Auf dem Brett steht man beim Surfen alleine. Deswegen musste der Verein seinen Sport trotz Corona nicht ruhen lassen. Archivfoto: Daniela Hamann
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Auf dem Brett steht man beim Surfen alleine. Deswegen musste der Verein seinen Sport trotz Corona nicht ruhen lassen. Archivfoto: Daniela Hamann

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"Auf dem Wasser vergisst man alles"

  • Anna Grösch
    VonAnna Grösch
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Hessenaue: Der Windsurfing-Club bereitet sich auf die Saison vor

Die Wahl des Studienorts hing für Uwe Bornholdt nicht nur damit zusammen, welche Uni er besuchen wollte. Ein anderer Fakt spielte ganz bedeutend mit rein, dass er schließlich in Kiel sein Studium begann. "Ich habe in Kiel studiert, damit ich surfen kann." Es sei wie ein Virus, beschreibt Bornholdt seine Leidenschaft. Und als willkommene Abwechslung geht es mal nicht um das Coronavirus, sondern um das "Surf-Virus", die Leidenschaft die ihn erfasst habe, seit er mit 17 Jahren das erste Mal auf einem Surfbrett gestanden habe.

Seitdem hat ihn das Surf-Virus nicht mehr losgelassen. Heute ist Bornholdt der zweite Vorsitzende des Windsurfingclubs Hessenaue in Trebur. Das andere, das Coronavirus, spürt man auch hier: Die Frühjahrsregatta musste nun erneut verschoben werden. Mitte Juni soll es nun endlich so weit sein. "Wegen Corona machen wir gerade keine Schulungen", berichtet Bornholdt weiter. "Es gibt auch keine Mitgliederversammlungen und Gruppen-Aktivitäten. Wir haben das nun auf den Sommer verschoben."

Surfen ging trotz Corona

Die nächste Vereinsversammlung im Juni soll vielleicht sogar am See abgehalten werden. Die Surfer haben allerdings im Gegensatz zu manch anderen Sportvereinen noch Glück gehabt: Den Sport an sich mussten sie während Corona nicht ruhen lassen.

Auf dem Brett steht man schließlich allein, surfen ist keine Kontaktsportart. Genug Platz bietet der See auf der Hessenaue. Der See ist an der breitesten Stelle etwa 360 Meter breit und bis zu 430 Meter lang. Von manchen Vereinsmitgliedern wird er liebevoll "der Tümpel" genannt, denn mit dem offenen Meer kann es der Binnensee in Trebur nunmal nicht aufnehmen.

Trotzdem hat er seine eigenen Tücken, wie Bornholdt erläutert. Beispielsweise müsse man wegen der kleinen Fläche oft wenden und Kurven fahren. Generell gibt es in Deutschland wenig Wasserflächen, die man zum Surfen nutzen kann, wie Bornholdt berichtet. Beim Vereinssee in Trebur herrscht ein striktes Badeverbot. Zu hoch wäre das Risiko, dass Surfer den Schwimmern mit hoher Geschwindigkeit zu nahe kommen. Für die Öffentlichkeit ist der See nicht einfach betretbar, man braucht einen Schlüssel und auch Nicht-Mitglieder dürfen nur nach vorheriger Anmeldung mitgebracht werden.

Doch Surfen ist nicht gleich Surfen - der Sport hat jede Menge Untergattungen und auch bei der Auswahl von Brettern, Segeln und Zubehör gibt es allerlei Auswahl. Das Hobby kann durchaus kostspielig sein. Wer ständig das neueste Brett und das neueste Equipment ausprobieren will, muss tief in die Tasche greifen.

Das kann sich nicht jeder leisten. Doch im Internet gibt es Plattformen für gebrauchtes Equipment, wie Bornholdt schildert. Auch der Windsurfingclub Hessenaue veranstaltet manchmal Gebraucht-Flohmärkte am See, wo die Surfer untereinander handeln und verkaufen können. "Viele von uns haben die Garage voll mit Brettern", erzählt Bornholdt.

Ein Gefühl von Freiheit

"Es geht immer ein bisschen leichter oder schneller." An den Brettern hängen viele schöne Erinnerungen, blickt der leidenschaftliche Windsurfer zurück. "Ich hatte an der Uni eine Vereinbarung mit meinem Professor: Ab Windstärke vier komme ich nicht." Das Surf-Virus, das Bornholdt befallen hat, kennen auch die rund 400 anderen Mitglieder des Surfclubs in Trebur. Die jüngsten Mitglieder sind gerade erst vier Jahre alt, die ältesten Surfer Anfang 80. Der Verein ist so beliebt, dass er momentan keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen kann.

Aus der ganzen Region kommen die Surfbegeisterten mit ihren Brettern zur Hessenaue, schließlich gibt es in der Gegend kaum Gewässer, die sich zum Surfen eignen. Bornholdt selbst hat allerdings noch andere Ziele: Er baut gerade einen Camping-Bus aus. "Damit wollen wir dann in den Urlaub fahren." Die Surfbretter dürfen dabei natürlich nicht fehlen. Rücksicht muss er da allerdings auf seine Frau nehmen, erzählt er lachend. "Früher gab es keinen Urlaub, der nicht am Wasser war."

Heutzutage gibt es Kompromisse. Bornholdt schätzt die Kameradschaft unter den Surfern, man hilft sich gegenseitig, trägt Bretter, verleiht Equipement. "Alle haben das gleiche Ziel: Spaß am See zu haben. Es ist egal, wo man herkommt, was man macht oder arbeitet. Am See sind alle per 'Du'. Und auf dem Wasser vergisst man alles. Dieses Gefühl von Freiheit ist fantastisch." Anna Grösch

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