Ferdi Mendel zeigt auf Fotos, wie der Damm noch vor einem Jahr zur gleichen Zeit ausgesehen hat. Dahinter ist der selbe Abschnitt zu sehen, der in diesem Jahr früher gemäht wurde.
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Ferdi Mendel zeigt auf Fotos, wie der Damm noch vor einem Jahr zur gleichen Zeit ausgesehen hat. Dahinter ist der selbe Abschnitt zu sehen, der in diesem Jahr früher gemäht wurde.

Natur

Deichmeisterei bereitet der Blütenpracht am Treburer Damm ein jähes Ende

Nachdem die Deichmeisterei ihre Arbeit abgeschlossen hat, bleibt nichts als Heu zurück. Sie hat am Treburer Ortsrand den Damm gemäht und damit den Ärger von Ferdi Mendel auf sich gezogen.

Trebur -Während auf einem angrenzenden Feld der Mohn in voller Blüte steht und die Spaziergänger erfreut, bietet sich hinter dem Treburer Freibad ein trauriges Bild. Der vertrocknete Grasschnitt kleidet den Damm in strohiges Gelb, nur hier und da blüht vereinzelt eine widerspenstige Mohnblüte.

"Ich habe es am Vatertag entdeckt und dachte, das gibt es doch nicht", berichtet Ferdi Mendel vom Treburer Nabu aufgebracht. Dass außer ihm offensichtlich niemand reagiert und "alles so hingenommen wird", mache ihn wütend. Auf seine Anfrage bei der Gemeinde habe er keine Antwort erhalten. Allerdings ist für den Damm auch nicht die Gemeinde, sondern das Regierungspräsidium in Darmstadt zuständig.

Lebensraum für Insekten zerstört

"Würde man die Pflanzen ausblühen lassen, würde das auch die Wurzeln stabilisieren und den Damm noch mehr verfestigen", ist sich das engagierte Nabu-Mitglied sicher. Nun seien bei der Mahd viele wichtige Insekten getötet und den Überlebenden der Lebensraum genommen worden. Verstärkt würden die negativen Effekte noch durch das Mulchen, "das ist Gift für die Insekten". Mulchen bedeutet, dass man den Grasschnitt als Dünger auf den abgemähten Flächen liegen lässt.

Vergangenes Jahr habe man viel später gemäht, informiert Mendel und zeigt als Beweis ein Foto vom 2. Juni 2019, das den selben Dammabschnitt zeigt. Leuchtend roter Mohn wächst dort üppig auf der schrägen Fläche, der Kontrast zum heutigen Anblick könnte kaum größer sein.

Auf Nachfrage beim Regierungspräsidium in Darmstadt erklärt Pressesprecher Christoph Süß, dass die für die Ausführung zuständige Deichmeisterei sich an die geltenden Vorgaben gehalten habe. Zwar dürften einige Abschnitte des Dammes aus Umweltschutzgründen nicht mehr vor dem 15. Juni gemäht werden, das gelte aber nicht für den Bereich auf Treburer Gemarkung. Eine Karte des Regierungspräsidiums belegt das, wenngleich das Dokument nicht datiert ist. Die Aussagen von Süß will Mendel nicht gelten lassen. "Die Situation hat sich geändert, man muss dem Rechnung tragen", findet er. Andernorts würden von der gleichen Stelle - dem Regierungspräsidium in Darmstadt - Blühstreifen finanziert, hier, wo ein solcher sozusagen kostenlos sei, werde gemäht.

Wichtig für den Artenschutz

Bestätigt fühlt sich Mendel durch den Bericht zur Lage der Natur, der am 19. Mai von Bundesumweltministerin Svenja Schulze in Berlin vorgestellt wurde. Darin geht es auch um die Bedeutung artenreicher Wiesenflächen für die Biodiversität. Als größte Probleme werden hier der Einsatz von Dünger und Pestiziden und das zu häufige Mähen genannt.

Dem Sterben der Insekten folge als nächster Schritt das Vogelsterben. Ein Drittel aller geschützter Tierarten sei mittlerweile gefährdet. Fast 70 Prozent der Lebensräume seien aus Sicht des Artenschutzes in einem unzureichenden oder schlechten Zustand. So steht es im Bericht des Bundesministeriums.

Gerade hier, am Ortsrand von Trebur, sei die Deichsicherheit ein Argument, das man eigentlich nicht anführen könne, berichtet Mendel. "Der Damm hier hat gar keine Funktion mehr. Früher kam das Wasser in den Ort", sagt Mendel. Mittlerweile halte der viel größere Damm näher am Rhein das Hochwasser davon ab, in Ortsnähe zu kommen.

"Man muss sich anpassen können, an die geänderten Rahmenbedingungen", appelliert der Treburer an die verantwortlichen Stellen. "Was erst einmal zerstört ist, kommt nicht so schnell zurück", lautet seine düstere Prognose. Maraike Stich

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