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Till Walter führt mit Coaching zum persönlichen Glück

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Till Walter ist 20 Jahre alt und arbeitet als Coach. Dass das in keinem Widerspruch zueinander steht, hat er uns im persönlichen Gespräch erklärt.

Wenn Till Walter über Coaching spricht, gestikuliert er viel. Nicht wild oder impulsiv, eher mit Bedacht und subtil. Bevor er antwortet, überlegt er, redet in ruhigem Ton, lacht aber auch viel. Sein Gesicht verrät es, seine Ausstrahlung jedoch nicht: Walter ist erst 20 Jahre.

Nach dem Abitur studiert er ein Semester, ist sich unschlüssig in seinem Lebensziel, reist viel. „Ich habe so viele Leute getroffen und gemerkt: Ich liebe es, mich zu unterhalten und mit Menschen zu kommunizieren“, sagt er. Dann sucht er selbst einen Coach auf und weiß: Das ist es.

„Life Coach ist ein großer Begriff“, erklärt der Büttelborner. Wer sich jetzt vorstellt, dass Walter Manager im mittleren Alter berät, liegt falsch. „Beim Coaching begibt man sich auf eine Ebene mit der anderen Person“, erzählt er. „Das ginge für mich mit einem 50-Jährigen nicht sehr gut.“ Dass sich ein 20-Jähriger also mit den Lebenswelten Gleichaltriger auseinandersetzt, sei nur folgerichtig.

Seine Klienten sind zwischen 18 und 26 Jahre alt. Die Hälfte von ihnen seien Studierende, der Rest stünde vor dem Abi oder am Ende der Schulzeit. Mit ihnen beschäftigt er sich während seiner Sessions mit der Frage: „Wo will ich eigentlich hin?“

Im Grunde, erklärt Walter, gebe es zwei Gruppen: Die eine kenne ihr Ziel nicht, die andere schon, wisse aber nicht, wie sie es erreichen soll. Ein klassisches Beispiel dafür sei jemand, der sagt: „Ich möchte gern Kunst machen, aber da verdient man so wenig.“

So jemanden fragt Walter dann: „Wieso machst du nicht das, was du wirklich willst? Was blockiert dich?“ Das könnten oft die Erwartungen der Eltern oder der Gesellschaft sein, manchmal aber auch die eigenen Erwartungen.

Mit Blockaden hat Walter Erfahrung: Alles Schulische sei für ihn früher ein „rotes Tuch“ gewesen, bis ihm durch einen Schul- auch der Perspektivwechsel gelang. Er habe sich gefragt, was er an der Schule gut findet und kam zum Ergebnis, dass ihm Soziales und Musik besonders liegen

Fortan engagierte er sich stärker, wurde Schulsprecher und hielt regelmäßig Reden. Das Engagement sei von den Lehrern geschätzt worden, auch er selbst habe sich einfach besser gefühlt.

Gespräche auf Partys

Wer sich selbst nicht zu helfen weiß, den ermutigt Walter, sich coachen zu lassen. „Viele meiner Klienten treffe ich auf Partys.“ So käme man ins Gespräch. „Ich arbeite mit einer Altersgruppe, mit der sonst keiner so richtig arbeitet“, sagt er. Seine Sessions dauern etwa anderthalb Stunden, er macht Hausbesuche. Preislich orientiert er sich an seiner Zielgruppe, zudem ist das Coaching bisher nur sein zweites Standbein. Nebenher kellnert Walter in einem Treburer Café – „ein Job, den ich echt liebe.“

Die zweijährige Ausbildung zum NLP-Practitioner, so die offizielle Bezeichnung, hat er parallel dazu absolviert. Mit Abstand der Jüngste sei er bei den Praxisseminaren gewesen. Viele der anderen Teilnehmer hätten ihn darum beneidet: „Hätte ich bloß auch schon mit 20 Jahren angefangen“, sei ein Satz gewesen, den er häufig gehört habe.

Zur Ausbildung gehören verschiedene Schwerpunkte. Wie man gute Fragen stellt, um dem Gegenüber zu helfen, ist ein Kernthema, psychotherapeutische Herangehensweisen spielen eine große Rolle. Psychotherapeut oder Psychologe, das betont Walther, sei er aber keineswegs. „Mit Kranken arbeite ich nicht. Wenn ich merke, dass jemand schwerwiegendere psychische Probleme hat, spreche ich das in den Sitzungen an und empfehle eine Therapie.“ Falls jemand dann damit schon Probleme hätte, etwa, weil ein Gang zum Therapeuten immer noch stigmatisiert ist, könne er zum Beispiel dort ansetzen.

Darüber reden hilft

Ist das Grundproblem erkannt, entwickelt er gemeinsam mit dem Klienten Schritte, die die Blockade nach und nach lösen können. Zu nah dran an den Problemen seiner Altersgenossen ist er manchmal auch. „In dem Moment, in dem ich das Problem meiner Klienten zu meinem Problem mache, kann ich nicht mehr helfen“, sagt er. In so einem Fall empfiehlt er dann einen anderen Coach oder sucht eine andere Herangehensweise. Vom Ansatz des Coachings ist er überzeugt. „Alles ist mal entstanden, alles kann also auch wieder gehen“, meint der 20-Jährige. „Mit jemandem darüber zu reden, hilft immer.“ Jetzt will er seine Reichweite ausbauen, kümmert sich intensiv um die Vermarktung seiner Dienste.

„Ich investiere viel Zeit in Social Media und lerne gerade enorm dazu“, berichtet er. Auf Instagram postet Walter bereits regelmäßig Tipps für mehr Selbstreflektion und Zufriedenheit, eine eigene Website gibt es auch schon. Er freut sich darauf, wie es weitergeht. „Ich bin ein super positiver Mensch“, erklärt der junge Mann

Schlechte Tage? „Habe ich natürlich, wie jeder andere, auch“, sagt er schmunzelnd. „Aber positiv zu denken macht halt einfach viel Spaß.“

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