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Illegale Pyrotechnik

Interview

Silvester ist Hochsaison für Verletzungen: So leitet sich der Leiter einer Notaufnahme auf die Ausnahmenacht vor

Alle Jahre wieder: In der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar wird gefeiert. Doch für nicht wenige endet die Silvesternacht mit Verletzungen, wenn beispielsweise der Böller bereits in der Hand explodiert oder die Rakete in der Menschengruppe statt am Himmel ihre Pracht entfaltet. Unser Mitarbeiter Ralph Keim sprach mit Stefan Münch, Leiter der GPR-Notaufnahme, wie sich die Klinik auf die jährliche Ausnahmenacht vorbereitet.

Herr Münch, wie reagiert das GPR personell auf Silvester?

STEFAN MÜNCH: Es sind vier Pflegekräfte zur Versorgung der Patienten im Dienst, außerdem zwei Internisten, ein Unfallchirurg, ein Allgemeinchirurg und ein Urologe. Im sogenannten Hintergrunddienst sind zudem die Oberärzte der einzelnen Fachabteilungen präsent. Eine explizite Aufstockung des Personals in der Notaufnahme ist für die Silvesternacht aber nicht erforderlich.

Wie viele Verletzte werden erfahrungsgemäß in der Silvesternacht in die GPR-Notaufnahme kommen?

MÜNCH: Das Patientenaufkommen ist von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich. Es schwankt zwischen zehn und 20 Patienten nach Mitternacht. Wir hatten auch schon Silvesternächte mit mehr als 30 Patienten.

Sind auch Kinder darunter?

MÜNCH: Zu den Patienten der Silvesternacht gehören auch Kinder mit Verletzungen, allerdings nicht auffällig vermehrt. Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftungen werden in unserem Hause durch die Kinderklinik betreut.

Tropf an Krankenhausbett

Wann „trudeln“ die ersten Notfälle eigentlich ein?

MÜNCH: In der Regel ist es bis Mitternacht in der Notaufnahme relativ ruhig. Ab etwa 0.30 Uhr nimmt die Anzahl der Patienten dann deutlich zu, gegen Morgen flaut es etwas ab. Am 1. Januar gegen Mittag geht es wieder vermehrt los, wenn die Leute ihren Rausch ausgeschlafen haben und dann feststellen, dass sie sich verletzt haben. Der Patientenansturm am 1. Januar hält dann für den Rest des Tages bis in den späten Abend an.

Welcher Art sind in der Regel die Verletzungen?

MÜNCH: Wir haben Brandwunden, Explosionsverletzungen, Schürf- und Schnittwunden, Prellungen, Knochenbrüche und Alkoholvergiftungen.

Bis zu welcher Grenze kann beziehungsweise soll man Verletzungen selbst versorgen?

MÜNCH: So wie sonst im Alltag auch. Kleine Wunden können selbst desinfiziert und verbunden werden. Prellungen bedürfen nicht der sofortigen ärztlichen Versorgung. Betrunkene, die sich orientieren können, die in der Lage sind noch zu stehen und gehfähig sind, bedürfen in aller Regel keiner Krankenhausbehandlung.

Welchen Anteil haben in die Alkoholleichen beziehungsweise Komasäufer?

MÜNCH: Auch das schwankt von Jahr zu Jahr. Der Anteil reicht von einem Drittel bis hin zu 80 Prozent der Fälle.

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