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Der Abschied von dem Fitnessstudio fällt Betreiber Ralf Wylenzek nach 22 Jahren schwer.

Betreiber fällt Abschied schwer

Studio "Fitness-Time" schließt nach 22 Jahren

Wo jetzt noch Kunden Kraft und Ausdauer trainieren, soll bald ein Hotel entstehenGesundheitssport liegt im Trend. Und doch ist die Zeit von "Fitness-Time" abgelaufen. Nach 22 Jahren verkaufen Ralf Wylenzek und sein Partner Jörg Bergelt ihr Studio. Dort soll jetzt ein Hotel entstehen.

Raunheim - Die Brüder Emre und Abi Karagöz stehen an der Theke im Studio "Fitness-Time". Häufig werden sie die familiäre Atmosphäre nicht mehr genießen können. Denn am 30. April ist der letzte Trainingstag in dem Fitnessstudios. "Das tut mir leid. Hier hatte man seine Ruhe", sagt der 30-jährige Abi. Er habe gerne bei Fitness-Time trainiert. "Ralf hat sich sehr um uns gekümmert", sagt der fünf Jahre jüngere Emre. Beide werden zu einem anderen Studio wechseln.

Die Konkurrenz anderer Fitnessstudios ist es nicht, die Betreiber Ralf Wylenzek und seinen Partner Jörg Bergelt zur Aufgabe veranlasst haben. Andere Studios sind für Wylenzek nicht einmal Konkurrenz, er nennt sie vielmehr Mitbewerber.

Pläne haben sich geändert

Wylenzek und Bergelt wollten das Gebäude, in dem das Studio untergebracht ist, eigentlich verkaufen und als Mieter zu günstigen Konditionen weiter betreiben. Zwar hätten sie zunächst noch einmal in das Studio investieren müssen, doch bei günstigen Mietkonditionen wäre dies möglich gewesen, sagt Wylenzek. Nach fünf Jahren wollten sie sich, dann beide 60-jährig, in den Ruhestand begeben. Doch jetzt ist es doch anders gekommen.

Das Gebäude lasse sich laut der Festschreibung des Bebauungsplanes nur für gewerbliche Zwecke nutzen, so Wylenzek. Sie hatten auch mehrere Kaufinteressenten, die aus dem Gebäude ein Hotel machen wollten.Allerdings habe die aktuelle Entwicklung um zahlreiche geplante Hotels in Raunheim ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht, erzählt Wylenzek. Die potenziellen Käufer hätten es als zu spät empfunden, angesichts dieser Entwicklung erst in fünf Jahren mit einem Hotel zu starten. Der Verkauf sei dann sehr kurzfristig und schnell abgewickelt worden und aus dem Fitnessstudio wird jetzt doch ein Hotel. Also machen sie jetzt Schluss, nach 22 Jahren. Den Kunden sei anständig gekündigt worden. Ihnen seien auch Empfehlungen für andere Fitness-Studios ausgesprochen worden.

"Wir waren konkurrenzfähig", betont Wylenzek. Auch wenn er zugleich die Ansicht äußert, dass es in der Branche heute fast nur noch möglich sei, sich als Kette durchzusetzen. Denn die jungen Leute würden preiswerte Studios bevorzugen. Diese bräuchten dann allerdings auch viele Hundert Mitglieder, um sich zu finanzieren, "Fitness-Time" sei mit 400 Mitgliedern ausgekommen.

Und die hätten sich in dem Fitness-Studio wohlgefühlt. Im Gegensatz zur Massenabfertigung anderer Sportstudios sei die Atmosphäre sehr persönlich gewesen. "Deshalb sind die Kunden gerne gekommen", sagt Wylenzek. Fitnesssport liege nach wie vor im Trend, inzwischen auch bei älteren Menschen.

Wehmütiger Abschied

Wylenzek und Bergelt hatten 1997 das bereits bestehende Samurai-Studio übernommen. Sie bauten das Gebäude aus, so dass sie Keller, Erdgeschoss und ersten Stock als Fitnessstudio nutzen konnten. "Wenn man 22 Jahre hier drin ist, das ist fast ein Vierteljahrhundert", blickt Wylenzek mit ein wenig glänzenden Augen zurück. Er kam selbst aus dem Leistungssport, war sechs Jahre hauptamtlicher Landestrainer von Hessen in Judo, war zwei Mal Europapokalsieger mit dem Judo-Club Rüsselsheim und mehrfacher Deutscher Meister im Einzel. Der Fitnessbereich hatte ihn nicht zuletzt interessiert, weil er für das Judo Krafttraining machen musste. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht", sagt er.

Ein wenig Wehmut verspürt Wylenzek nun durchaus beim bevorstehenden Abschied. Er kann sich noch erinnern, dass sie 1997 das erste Beachvolleyballturnier der Region ausgerichtet hatten und 90 Tonnen Sand auf dem Parkplatz des gegenüberliegenden Autohauses aufgeschüttet hatten. Über seine Zukunft will er sich nicht äußern. Sein Partner betreibt indessen noch eine Baufirma.

von Rüdiger Koslowski

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