Projekt „STARK“ wird eingestellt

Sorge um „unsichtbare Kinder“

  • schließen

Das Projekt „STARK“ wird wie geplant Ende August eingestellt. Es fehlt das Geld, es weiter zu betreiben.

Bettina Schubert, Sozialpädagogin in den Diensten der Stadt Rodgau, kann und will es nicht verstehen: Das Projekt „STARK“ soll sang- und klanglos eingestellt werden. Im September 2012 startete das Projekt , das vom freien Träger der Jugendhilfe Aktionsgemeinschaft Soziale Arbeit (AGS) in Dietzenbach in Kooperation mit der „Aktion Mensch“ initiiert worden war. Es ist ein Beratungs- und Unterstützungsangebot für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren, deren Eltern suchtkrank sind oder bei denen eine Alkohol- oder Drogenabhängigkeit vorlag.

Das bis zum 31. August angelegte Projekt „STARK“ hatte sich insbesondere darauf fokussiert, „unsichtbare Kinder“ in den gesellschaftlichen Fokus zu rücken. Geleitet wurde es von der sehr engagierten und kompetenten Sozialpädagogin Anja Lindner. „So wie Anja Lindner auf die Menschen zugegangen ist, so schnell und unbürokratisch wie sie reagiert, so etwas habe ich selten erlebt – und so wünsche ich es mir weiterhin, zum Wohle der betroffen Kinder“, betonte Bettina Schubert. Anja Lindner verstand es recht schnell, Vertrauen aufzubauen sowie die Akzeptanz der Kinder und Jugendlichen als „gute Tante“ zu erlangen.

„Die gängigen Unterstützungsangebote haben allerdings noch immer allein die Suchterkrankten im Blick und lassen die Kinder meist völlig außer Acht. „Dabei sind gerade Mädchen und Jungen in Suchtfamilien besonders gefährdet, da laut Statistik fast zwei Drittel der Kinder von Drogensüchtigen im Laufe ihres Lebens selbst Opfer einer Suchterkrankung werden oder an erheblichen psychischen Störungen leiden“, erklärte Anja Lindner. Kinder in Suchtfamilien werden daher auch oft die „unsichtbaren Kinder“ genannt.

Rund 2,74 Millionen Kinder und Jugendliche leben in Deutschland mit mindestens einem suchtkranken Elternteil zusammen. „Die Eltern von etwa 40 000 dieser Kinder sind von harten Drogen wie Heroin oder Speed abhängig“, machte der Sozialdezernent des Kreises Offenbach, Carsten Müller (SPD), deutlich. „Deshalb haben wir als Sozialbehörde in unserer alltäglichen Beratungsarbeit auch intensiv auf das Unterstützungsangebot aufmerksam gemacht und uns in bestimmten Einzelfällen eng mit den jeweiligen Mitarbeitern des Projekts ,STARK’ abgestimmt“, so Müller.

Die Mitarbeiter des Projekts suchten die Betroffenen nach Rücksprache mit den Eltern zunächst zu Hause auf. Sie sprachen mit den Mädchen und Jungen über ihre Lebensumstände sowie ihre konkrete Situation im Elternhaus und machten auch auf das Thema Suchterkrankung aufmerksam. Außerdem wurde im Januar 2014 eine aus Grundschulkindern bestehende „STARK“-Gruppe ins Leben gerufen. „In dieser Gruppe trafen sich einmal wöchentlich bis zu zehn Kinder im Europahaus in Dietzenbach. Sie redeten mit den „STARK“-Mitarbeitern zwei Stunden intensiv über sich, die teilweise schwierige Situation zu Hause sowie über ihre eigene Rolle innerhalb der Familie und den Wunsch Kind sein zu dürfen“, machte Lindner deutlich.

Ende August läuft nun das Projekt aus, ohne dass eine Fortsetzung mithilfe eines anderen Trägers oder Förderers erreicht wurde. „Wir haben wirklich mit Gott und der Welt Kontakt aufgenommen, aber leider ohne Erfolg“, ist auch Professor Gerd Stüve, der erste Vorsitzende der AGS, enttäuscht.

Wie AGS-Geschäftsführer Herbert Nuschenpickel bestätigte, wären zwischen 30 000 und 50 000 Euro jährlich nötig, um dieses Projekt sinnvoll weiterzuführen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare