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Thema Kleidung: Die Qual der Wahl im Kleiderschrank

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Was trägt Frau zu welchem Anlass? Um näher auf das Thema einzugehen, lud die evangelische Kirchengemeinde Königstädten zu einem Frauenfrühstück ein.

Was trägt Frau so, wenn sie zum Frauenfrühstück geht? Vom schlichten T-Shirt bis zum pinkfarbenen Pullover ist alles zu sehen, als die Damen sich um das Frühstücksbuffet sammeln. Da es noch recht frisch am Morgen ist, tragen viele eine Strickjacke . Soll die Kleidung bequem sein, oder den Charakter unterstreichen? Nach längerer Betrachtung ist kein Trend zu erkennen. Gepunktetes, Gestreiftes und Geblümtes trägt Frau am Samstagmorgen.

Johanna Becker von der Fachstelle Bildung hat den Vortrag an diesem Morgen übernommen und ist für die erkrankte Referentin eingesprungen. Gut erinnert sie sich noch daran, was sie alles von den Geschwistern übernehmen und auftragen musste. Mit Schaudern erinnert sie sich an eine lilafarbene Cordhose, die mit senfgelbem Pullover kombiniert wurde. Dann fordert sie die rund 50 Frauen auf, mit geistigem Auge einmal den eigenen Kleiderschrank zu durchforsten und darüber nachzudenken, was dort so schlummert.

Durchschnittlich hat eine Frau in Deutschland 118 Kleidungsstücke in ihrem Schrank. Meist ist es mehr. Studien haben ergeben, dass jedes fünfte Kleidungsstück nicht getragen wird. Je nachdem, um welches Kleidungsstück es sich handelt, kann es bis zu 25 Jahre ungetragen im Schrank hängen. Insbesondere Mäntel und Oberteile, die aus der Mode gekommen sind. Aussortiert werden Kleider, so ergab eine Studie von Greenpeace, die nicht mehr passen, nicht mehr gefallen, kaputt oder verschlissen sind. Natürlich ist ein weiterer Grund der, wieder Platz im Kleiderschrank zu schaffen. Auch der Umgang mit aussortierter Kleidung ist vielfältig. Beim täglichen Umgang mit Kleidung gilt es auch, die Frage danach zu stellen, wo sie herkommt, wer sie macht und ob sie sozial- und umweltgerecht produziert wurde. Erst vor wenigen Tage jährte sich der Unfall in einer Textilfabrik in Bangladesch zum fünften Mal. Das Thema ging damals um die Welt. Doch noch immer arbeiten Näherinnen unter schrecklichen Bedingungen und zu einem Hungerlohn, der oft nicht zum Überleben reicht. Becker las Schicksale von Näherinnen vor, die mit 14 Jahren zu arbeiten begannen und nach zehn Jahren gesundheitlich am Ende sind. Doch ist es schwierig, sich als Konsument mit der Problematik auseinanderzusetzen. Denn nur wer auf die Suche geht, wird fündig und entdeckt die schwarzen Schafe der Branche, die Labels, die nur auf Profit bedacht sind.

Im Rahmen der sich anschließenden Diskussion sind viele Besucherinnen der Ansicht, man solle den Aufwand in Kauf nehmen, um sich eine bessere Übersicht zu verschaffen. In Sachen Bewusstsein sei schon viel passiert, ist man sich einig. Gerade jüngere Generationen handeln bewusster beim Kleiderkauf. Und zuletzt gibt es für den Nachhauseweg noch einen Rat: Was momentan aus der Mode ist, kann nach einigen Jahren durchaus wieder voll im Trend liegen. Daher solle nicht so schnell weggeworfen werden. Die Schlaghosen der siebziger Jahre, so verpönt sie einst waren, erlebten schließlich auch eine Wiedergeburt. sura

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