Die drei Musiker der niederländischen Band DeWolff überzeugen durch Virtuosität und Spielfreude.
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Die drei Musiker der niederländischen Band DeWolff überzeugen durch Virtuosität und Spielfreude.

Musikfestival

Der Funke springt auch im Kleinformat über

Beim "TOA.zip" wird auf dem Festivalgelände musiziert, getanzt und gefeiert.

Trebur -Als "megaspaßig komprimiert" und "mit Luft nach oben" bezeichnen die Veranstalter des "TOA.zip" die Veranstaltung in diesem Jahr. Trebur Open Air (TOA) unter Pandemie-Bedingungen eben, nur 700 Karten konnten verkauft werden, die Zahl der Camping-Tickets liegt mit nur 200 noch einmal wesentlich darunter. Doch trotz der Einschränkungen wurde am ersten der beiden Tage am Gelände des Fritz-Becker-Bads musiziert, getanzt und natürlich gefeiert. Die Personenzahl bot tatsächlich "Luft nach oben", doch von der Stimmung ließ sich das nicht behaupten.

Auf dem Festivalgelände herrscht am frühen Abend wuseliges Treiben und die auf den Platz gestellten Bierbank-Garnituren erinnern eher an ein Volksfest als ein Festival. Aber die sind schließlich dafür da, um den Abstand zu wahren und den Platz zu entzerren. Nicht überall muss eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden. Nur dort, "wo es eng wird": in den Schlangen zu Essen und Getränken zum Beispiel. Auf der Bühne spielen Akne Kid Joe deutschen Punk, ein paar Vereinzelte tanzen bereits vor der Bühne. Die anderen Besucher sitzen entspannt bei einem Getränk zusammen, nicken mit dem Kopf zum Rhythmus der Musik und unterhalten sich.

Tickets sind alle ausverkauft

"Das Trebur Open Air ist immer ein großes Familientreffen", sagt Stefan Kasseckert, der bei der Gemeinde unter anderem für das Festival zuständig ist. "Die Musiker treffen sich, die Menschen die zum Feiern herkommen. Auch Treburer, die inzwischen weiter weggezogen sind, nehmen das zum Anlass, mal zurückzukommen. Es ist ein großes familiäres Gefühl." Ein paar Meter weiter wird ein Häkel-Kurs angeboten, es gibt zwei Verkaufsstände für Kleidung und nachhaltige Haushalts- und Hygieneartikel. Nicht zu vergessen die kleine "Fressmeile", mit Burgern, Brezeln, Pommes und mehr. Festival-Feeling kommt also auf - trotz der komprimierten TOA-Version.

Die Tickets sind alle ausverkauft. "700 Leute sind hier", berichtet Stefan Kasseckert. "Wir haben das Gelände vermessen und geschaut, wie wir die Abstände einhalten können." Die 200 Campingtickets seien innerhalb von zwölf Minuten ausverkauft gewesen. Alles in allem seien die Veranstalter sehr zufrieden und glücklich mit dem Festival im Kleinformat - bei dem bis vor Kurzem noch nicht einmal sicher war, ob und wie es überhaupt stattfinden können würde.

Auf der Bühne eröffnete die Band Firstborn Unicorn aus Frankfurt den Tag, danach folgt die Metal-Band Postmodern Fantasy. "Es ist besser als gedacht", berichtet Besucher Lars, der wegen der Corona-Regelungen im Vorhinein skeptisch war. Immerhin ist er mit seinen Freunden bereits zum siebten Mal auf dem Trebur Open Air, wie er sagt. "Man merkt aber eben, dass es auf dem Zeltplatz deutlich ruhiger als sonst ist." Er und seine Kumpels Fabian und Marc freuen sich besonders auf die Band Elfmorgen, die am Samstag ihren Auftritt hat. "Wir kommen aber sowieso nicht unbedingt wegen der Bands, sondern wegen des Feelings."

Das Publikum feiert die Bands

Jede Menge von diesem Feeling beweisen dann auch DeWolff aus den Niederlanden an Gitarre, Schlagzeug und Klavier. Die drei Musiker spielen psychedelischen Bluesrock, der stark an die Musik der 1960er und 70er angelehnt ist. Das Publikum feiert die Niederländer, die durch virtuose Improvisationen und Spielfreude begeistern. So viel Spielfreude, dass sie die Bühne am liebsten gar nicht mehr verlassen möchten und sogar 20 Minuten länger spielen, als eigentlich vorgesehen. "Es war toll, mal wieder vor richtigem Publikum zu spielen", sagt Gitarrist Pablo van de Poel später am Merchandise-Stand. "In den Niederlanden sind nur Konzerte im Sitzen erlaubt."

In Trebur hingegen wird getanzt, das Publikum feiert die Leipziger von "100 Kilo Herz", die den Abend mit Brass-Punk beenden. Eine Punkrock-Band mit Trompete und Saxophon - eine ungewöhnliche Mischung, die aber überzeugt. Spätestens bei dem "Wir sind Helden"-Cover "Denkmal" springen und singen aber auch wirklich alle Besucher vor der Bühne mit.

Anna Grösch

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