Room for great days" steht über der Tür der Container an der Immanuel-Kant-Schule (IKS) in Rüsselsheim. Auf Deutsch übersetzt heißt das in etwa: "Raum für schöne Tage". Angesichts der Zustände in den Containern liest sich der Schriftzug fast wie ein schlechter Scherz. Ein modriger Geruch liegt in der Luft, wenn man die Tür zu einem der vier Klassenräume öffnet. Es ist ein niedriger Raum, Stühle stehen dicht und vom Fenster her findet nur sehr wenig Licht den Weg in das Klassenzimmer - dafür jedoch immer häufiger ein anderer ungebetener Gast: Wasser.

Schule in Rüsselsheim - Gestank im Klassenzimmer

Besonders morgens nach einem Regen fällt es auf. Auf dem Boden sind Pfützen und auch auf den Tischen steht die Nässe. "Wir haben mal am Ende des Unterrichts einen Mülleimer daruntergestellt, am nächsten Morgen war er voll", berichtet ein Schüler über die Zustände. Gleich an mehreren Stellen würde es von der Decke tropfen, sodass die Klasse Blumentöpfe benutzen musste, um das Wasser aufzufangen. Es stinke wie ein "verwestes Tier", sagt ein anderer Schüler, passend zu den Ratten, die er bereits schon mehrmals im Flur der Container gesehen haben will.

Rüsselsheim: Es regnet ins Container-Klassenzimmer

Insgesamt scheinen sich die Container in Rüsselsheim in einem miserablen Zustand zu befinden. Die Stellen, an denen das Wasser von der Decke läuft, die kennen die Schüler mittlerweile fast auswendig.

Unübersehbar sind die sich an der Decke abzeichnenden Wasserschäden und auch die Heizkörper scheinen alles andere als zuverlässig zu sein. Zieht man den Stecker aus der Dose, sind deutliche Schmauchspuren zu sehen, an einem der Heizkörper befindet sich Ruß. Dies sei normal, sagen die Schüler. Zeitweise musste die Heizung sogar wegen Brandgefahr abgeschaltet werden. Im Sommer sei die Situation noch unerträglicher denn Kühlung gibt es in den Räumen nicht. Im letzten Jahr sei es bis zu 39 Grad heiß geworden.

Unzumutbarer Klassenraum für Rüsselsheimer Schüler

"Das kann man den Schülern nicht zumuten", sagt Horst Stratmann, Schulelternbeiratsvorsitzender an der IKS. Bereits seit Monaten beschäftigt er sich mit den Containern, sie sind ihm nicht zuletzt auch deswegen ein Dorn im Auge, da auch sein Sohn dort Unterricht hatte. "Das hier ist eine einzige Katastrophe", sagt er. Die Schüler hätten hier nur eine Wahl: Entweder den modrigen Gestank der Container aushalten oder das Fenster öffnen und den Straßenlärm des Evreuxrings hineinlassen. Förderlich für Konzentration im Unterricht sei keines von beiden. Die Stadt betont indes, dass Luftmessungen keine Gesundheitsgefahr ergeben hätten.

Rüsselsheim: Modriger Geruch im Klassenraum

Mittlerweile wurde es einer Klasse in Rüsselsheim zu viel: Sie wechselte vom Container in einen Kellerraum. "Der ist eigentlich eine Notreserve, aber in diesem Fall schien das passend", sagt der stellvertretende Schulleiter der IKS, Stefan Hammes. Tageslicht gibt es dort nicht und Heizungsrohre nehmen viel Platz ein, doch besser als die Container sei der Raum allemal, sagt ein betroffener Schüler. In den Containern tut sich indes nichts. Eine Begehung mit Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne) Ende vergangenen Jahres verlief im Sande, der modrige Geruch war verschwunden. "Sicherlich passiert so was, wenn man dort zwei Tage vorher Luftreiniger aufstellt", sagt Stratmann ärgerlich.

Klassenraum-Problem in Rüsselsheim - Unterricht darf nicht ausfallen

Er fordert eine baldige Verbesserung der Situation. Denn für ihn steht fest: Unter den Umständen könne niemand dort arbeiten, geschweige denn sich wohlfühlen.

Das sieht auch der stellvertretende Schulleiter so. "Uns als Schule sind da allerdings die Hände gebunden", sagt Hammes. "Sicherlich sind die Räume alles andere als optimal und die Verhältnisse dort kaum hinnehmbar, doch was sollen wir machen?", fragt er. "Den Unterricht können wir nicht ausfallen lassen, schließlich gibt es ein Grundrecht auf Schule." Und es sieht nicht so aus, als würde das Raumproblem an der IKS in Zukunft weniger werden. Im Gegenteil: Ab dem kommenden Schuljahr rechnet die Schule mit 80 zusätzlichen Schülern. Und wohin die sollen, das steht derzeit noch in den Sternen.

Letztlich muss die Initiative also von der Stadt Rüsselsheim ausgehen. Von dort aus wurde den Schülern und Eltern "kurzfristige" Abhilfe zugesagt. So sollen etwa die bisherigen Heizungen durch eine Zentralheizung ersetzt werden. Auch eine Überdachung der Container wurde in Aussicht gestellt. Bei der Stadt gibt man sich optimistisch: Bis zu den Oster- oder Sommerferien sei das zu schaffen.

Von Alexander Seipp

In den nächsten fünf Jahren werden 18 Klassen benötigt. Bürgermeister Dennis Grieser will bis zum Ende des Jahres den Entwurf des Schulentwicklungsplans vorlegen.

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