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Treburer Oberwald

Besetzer sind weg, Bäume werden gefällt

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Das Protestcamp gegen den Flughafen-Ausbau wurde aufgelöst. Jetzt rollen die Bagger.

„Zutritt verboten!“, steht in roten Buchstaben auf dem gelben Absperrband das im Treburer Oberwald um die Bäume gespannt ist. Auch einen Tag nach dem das Protestcamp gegen den Flughafen-Ausbau im Waldstück zwischen Walldorf und Zeppelinheim von der Polizei geräumt wurde, ist es dort alles andere als ruhig. Im Gegenteil: Demonstranten sind am Mittwochmittag zwar keine mehr zu sehen, die Arbeiten scheinen jetzt gerade aber erst richtig zu beginnen. Mit Kettensägen ausgerüstete Männer in orangenen Warnwesten sägen an einem Ast nach dem anderen. Ein paar Meter weiter nimmt sich ein Bagger ganze Baumstämme vor. Die Polizei ist nach wie vor präsent. Auf dem Waldweg stehen Einsatzwagen. Mitarbeiter vom Sicherheitsdienst des Flughafenbetreibers in leuchtend gelben Parkern laufen auf und ab. Sie sollen ebenfalls dafür sorgen, dass sich niemand mehr unbefugt Zutritt zu dem Gelände verschafft, das weichen muss, damit dort ein Autobahnanschluss für das dritte Terminal des Frankfurter Flughafens entstehen kann.

Die Gemeinde Trebur hat das Waldstück im August an Fraport verkauft. Politiker sind sich bis heute uneins darüber, ob dies die richtige Entscheidung war.

Politiker uneins

Bürgermeister Carsten Sittmann (CDU) verteidigt die Entscheidung. Da andernfalls eine Enteignung gedroht hätte, sei der Verkauf gerechtfertigt. „Wir haben finanziellen Schaden von der Gemeinde abgewendet“, ist er überzeugt.

Rüdiger Lukas, der Fraktionschef der Freien Wähler in der Gemeindevertretung, teilt Sittmanns Meinung. Er stehe dazu, dass seine Fraktion für den Verkauf stimmte. Auf diese Weise habe sich „noch etwas „Geld in die Kasse spülen“ lassen. Da der Rechtsweg ausgeschöpft worden sei, habe sich ohnehin nichts mehr gegen die Rodung tun lassen. „Seit 2007 gibt es einen Planfeststellungsbeschluss. Da ist Recht gesprochen worden“, gibt Lukas zu bedenken. Es dennoch auf eine Enteignung ankommen zu lassen, sei für die Freien Wähler keine Option gewesen.

Oliver Görlich, der für die SPD ins Rennen um das Bürgermeisteramt geht, sieht die Sache anders. Er sagt: „Es wäre gut gewesen, wenn die Gemeinde dem Verkauf nicht zugestimmt hätte.“ Der Flughafen dürfe nicht noch mehr Lärm verursachen, zumal Trebur keine Industrie-, sondern eine Wohngemeinde sei. Dass durch den Verkauf finanzieller Schaden abgewendet wurde, lasse sich nicht sagen. „Die Enteignung hätte ja fair ablaufen müssen“, wendet er ein. Klar ist allerdings auch für ihn, dass die „Schlacht“ um den Wald schon längst geschlagen wurde. Für den Protest zeigt Görlich gleichwohl Verständnis. Landrat und SPD-Kreisvorsitzender Thomas Will sieht bei der Räumung einen Zusammenhang zur Landtagswahl. Die da Regierung jetzt keine Nachteile mehr befürchten müsse, sei gegen das Camp vorgegangen worden. Die Polizeiaktion gegen die Aktivisten hält Will für „überzogen“.

Ähnlich ist die Auffassung der Linkspartei. Deren Landtagsabgeordnete aus Trebur, Christina Böhm, bezeichnet das Vorgehen der Beamten als „martialisch“. Unterstützung bekommt sie von ihrer Parteifreundin Marianne Flörsheimer, Dezernentin für Verkehrsentwicklung in Rüsselsheim. Auch sie verurteilt die Räumung des Oberwalds „aufs Schärfste“.

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