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Zu den Stoßzeiten kann es in den Bussen des LNVG und des RMV schon mal eng werden.

Nahverkehr

Täglich 33 000 Fahrgäste: "Die Kapazitätsgrenze ist erreicht"

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Busse der Lokalen Nahverkehrsgesellschaft sind in den Spitzenzeit mit einer Auslastung von 140 Prozent hoffnungslos überfüllt. Damit sei die Belastungsgrenze erreicht, so LNVG-Chef Christian Sommer.

Kreis Groß-Gerau - Voller Unverständnis haben Verkehrsexperten eine Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes (destatis) zur Kenntnis genommen. Demnach ist der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) nur zu 22 Prozent ausgelastet. Der Chef der Lokalen Nahverkehrsgesellschaft Kreis Groß-Gerau (LNVG), Christian Sommer, sagt es ganz unverhohlen: „Hier wird eine gute Sache schlechtgerechnet, um Stimmung zu machen“, ist er sich sicher.

Vier Busgesellschaften tragen den größten Teil des ÖPNV im Kreis Groß-Gerau, sagt Sommer weiter. Rund 80 Busse haben sie in ihren Fuhrparks. Damit wer-den Tag für Tag rund 33 000 Fahrgäste befördert. „Dafür haben wir in der Spitzenzeit mindestens 69 Fahrzeuge auf den Straßen“, sagt Sommer. Er ergänzt: „Damit sind wir an der Kapazitätsgrenze angekommen.“

Züge fallen aus

Der Experte weiß, dass die Busse morgens in den Spitzenzeiten teilweise mit bis zu 140 Prozent der rund 100 Plätze in Gelenkbussen und 40 in den Standartfahrzeugen „hoffnungslos überfüllt“ sind. Hinzu kommt die Situation in den überregional angebotenen Verbindungen. „Dafür ist der RMV verantwortlich“, sagt Sommer. „Was da los ist, darüber fluchen nahezu alle Berufspendler.“

Womit sie wohl recht haben. Besonders die S-Bahn der Linie 8 mache den Pendlern Ärger. Kaum in Dienst, hatten die Züge ihrer Kapazitätsgrenze erreicht. Hinzu kommt, dass an einigen Haltepunkten ständig gebaut wird. Fahrgast Hermann Franz (37) kommentiert auf dem Weg nach Kelsterbach: „Super, wie flott bei der Bahn gearbeitet wird. Da stehen zwei Mann rum. Aber geschafft wird nichts. Und das soll noch bis zum Herbst so weitergehen.“

Dazu heißt es vom RMV: „Die S-Bahnlinie 8 ist morgens bereits maximal ausgelastet und wir können infrastrukturell bedingt weder länger noch häufiger Fahrten anbieten“, so Maximilian Meyer. Außer an der Strecke zwischen Frankfurt und Kelsterbach werde im RMV-Gebiet an zahlreichen weiteren Bahnsteigen gearbeitet. Entsprechend hoch ist der Beschwerdepegel.

Vor allem, weil Züge immer wieder ganz ausfallen oder mit erheblichen Verspätungen fahren. Dies betrifft nicht zuletzt die Verbindung von der Landeshauptstadt Wiesbaden durch den Kreis nach Darmstadt und weiter bis nach Aschaffenburg.

Inzwischen fährt nicht mehr die Deutsche Bahn (DB) auf dieser Strecke, sondern die Hessische Landesbahn (HSL). Sie führt die Zugausfälle überwiegend auf Probleme mit den Stellwerken zurück. Und dafür sei wiederum die DB zuständig. Die erklärt, man habe wegen technisch bedingter Ausfälle bei den Stellwerken in Darmstadt und Neu-Isenburg Probleme einen geregelten Fahrbetrieb zu gewährleisten.

RMV-Sprecher Meyer kritisiert ebenfalls die Auswertung der Fahrgastzahlen durch destatis. Er sagt, bei der Auslastung im Zugverkehr sei immer zu be-denken, dass zeitliche und räumliche Nachfragespitzen die Gesamtkapazitäten prägen. Beispielsweise seien morgens viele Fahrten nach Frankfurt ausgelastet.

Negativpunkte

Die Kapazität lässt sich, so Meyer, auch nicht durch permanente Anpassung an die Nachfrage angleichen. Als Beispiel nennt er eine Zugeinheit mit 250 Sitzplätze, die auch dann verkehrt, obwohl der RMV weiß, dass eine Fahrt am Sonntagmorgen geringer ausgelastet ist. Das falle, so der RMV-Sprecher, als Negativpunkt in die Berechnung der Auslastung.

Der Geschäftsführer des RMV, Knut Ringat, bilanziert für die Zukunft positiv: „Damit unsere Fahrgäste barrierefrei von A nach B unterwegs sind, braucht es nicht nur barrierefreie Züge, sondern auch Bahnhöfe. Mein Dank gilt den Gemeinden und der Deutschen Bahn. Sie sorgen dafür, dass bald alle Fahrgäste, ob mit Rollstuhl, Fahrrad oder schwerem Gepäck, bequem die Bahnsteige und so die Züge nutzen können.“

Davon ist aber im Moment nicht die Rede. Baustellen auf den Haltepunkten sind nur ein kleines Übel. Viel schlimmer seien die ständigen Verspätungen auf fast allen Linien. „Ich fahre mit der S 8 grundsätzlich eine Bahn früher als ich müsste. Dann habe ich halbwegs die Garantie, pünktlich anzukommen“, so Hermann Franz.

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