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Katahrina von Bora (links) und Martin Luther kommen sich bei einem zünftigen Bier näher.

Evangelische Kirche in Egelsbach

Zu Tisch mit Luther und Gemahlin

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Eigens für das Jubiläumsjahr gebrautes Lutherbier, gebratenes Federvieh und Krautpfanne – beim Festschmaus in der evangelischen Kirche Egelsbach wurde getafelt wie zu des Reformators Zeiten.

In einer Kirche ein Festschmaus halten – und sogar ein Fass Bier anschlagen. Darf man das? Dies alles geschah am Freitagabend in der evangelischen Kirche in Egelsbach. Tische wurden in das Kirchlein gebracht und mit Sackleinen überzogen, die Kirchenbänke verrückt und um die Tische gruppiert. So wurde schnell ein großer Speisesaal aus dem Kirchenraum. Die Beleuchtung war schummrig, so wie damals, als man bei Martin Luther und Katharina von Bora zu Tische saß. Über 80 Gäste, meist Egelsbacher, waren der Einladung von Katharina und Martin gefolgt, um gemeinsam mit ihnen zu speisen, Tischreden zu lauschen und gemeinsam zu singen. Als perfekte Gastgeber agierten die ehemals in Egelsbach wirkende Pfarrerin Renate Kübler als Katharina von Bora und Pfarrer Tilman Pape als Martin Luther.

„Das habe ich noch nie gemacht, ein Fass Bier angeschlagen – und erst recht nicht in einer Kirche, und das in meiner Kirche“, sagte Pfarrer Martin Diehl als er den Zapfhahn an den Spund setzte und den Hammer schwang. Es hat ganz gut geklappt, und so floss auch bald das zum Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“ gebraute Lutherbier.

Würfel vom Bauernbrot, dazu Schmalz und Schmand standen auf den Tischen, die Brennnessel-Suppe mit großen Rahmfladen, selbst gebacken von Karina Westphal-Ritz, folgten. Als Tischgebet sang die versammelte Gemeinschaft um die Gastgeber Katharina von Bora und Martin Luther das Traditionslied „Ein Feste Burg ist unser Gott“. Dann erzählte Katharina von Bora, die mit weiteren acht Nonnen in einem Kloster lebte, wie sie von den Botschaften eines Martin Luther erfuhr, der von einem ganz anderen Gott erzählte, als den man bisher kannte. „Wir waren verwirrt und gleichzeitig erleichtert, als wir die zu uns hereingeschmuggelten Schriften lasen“, berichtete Katharina von Bora. Heimlich wurde im Kreise der Nonnen diskutiert, wie man die neue Botschaft Luthers, dennoch erlöst zu werden, auch wenn man nicht im Kloster lebe, umsetzen könnte.

Der Torgauer Geschäftsmann Leonhardt Koeppe war es dann, der in der Osternacht 1523 unbemerkt die Nonnen aus dem Kloster schleusen konnte. Dass darauf die Todesstrafe stand, das war allen in diesem Moment egal. Freilich gab es auch Kritiker, die den Nonnen vorhielten, dass es ihre Begierde war, die sie aus dem Kloster getrieben habe. Jetzt war es aber Zeit für den nächsten Gang. Nach dem Lied „Nun aufwärts froh den Blick gewandt“, wurde gebratener grüner Hering mit Erbsenpüree serviert. „Das war damals eine typische Speise, denn Kartoffeln gab es ja noch nicht – zumindest nicht in Deutschland“, so Doktor Martin Luther. Auch wenn sich noch so manche Gräte in den Heringsstücken fand, gemundet hat es allen.

Zur besseren Verdauung trug Thomas Geiß wieder eine Passage aus dem Zusammenfinden von Martin Luther und Katharina von Bora vor. Diese hatte jedoch so ihre Bedenken, denn mit einem, bei dem es im Haus nicht sonderlich ordentlich aussah und der zudem seit einem Jahr seinen Strohsack nicht mehr ausgeschüttelt hatte, wollte sie nicht unbedingt zusammenleben. Aber bekanntlich gab es schon damals so etwas wie eine rosarote Brille und beide kamen sich näher und heirateten auch.

Ein gebratenes Stück vom zahmen Federvieh (Geschmorte Hähnchenschenkel) oder saftiger Schweinebraten aus der Salzkruste, dazu Schwarzbiersauce und Krautpfanne, dürfte an das Hochzeitsessen von damals erinnert haben.

Besonders interessant für die Gäste des Mahls war der Inhalt des einzigen Schriftstückes von Katharina von Bora, ein Brief der Witwe an ihre Schwägerin Christiana. „Dass ihr ein herzlich Mitleiden mit mir und meinen Kindern tragt, glaub ich leichtlich. Denn wer wollt nicht billig betrübt und bekümmert sein um einen solch teuren Mann, als mein lieber Herr gewesen ist? Der nicht allein einer Stadt oder einem Land, sondern der ganzen Welt gedienet hat? Und wenn ich hätt ein Fürstentum oder Kaisertum gehabt, sollt mir so Leid nimmermehr geschehen sein, so ich’ s verloren hätt, als nun unser lieber Herrgott mir und nicht alleine mir, sondern der ganzen Welt diesen lieben und teuren Mann genommen hat.“

Morgen, 31. Oktober, dem Reformationstag, folgt noch ein ökumenischer Festgottesdienst unter dem Motto „So klingt Kirche“ – natürlich mit viel Musik. Im Rahmen dieses Gottesdienstes werden Katholiken und Protestanten um Entschuldigung bitten für das, was sie in den letzten Jahrhunderten der jeweils anderen Konfession angetan haben.

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