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Ein bisschen Geborgenheit: Wer als Pflegefamilie fungiert, bekommt viel zurück.

Pflegemütter erzählen

Wie es ist einem Pflegekind Geborgenheit und eine Familie zu geben

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Wenn ein Kind nicht bei den leiblichen Eltern bleiben kann, kommen Pflegefamilien ins Spiel. Drei Pflegemütter erzählen anonym, wie bereichernd es sein kann, einem bedürftigen Kind Geborgenheit zu geben.

Ruhe. Zufriedenheit. Glück. Das strahlen Rebecca K., Kathrin L. und Anna T. (Namen von der Redaktion geändert) aus, wenn sie über ihre Kinder sprechen. Eine ganz normale elterliche Szene. Dass es sich bei der Tochter der einen und dem Sohn des anderen um Pflegekinder handelt, ist für einen Außenstehenden nicht erkennbar – und für die drei Frauen macht es auf emotionaler Ebene keinen Unterschied.

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Rebecca K. ist seit achteinhalb Jahren Mutter einer Pflegetochter. Sie kam mit drei Jahren zu ihr und ihrem Mann. „Es war eine bewusste Entscheidung“, erzählt sie. „Wir haben Fachliteratur gelesen, Kurse besucht und wir kannten auch schon Pflegefamilien im Freundeskreis.“ Seitdem das Mädchen bei der Familie K. lebt, besteht Kontakt zur leiblichen Mutter. „Das ist wichtig für die Identitätsentwicklung, sie fühlt sich von ihrer leiblichen Mutter geliebt“, sagt K.

Auch Kathrin L. kennt den Alltag in der Pflegefamilie seit acht Jahren. „Mein Mann und ich haben uns dazu entschieden, Bereitschaftspflege zu machen“, sagt sie. „Wir geben Kindern für einen bestimmten Zeitraum Familienwärme, damit sie gestärkt in ihren nächsten Lebensabschnitt gehen können.“ Im Notfall kommen die Kinder auch nachts, wie lange sie bleiben, hängt von der Situation ab.

Familie L. hat bereits drei eigene erwachsene Kinder, als sie eines der Mädchen aus der Bereitschaftspflege ins Herz schließen und sie in Vollzeitpflege nehmen. Später kommt noch ein weiterer Junge dazu. „Sie bereichern unsere Familie. Wir sind erst jetzt komplett“, sagt L. und lächelt. Bei Anna T. und ihrem Mann habe der „pure Kinderwunsch“ von Anfang an bestanden. „Wir wollten eine intakte Familie“, sagt sie. Nachdem sie ihren heute 17-jährigen Sohn adoptieren konnten, kam drei Jahre später ein Pflegekind dazu. Für beide haben sie im Laufe der Zeit die Vormundschaft übernommen.

Man ist nicht alleine

Dass das Leben als Pflegefamilie dann doch nicht immer so normal ist, ergibt sich meist aus den Umständen. Besuchskontakte mit den leiblichen Eltern, Hilfeplangespräche mit dem Jugendamt und manchmal auch Konflikte gehören dazu.

„Durch den Pflegekinderdienst waren wir über all die Jahre gut begleitet. Wir können jederzeit anrufen“, erzählt Kathrin L. „Man steht nie alleine da“, weiß auch Anna T. Ihr haben vor allem die von den Sozialarbeiterinnen begleiteten Besuchskontakte geholfen.

Dass Besuche auch ohne Begleitung funktionieren, weiß Rebecca K. „Wir treffen uns mit der leiblichen Mutter auf neutralem Boden, gehen ins Kino oder Schlittschuhlaufen“, erzählt sie.

Dass die „Wurzeln“ der Kinder, wie Elvira Depireux vom Pflegekinderdienst die leibliche Familie nennt, weiterhin gepflegt werden, sei essenziell. „Die Kinder haben das Recht, zu wissen, wo sie herkommen und wie es den Eltern geht – und umgekehrt dürfen auch die Eltern immer anrufen und nach dem Wohlbefinden der Kinder fragen.“

Dass die soziale Herkunft der Kinder ihr Leben lang eine Rolle spielen wird, weiß auch Christopher Auffermann vom Fachbereich Soziale Dienste. „Alle Beteiligten müssen wissen, dass das immer ein Thema sein wird“, sagt er. Dem ursprünglichen familiären Hintergrund offen und tolerant gegenüber zu begegnen, sei dementsprechend wichtig. „Man muss nicht alles gutheißen, aber wir respektieren die Eltern“, sagt Kathrin L. Die Angst der Bewerber vor den leiblichen Eltern sei oft groß, aber gar nicht nötig, erklärt Depireux. Umgekehrt sei es für die leibliche Familie oft eine Erleichterung, zu sehen, dass es dem Kind gut geht. „Unsere Gespräche waren manchmal schwierig, aber einmal hat mich die Mutter unseres Kindes in den Arm genommen und gesagt, dass es schön ist, dass das Kind bei uns ist“, sagt Anna T.

Allen drei Pflegemüttern gemein ist, dass sie mit Leib und Seele bei der Sache sind. „Es ist toll, zu sehen, wie ein Kind aufblüht“, sagt Kathrin L. glücklich. „Und das merken dann auch Außenstehende.“

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