Bürgermeister Jochen Engel traf sich im April mit Petra Martin. Sie vertritt die Hessenauer Bürger, die das Projekt "Wohnen am See" ablehnen. Die Online-Versammlung am Montag sollte den Bürgerdialog weiter fördern. ArchivfOTO: Keim
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Bürgermeister Jochen Engel traf sich im April mit Petra Martin. Sie vertritt die Hessenauer Bürger, die das Projekt "Wohnen am See" ablehnen. Die Online-Versammlung am Montag sollte den Bürgerdialog weiter fördern. ArchivfOTO: Keim

Baupläne "Wohnen am See"

Bürgermeister Engel stellt klar: Wir wollen den Investor nicht vor die Tür setzen

Erstmals werden Argumente zu den Plänen "Wohnen am See" bei einer Online-Diskussion ausgetauscht. Die Beteiligung ist groß. Die Skepsis bei einigen bleibt.

Seit geraumer Zeit schon beschäftigt die Bewohner des Ortsteils Hessenaue ein geplantes Bauvorhaben: "Wohnen am See". Dass ein Investor das Umfeld des kleinen Sees an der Feldstraße für Wohnbebauung entwickeln möchte, stieß bei großen Teilen der Hessenauer auf Skepsis, Kritik und auch Ablehnung. Die Neubebauung sei zu groß, passe nicht ins Ortsbild und zerstöre ein kleines Naturidyll.

Die Verwaltung mit Bürgermeister Jochen Engel (Freie Wähler) hat darauf längst reagiert, das Bauvorhaben erst einmal ausgesetzt und den Kontakt zu den Anwohnern gesucht. Die wiederum haben mit einer Unterschriftenliste ihren Protest bereits zum Ausdruck gebracht

Andreas Mars (GLT), Vorsitzender der Gemeindevertretung, bot zur allgemeinen städtebaulichen Entwicklung des ländlich geprägten Ortsteils, die der Stadtplaner Wolfgang Schulz von der Planungsgruppe Darmstadt erläuterte, jetzt eine Bürgerinformation an. Wegen Corona ging diese am Montagabend vor mehr als 60 Teilnehmern vorsichtshalber online über die Bühne.

Der Widerstand kam spät

Andreas Mars erinnerte daran, dass das Vorhaben die Politik bereits seit einigen Jahren beschäftige. "Das Thema ist sehr mit Emotionen verbunden", ergänzte Bürgermeister Engel. "Der Widerstand kam zwar spät, aber er kam."

Eine Konsequenz: Zwei aktuelle Bauvorhaben im Ortsteil Hessenaue, also nicht nur "Wohnen am See", sondern auch ein privates Vorhaben, sind erst einmal ausgesetzt. Doch für "Wohnen am See" wurde bereits von der Politik der Umfang von einst fünf Häusern auf zwei Häuser zurechtgestutzt.

Einige Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, sich über andere Themen zu informieren: den Ausbau des Glasfasernetzes und das Anlegen von Bürgersteigen. Wie Bürgermeister Engel erläuterte, haben Gehwege nichts mit dem städtebaulichen Konzept zu tun. Es sei aber ein Thema, das mittelfristig angegangen werden sollte - zumal der Schwerlastverkehr mehr und mehr ein Problem darstelle. Es müsse aber erst einmal finanziell konkretisiert werden. "Denn es gibt eine Straßenbeitragssatzung, was dazu führen würde, dass die Anlieger das Vorhaben mit bezahlen müssten." Was den Ausbau des Glasfasernetzes angehe, so gebe es zwar interessierte Investoren, aber noch keine konkreten Pläne.

Engel zog ein positives Fazit der Bürgerinfo: "Ich war erfreut über die rege Beteiligung der Bürger der Hessenaue sowie vereinzelt auch aus den anderen Ortsteilen. Die hohe Teilnehmerzahl hat gezeigt, dass wir mit unseren Beteiligungsformaten auf dem richtigen Weg sind." Das durchaus emotionale Thema sei sehr sachlich besprochen und erklärt worden.

Investor nicht vor die Tür setzen

"Für die weitere städtebauliche Entwicklung der Hessenaue haben wir die wesentlichen Anregungen aus der Bürgerschaft übernommen, nämlich die Reduzierung der Gebäude am See sowie die Festsetzung des Abstand der Baukörper zur Feldstraße auf zehn Meter." Deutlich sei auch geworden, dass einige Hessenauer am liebsten gar keine Bebauung auf dem Seegrundstück hätten. Aber der Bürgermeister stellte noch einmal klar, dass man den Investor nicht mit seinem Vorhaben vor die Tür setzen wolle.

"Das würde keinem Hessenauer gefallen, wenn wir bei seinem Bauvorhaben so verfahren würde." Letztlich bleibe aber abzuwarten, ob der Investor das Projekt unter den geänderten Rahmenbedingungen noch umsetzen will. Die Verwaltung will der Gemeindevertretung nach der Sommerpause eine "sinnvolle Grundlage" zur Entscheidung vorlegen. Ziel ist immer noch, einen umfassenden Bebauungsplan für den gesamten Ortsteil Hessenaue auf den Weg zu bringen. Ralph Keim

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