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Das Rebhuhn zählt zu den bedrohten Arten. Im Kreis fühlt es sich wohl.

Umwelt

Dem Rebhuhn geht es in Trebur gut

Der Nabu schlägt Alarm: Das Rebhuhn ist vom Aussterben bedroht. Daher setzt sich der Hegering für die bedrohte Art ein.

Trebur – Ein wenig drollig sieht es ja schon aus, das Rebhuhn: birnenförmiger Körper, kleiner Kopf, das Gesicht mit orangefarbenen Federn bedeckt. Selten begegnet man ihm in freier Wildbahn. Aber nicht, weil es so scheu ist: Es ist vom Aussterben bedroht. In den vergangenen 40 Jahre hat sich der Bestand um mehr als 90 Prozent verringert. Der Nabu schlägt deshalb bundesweit Alarm.

Im Gebiet rund um Trebur geht es dem Rebhuhn noch verhältnismäßig gut, klärt Patrick Fülling auf. Er ist Jäger und Rebhuhn-Experte, hat er doch 2019 den Rebhuhn-Hegering Groß-Gerau mitgegründet. Insgesamt fünfzehn Kommunen sind daran beteiligt. "In Trebur und Astheim sieht es ganz gut aus", informiert Fülling. Er und sein Team führen jährlich Zählungen durch, eine interaktive Karte auf der Website www.niederwild.com zeigt an, wo wie viele Tiere gesichtet wurden. "Vor allem in Leeheim am Golfplatz besteht eine Sondersituation, dort laufen sehr viele Rebhühner rund um den Platz", berichtet Fülling.

Weil die Dichte aber in den vergangenen 20 Jahren extrem abgenommen habe, sei der Hegering gegründet worden - die ersten Erfolg, so Fülling, zeigten sich schon. "Wir haben es auf einem niedrigen Niveau stabilisiert", sagt er.

Drei Säulen für erfolgreichen Erhalt

Das Konzept des Hegerings beruht auf drei Säulen: Lebensraumverbesserung, gezielte Fütterung der Tiere und Bejagung von Fressfeinden. Zur ersten Säule zählt vor allem die Sensibilisierung der Landwirte, aber auch den Einsatz für das Rebhuhn auf agrarpolitischer Ebene. Die intensive Landwirtschaft sei ein Problem: Die für Rebhühner immens wichtigen, weil proteinreichen Insekten finden aufgrund von Monokulturen und mangelnder Vielfalt auf dem Acker keine Nahrung mehr. In der Folge verhungern die Hühner. Eine Fütterung mit Getreide ist deshalb notwendig. Fülling betont: "Der einzelne Landwirt ist nicht Schuld." Das Verhältnis des Hegerings und der Bauern sei gut. "Wir Jäger kennen die Landwirte von der Arbeit im Revier. Das ist ein Vorteil."

Trotzdem müssten die Bauern im Idealfall mehr Blühstreifen anpflanzen - das sorge auch für positive Rückmeldung von Spaziergängern und bestärke die Landwirte oftmals. Und auch die Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden ist wichtig. Diese profitierten generell vom Wildtiermonitoring der Jägerschaft, sagt Jägerkollege und Biologe Bodo Friedrich. Jäger seien oftmals das Bindeglied zwischen Naturschutz und Landwirten, so Fülling.

Zählung erfolgt im Frühjahr

Bei den Naturschützern, sagt der Rüsselsheimer Nabu-Vorsitzende Dieter Baumgardt, fehle es leider auch schlicht an Personal, um eine konstante Überprüfung durchzuführen. Aber auch sie leisten einen großen Beitrag: "Wir pachten Landstücke, pflegen sie und gucken, dass dort Tiere vorkommen, die normalerweise auch dort leben", so Baumgardt.

Generell müssten genügend Hecken vorhanden sein, damit das Rebhuhn sich vor Greifvögeln verstecken kann, sagt Fülling. "Rebhähne brauchen Sichtschutzgrenzen in Bezug auf die Revierbildung", ergänzt Friedrich. "Sonst verzetteln sich die Tiere in Revierkämpfen."

Bei der Rebhuhnerfassung, berichtet er, werde mit Tonkonserven gearbeitet: Zwischen Februar und März wird der Rebhahn mit dem aufgenommenen Lockruf zu einer Antwort gereizt. Die Fundpunkte werden notiert und geben einerseits Auskunft über die Population, aber auch darüber, wo welche Schutzmaßnahmen eingesetzt werden können.

Die aktive Raubtierbejagung erfolge allerdings auch: Füchse, Marder, Dachse oder Raubvögel gehören zu den Feinden der Rebhühner.

Der aktuelle Bestand an Rebhuhnbrutpaare bei den teilnehmenden Revieren wird auf 75 bis 100 Brutpaare geschätzt. Die Daten der diesjährigen Herbstzählung liegen noch nicht vor, aber Patrick Fülling mutmaßt, dass der Bruterfolg 2020 gut gewesen sein könnte. Das Rebhuhn profitiert nämlich von der Trockenheit: "Es ist ein Steppenbewohner und mag das trockene Klima. Wenn es viel regnet, erfrieren oft die Küken", weiß er. "Ich bin zuversichtlich, dass wir bald mehr Rebhühner hier haben." lor

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